16/05/2017 

Endlich darfst du deinen Welpen abholen. Wie aufregend! Besonders für den kleinen Hund, dem du nun ein Zuhause gibst. Aber auch für dich wird es spannend, erst recht, wenn du ein Hundeneuling bist. Für die ersten Wochen mit dem neuen Familienmitglied haben wir hier hilfreiche Infos und Tipps gesammelt – vom Einzug des Welpen über seine Ernährung bis zur Welpenschule.

Tipps von Hundetrainerin Kristina Ziemer-Falke

Erledige schon vor der Übernahme des neuen Familienmitglieds die Formalitäten durch einen Gang zu deiner Gemeinde. Sowohl Bundesländer als auch Kommunen haben unterschiedliche Gesetze und Verordnungen – so lohnt es sich, ein „Update“ direkt vor Ort einzuholen. Du bekommst Informationen

+ zu Hundesteuer und Versicherungs-/ Registrierungspflicht
+ ggf. zum Hundeführerschein
+ zu Auslaufflächen, Leinenpflicht usw.

Hilfreich ist auch die frühzeitige Suche nach Tierarzt und Hundeschule. Informiere dich, welche Inhalte die Welpenkurse bieten. Weitere Entscheidungskriterien, ob die Hundeschule für euch infrage kommt, sind:

+ Die Hundeschule sollte nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen arbeiten und die Trainer für ein entspanntes Lernumfeld sorgen.
+ Du selbst sollest dich wohlfühlen, da Sympathie oder Antipathie entscheidend für den Trainingserfolg sind.

Das Zuhause vorbereiten

Leiste gute Vorarbeit, indem du deine Nachbarn und ggf. deinen Vermieter über den Neuzugang informierst. Mögliche Bedenken könnt ihr im Vorfeld gemeinsam aus der Welt schaffen, das entspannt ungemein. Kommt dein Welpe zu dir nach Hause, solltest du ihm Zeit gönnen, dich, deine Familie und sein neues Wohnumfeld kennenzulernen. Bitte Freunde und Bekannte, in den ersten Tagen von Besuchen abzusehen. So kann der Welpe sich in Ruhe an sein neues Heim gewöhnen und  lernen, wer und was jetzt zu ihm gehört.

Zu seinem Equipment sollte ein Platz gehören, an den er sich immer zurückziehen kann, um zu entspannen. Das kann ein Körbchen, eine Decke oder eine Box sein. Wichtig ist, dass er gerne an diesen Platz geht. Auch du darfst von Beginn an einen Raum für ihn tabuisieren, etwa das Bad – quasi dein Ruheplatz. Hundenäpfe zum Füttern und freizugängliches frisches Wasser sollten am besten auf einem Fliesengrund stehen, da drum herum mit einer Pfützenbildung zu rechnen ist. Biete dem Welpen auch direkt den richtigen Platz draußen an, an dem er sich lösen darf. Je eher er ihn kennenlernt, desto leichter wird es mit der Stubenreinheit klappen.

Hier geht es zur Website von Hundetrainerin Kristina Ziemer-Falke

Die Ernährung deines Welpen

Liebe geht durch den Magen. Aber davon allein wird ein Welpe nicht wirklich groß und stark. Dazu braucht es schon die richtige Ernährung.

Mit einem Griff zu den Dosen im Supermarktregal ist es nicht getan. Denn Hunde haben andere Nährstoffbedürfnisse als Menschen und Welpen andere Ansprüche als ihre erwachsenen Artgenossen. Der Hauptlebenszweck eines Welpen ist: wachsen. Und das tut er ziemlich schnell, ein Chihuahua etwas rasanter als ein Hunderiese, der erst mit zwei Jahren ausgewachsen ist.

Besonders wichtig für den Jungspund ist das Verhältnis von Kalzium und Phosphor. Sie sind die wichtigsten Player beim Knochenaufbau. Doch viel hilft nicht viel: Eine Überversorgung mit Kalzium kann zu schweren Skelettdeformationen führen, bei einem Mangel brechen die Knochen.

Gute Züchter geben etwas „Wegenahrung“ für ihre Welpen mit oder nennen die Marke oder Rezeptur des gewohnten Futters, denn abrupte Futterwechsel führen oft zu Bauchgrimmen oder, schlimmer noch, Durchfall. Lasse dir gut 2 Wochen Zeit für die Umstellung. Warte mindestens 3 Tage, ehe du anfängst, immer wieder ein bisschen mehr von dem gewohnten Futter durch das neue zu ersetzen. Schließlich hat das Verdauungssystem deines Neuzugangs genug damit zu tun, sich mit der Keimflora des Haushalts anzufreunden.

