19/05/2017 

Mandelentzündungen beim Hund werden leicht übersehen, können aber sehr schmerzhaft sein. In diesem Artikel erfährst du, welche Symptome auf eine Tonsillitis hinweisen, wie Tierärzte die Erkrankung sicher diagnostizieren, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und was du tun kannst, um Mandelentzündungen vorzubeugen und den Hals deines Hundes zu schützen.

Bei einer Mandelentzündung (Tonsillitis) handelt es sich um eine Entzündung der Gaumenmandeln. Sie gehören zum Immunsystem und sitzen rechts und links im Rachen. Die Tonsillitis kann akut, wiederkehrend oder chronisch verlaufen und sowohl eine eigenständige Erkrankung als auch Folge anderer Probleme im Maul‑ und Rachenraum sein.

Typische Symptome einer Mandelentzündung

  • geröteter Rachenraum
  • geschwollene Mandeln
  • unangenehmer Maulgeruch
  • Schluckbeschwerden, häufiges Leerschlucken
  • Fressunlust, der Hund lässt Futter fallen oder frisst sehr langsam
  • Würgereiz, Husten oder Räuspern
  • vermehrtes Speicheln
  • Fieber, Mattigkeit, vergrößerte Lymphknoten am Hals

Die Symptome können je nach Schweregrad sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Manche Hunde zeigen nur leichte Schluckbeschwerden, andere wirken deutlich krank.

Diagnose

Bei Verdacht auf eine Mandelentzündung untersucht die Tierärztin oder der Tierarzt zunächst den allgemeinen Gesundheitszustand und tastet den Halsbereich ab. Stark vergrößerte Mandeln können indirekt in der Halsregion unterhalb der Ohren spürbar sein.

Für eine sichere Diagnose wird der Rachen inspiziert. Das gelingt häufig nur mit einem Maulspreizer, in vielen Fällen unter leichter Sedierung, weil das Öffnen des Mauls schmerzhaft sein kann. Dabei können auffallen:

  • stark gerötete, geschwollene Mandeln
  • punktförmige oder flächige Beläge (eitrig, schleimig)
  • unregelmäßige, narbige oder „höckrige“ Oberfläche – Hinweis auf einen chronischen Prozess

Bei wiederkehrenden oder schweren Fällen können zusätzliche Untersuchungen sinnvoll sein. Dazu zählt z. B. einAbstrich der Mandeln für eine bakterielle Untersuchung und Antibiogramm. Auch eine Blutuntersuchung zur Beurteilung von Entzündungswerten und Organfunktion kommt infrage. Ggf. wird auch eine weiterführende Diagnostik (z. B. Röntgen oder Endoskopie) vorgenommen, wenn andere Ursachen im Rachenraum vermutet werden.

Ursachen

Akute Entzündungen der Gaumenmandeln entstehen meist durch virale oder bakterielle Infektionen der oberen Atemwege oder des Maul‑Rachen‑Raums. Häufig sind sie Teil eines sogenannten „Zwingerhusten‑Komplexes“ oder treten zusammen mit anderen Infektionen auf.

Weitere mögliche Auslöser oder begünstigende Faktoren:

  • Reize und Entzündungen im Maul (z. B. ausgeprägte Zahnprobleme, Fremdkörper)
  • chronischer Husten oder häufiges Erbrechen, bei dem die Mandeln immer wieder gereizt werden
  • geschwächtes Immunsystem (Stress, andere Erkrankungen)

Junghunde sind anfälliger, weil ihr Immunsystem noch nicht vollständig ausgereift ist. Rassen mit kurzen Schnauzen (z. B. Boxer, Bulldoggen, Mops) scheinen häufiger betroffen zu sein – vermutlich wegen enger Atemwege, verstärkter Maulatmung und gelegentlich chronischer Reizungen im Rachen.

Eine Tonsillitis kann einseitig oder beidseitig auftreten. Wiederkehrende oder chronische Entzündungen führen oft zu dauerhaften Veränderungen der Mandeln, die dann vergrößert und unruhig in der Oberfläche bleiben.