Was füttern?

Es gibt Dosen- oder Trockenfutter, du kannst auch selbst kochen oder roh à la Barf füttern. Wenn du ein Fertigfutter wählst, greife zu einem „Alleinfuttermittel für wachsende Hunde“. Der Begriff soll garantieren, dass damit der Gesamtbedarf eines Tieres an Nährstoffen samt Vitaminen und Mineralstoffen abgedeckt wird.

An das Abenteuer des Selbstkochens oder Barfens solltest du dich als Neuling erst heranwagen, wenn du den tierärztlichen Ernährungsberater deines Vertrauens gefunden haben. Dass Speisereste nichts für noch so herzerweichend guckende Hündchen sind, dürfte sich herumgesprochen haben. Sollte dennoch ein Stückchen von deinem Teller versehentlich vor die Schnauze deines Lieblings fallen, achte darauf, dass es weder scharf gewürzt noch stark gesalzen ist.

Wie füttern?

Was auch immer im Napf landet, sollte Zimmertemperatur haben. Da der Magen des jungen Hundes nicht nur empfindlich, sondern auch noch klein ist, verteilst du die Tagesration am besten auf 4 bis 5 Mahlzeiten. Monat für Monat verringerst du deren Anzahl, bis du mit rund einem halben Jahr beim Ziel von 2 Fütterungen täglich angelangt bist. Will dein kleiner Gourmet den Napf nicht leeren, entsorge nach rund 15 Minuten die Reste.

Tipps

Gibst du das passende Futter?

Ja, wenn dein Welpe:

+ rassetypisch wächst und gedeiht (Orientiere dich an der entsprechenden Wachstumskurve)

+ weder müde noch überdreht, sondern vital wirkt

+ mit herzhaftem Appetit frisst

+ 1 bis 3 mal am Tag mittel- bis dunkelbraune, wohlgeformte Häufchen
macht

+ keine Probleme mit Haut oder Schleimhäuten hat.

Im Zweifel helfen Expertenrat und wöchentliche Gewichtskontrollen.

Die Gesundheit des Welpen

Wie du deinen vierbeinigen Liebling gegen Würmer und gefährliche Erreger schützt, liest du hier. 

Geimpft werden darf nur, wenn der Hund zum Zeitpunkt der Impfung gesund ist. Damit sie optimal wirken kann, ist es wichtig, dass der Hund parasitenfrei ist. Daher empfiehlt es sich, ihn rechtzeitig vor jeder Schutzimpfung zu entwurmen.

Spul- und Bandwürmer befallen besonders Welpen, die sich sogar schon über die Muttermilch oder die Ausscheidungen von Artgenossen anstecken können. In der Regel hat der Züchter mit der Entwurmung begonnen: Welpen werden bereits 2 Wochen nach der Geburt und danach alle 2 Wochen bis nach dem Absetzen gegen Würmer behandelt. Später kann 3- bis 4-mal jährlich beziehungsweise bei Befall entwurmt werden.

Oft erhalten die Welpen beim Züchter auch ihre erste Impfung. Frage deshalb grundsätzlich nach dem Impfstatus des Tieres und lasse dir den Impfpass aushändigen. Die Grundimmunisierung wird ab der achten Lebenswoche mit der Erstimpfung gegen Staupe, Parvovirose und Leptospirose begonnen. Im Ausnahme fall kann gegen die gefürchtete Parvovirose, die mit schweren, blutigen Durchfällen einhergeht und oft Tierleben kostet, bereits in der sechsten Lebenswoche geimpft werden.

Tollwut

Wegen der noch vorhandenen, vom Muttertier mit der Milch an die Jungen weitergegebenen Antikörper muss etwa 4 Wochen später die Zweitimpfung erfolgen. Dabei wird nicht nur gegen die genannten Krankheiten, sondern auch gegen Tollwut geimpft. Eine Tollwutimpfung vor der 12. Lebenswoche ist unsinnig, da dann die entsprechenden Antikörper mit den Antikörpern der Mutter „kollidieren“.

Der Welpe als Zweithund

Mehrhundehaltung ist „in“. Was zu beachten ist, wenn du einen Welpen zu einem älteren Hund gesellen möchtest, erläutert Hundetrainer Rolf C. Franck im Interview.

Wenn man einen Welpen als Zweithund dazunehmen will: Gibt es da einen idealen Altersabstand?

Die Grundregel ist, dass der ältere Hund aus dem Gröbsten raus sein muss, er sollte also mindestens ein Jahr alt und gut erzogen sein. Wenn Sie aber vermeiden möchten, dass beide Hunde gleichzeitig alt werden und eventuell kurz hintereinander sterben, dann sollten Sie einen größeren Abstand wählen.

Gibt es eine Altersobergrenze?

Nein, im Gegenteil, wir erleben oft, dass die Älteren neben einem Welpen regelrecht aufblühen. Wichtig ist, dass Sie die beiden in den ersten Monaten immer beaufsichtigen, wenn sie zusammen sind. Nur so können Sie verhindern, dass der Welpe den Senioren malträtiert, auch wenn es lieb gemeint ist. Die Älteren sind nämlich oft selber zu nett und nicht in der Lage, den Welpen zu erziehen. Die Folge ist, dass der Ersthund entweder sich depressiv zurückzieht oder dass ihm irgendwann die Hutschnur platzt und er den Welpen unangemessen zurechtweist. Danach kann es sehr schwer sein, das Verhältnis der beiden wieder zu kitten. Achten Sie daher von Anfang darauf, dass der Welpe den Älteren nicht nervt.

Woran merkt man, dass es dem Älteren zu viel wird?

In geschlossenen Räumen kann das z. B. sein, dass er den Kopf wegdreht oder gähnt. Das bedeutet, dass er keinen Kontakt mehr wünscht. In dem Fall sollten Sie die beiden trennen. Das kann durch verschiedene Räumlichkeiten sein, oder aber auch durch eine Hausleine, das ist ein etwa 1,20 Meter langes Seil, das ins Geschirr eingehakt wird. Die Hausleine darf der Welpe aber nur unter Aufsicht tragen. Steuern können Sie auch, indem Sie den jungen Hund dafür belohnen, dass er den älteren nicht belästigt. Wenn Sie sich unsicher sind, stellen Sie sich vor, Menschenkinder vor sich zu haben. Sie würden Ihrem 6-Jährigen ja auch nicht erlauben, dass er zu Ihrem 12-Jährigen ins Zimmer geht, um auf dessen Computer herumzuspielen.

Was raten Sie in Sachen Körbchen und Fütterungsmanagement?

Generell gilt, dass es immer ein Körbchen mehr als Hunde im Haushalt geben sollte. Bei der Fütterung empfiehlt es sich, ein festes Ritual einzuführen. Keinesfalls dürfen Sie dulden, dass ein Hund den anderen von dessen Napf vertreibt oder gar wegknurrt. Dazu kann es sinnvoll sein, den Welpen anzuleinen oder die Hunde räumlich getrennt zu füttern.

Hier geht es zur Website von Hundetrainer Rolf C. Franck

In der Welpenschule

Die Welpenschule ist meist nicht nur eine Reisengaudi für den Jungspund, sondern bereitet auch auf ein harmonisches Zusammenleben. Trainerin Kristina Ziemer-Falke beschreibt, was euch dort erwartet.

Sinn und Zweck ist es, den Hund auf sein Leben vorzubereiten, und das klappt prima zusammen mit Artgenossen. Kontrolliertes Spiel in einer Gruppe bis zu rund 6 Welpen pro Trainer ist eine gute Sache. Während des Spielens testet der Welpe seine kommunikativen Fähigkeiten. Oft sieht dies bedrohlich aus, da das Ausdrucksverhalten in Spielsequenzen übertrieben dargestellt wird. So lernt er die Wirkung seines Körpers und seiner Stimmung auf andere kennen – und umgekehrt.

Aber nicht nur die Sozialisation, sondern auch die Habituation, die Gewöhnung an Umweltreize, sollte stattfinden. Das unterstützt der Trainer, indem er verschiedene Gegenstände mit in die Welpenstunde integriert, ihnen jedoch keine besondere Aufmerksamkeit schenkt. So findet eine unbewusste Gewöhnung statt. Du als frischgebackener Hundehalter/als frisch gebackene Hundehalterin hast einen großen Nutzen davon, wenn der Trainer auch Übungs- und Theorieeinheiten einbaut und dir zeigt, wie du dem Hund verschiedene Übungen richtig beibringst. Löchere deinen Trainer, er sollte dir bei der Praxis und bei allen Fragen zur Verfügung stehen.