Behandlung

Mandelentzündungen sollten ernst genommen und frühzeitig behandelt werden, damit sie nicht chronisch werden und den Körper dauerhaft belasten. Die Therapie richtet sich nach Ursache und Schweregrad:

Allgemeine Maßnahmen

  • Schonung, keine Leistungssport‑Aktivitäten
  • weiches, leicht schluckbares Futter (z. B. eingeweichtes Trockenfutter oder Nassfutter)
  • frisches Wasser in Zimmertemperatur, nicht eiskalt

Medikamentöse Behandlung

  • Schmerzmittel/Entzündungshemmer: lindern Halsweh und verbessern das Wohlbefinden.
  • Antibiotika: werden eingesetzt, wenn ein bakterieller Infekt vermutet oder nachgewiesen wird oder wenn der Hund deutlich krank wirkt (Fieber, starke Allgemeinstörung). Idealerweise erfolgt die Auswahl nach einem Antibiogramm, insbesondere bei wiederkehrenden Fällen.
  • Lokale Antiseptika: können als Ergänzung verwendet werden (z. B. Lösungen oder Sprays, die in den Rachen eingebracht werden). Sie ersetzen jedoch keine systemische Behandlung, wenn eine ausgeprägte bakterielle Infektion vorliegt.

Behandlung von Grunderkrankungen

Falls die Tonsillitis Folge anderer Probleme ist, müssen diese mitbehandelt werden, etwa: Zahnerkrankungen und starke Zahnsteinbildung, chronischer Husten oder Atemwegserkrankungen und häufiges Erbrechen oder Reflux. Ohne Behandlung der Ursache kehrt die Mandelentzündung meist immer wieder zurück.

Operation (Tonsillektomie)

Ähnlich wie beim Menschen werden Mandeln beim Hund nur zurückhaltend entfernt. Sie sind Bestandteil des Immunsystems und spielen vor allem bei jungen Tieren eine Rolle bei der Abwehr von Krankheitserregern.

Eine Operation kann z. B. erwogen werden, wenn trotz optimaler Behandlung die schwere Tonsillitis immer wieder zurückkehrt. Sie kommt ebenfalls infrage, wenn die vergrößerten Mandeln den Schluckakt oder die Atmung deutlich beeinträchtigen. Darüber hinaus ist sie ein Mittel der Wahl, wenn Verdacht auf tumoröse Veränderungen besteht (z. B. einseitige, harte, untypische Vergrößerung). Die Entscheidung für eine Tonsillektomie erfolgt immer individuell nach Nutzen‑Risiko‑Abwägung.

Ergänzende Maßnahmen

Unterstützend können – nach Rücksprache mit der Tierärztin oder dem Tierarzt – sanfte Maßnahmen eingesetzt werden, etwa lauwarmer Salbeitee (z. B. mit Spritze ins Maul gegeben), sofern der Hund ihn akzeptiert. Kurzzeitig lässt sich bei empfindlichen Hunden Zugluft mit einem leichten Schal vermeiden. Honig kann zwar eine leicht antiseptische Wirkung haben, enthält aber viel Zucker und ist für Hunde nur in sehr kleinen Mengen geeignet; bei übergewichtigen oder zuckerempfindlichen Tieren sollte darauf verzichtet werden. Wichtig: Solche Hausmittel ersetzten nie eine tierärztliche Untersuchung und Behandlung.

Einer Mandelentzündung beim Hund vorbeugen

Eine Tonsillitis lässt sich nicht in jedem Fall verhindern, aber du kannst das Risiko senken:

  • Immunsystem stärken: artgerechte Ernährung, ausreichend Schlaf, moderate Bewegung und Stressvermeidung unterstützen die Abwehrkräfte.
  • Regelmäßige Kontrollen: lass Zähne, Maul und Rachen deines Hundes regelmäßig beim Tierarzt mitkontrollieren – Zahnprobleme, Fremdkörper oder chronische Reizzustände können früh erkannt und behandelt werden.
  • Reizstoffe vermeiden: starke Zugluft oder sehr kalte Luft beim Training direkt nach dem Trinken können empfindliche Hunde belasten.
  • Brustgeschirr statt Halsband: vor allem bei Hunden, die stark ziehen, wird so Druck im Halsbereich und mögliche Reizung des Rachens verringert.
  • Infektionsquellen reduzieren: bei bekannten Atemwegsinfektionen in der Umgebung engen Kontakt zu erkrankten Hunden möglichst vermeiden.