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Im Netz werden dicke Hunde oft als lustig anzusehen dargestellt – für die Tiere selbst ist Übergewicht aber alles andere als harmlos. Es belastet Gelenke, Herz und Stoffwechsel und verkürzt nachweislich die Lebenserwartung. Hier erfährst du, wie du Übergewicht erkennst, welche Risiken dahinterstecken und wie dein Hund gesund abnehmen kann.
Zu viele Kalorien und zu wenig Bewegung führen auch beim Hund zu überflüssigen Pfunden. Das bleibt nicht ohne Folgen: Übergewicht erhöht das Risiko für
- Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen (z. B. Arthrose, Kreuzbandriss)
- Herz‑Kreislauf‑Probleme
- Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus
- Atemprobleme, besonders bei kurzschnäuzigen Rassen
- Harnsteine und Harnwegsprobleme
- Hauterkrankungen und verminderte Leistungsfähigkeit
Studien zeigen, dass übergewichtige Hunde im Durchschnitt kürzer leben als normalgewichtige Artgenossen.
Wie häufig ist Übergewicht beim Hund?
Schätzungen des Bundesverbands für Tiergesundheit und internationalen Studien zufolge ist etwa jeder zweite Hund in Industrieländern übergewichtig oder fettleibig. Die Gründe sind z. B. energiereiche Fütterung und viele Leckerchen, wenig Alltagsbewegung, Fehlinterpretation von Betteln als „Hunger“ und ein mangelndes Bewusstsein dafür, was Normalgewicht beim Hund bedeutet.
Hunde werden nicht „über Nacht“ dick – Übergewicht entsteht meist schleichend über Monate und Jahre.
Ab wann ist ein Hund übergewichtig?
Als Richtwert gilt:
- Übergewicht: Körpergewicht liegt ca. 10-20 % über dem Idealgewicht.
- Adipositas (Fettleibigkeit): Gewicht liegt über 20-30 % über dem Idealgewicht.
Das Problem: Viele Halter:innen kennen das Idealgewicht ihres Hundes gar nicht oder schätzen es zu hoch ein. Mehr Orientierung bietet der Body Condition Score (BCS).
Body Condition Score (BCS): Ist dein Hund zu dick?
Der BCS bewertet die Körperfülle anhand von Blick und Tastbefund. Je nach System reicht die Skala von 1-5 oder 1-9. Hier bleiben wir beim 1-5‑Schema:
- BCS 1-2: zu dünn – Rippen und Wirbelsäule deutlich sichtbar, kaum Fett
- BCS 3 (Ideal): Rippen gut tastbar, aber nicht sichtbar; von oben ist Taille erkennbar, von der Seite ein leichter Baucheinschnitt
- BCS 4 (übergewichtig): Rippen unter einer Fettschicht schwer zu ertasten, Taille wenig ausgeprägt, am Schwanzansatz Fettpolster
- BCS 5 (fettleibig): Rippen kaum fühlbar, deutliche Fettablagerungen an Hals, Brustkorb, Rücken und Schwanzansatz, Bauch rund und kaum aufgezogen
Bitte beurteile deinen Hund ehrlich – und lass dir den BCS bei der nächsten tierärztlichen Untersuchung zeigen. Fotos von oben und von der Seite helfen, Veränderungen im Laufe der Zeit zu sehen.
Warum werden Hunde zu dick?
Übergewicht entsteht fast immer, wenn über längere Zeit mehr Energie aufgenommen als verbraucht wird. Häufig wirken mehrere Faktoren zusammen:
- zu große Futterportionen oder energiereiches Futter
- viele Leckerchen (oft „unsichtbare“ Kalorien)
- wenig Bewegung und Beschäftigung
- kastrationsbedingte Stoffwechselveränderungen (Energiebedarf sinkt)
- genetische Faktoren: z. B. Beagle, Cocker Spaniel, Labrador Retriever, Golden Retriever neigen stärker zu Übergewicht
- Alter: ältere Hunde bewegen sich weniger, ihr Grundumsatz sinkt
- bestimmte Medikamente (z. B. Langzeit-Kortison)
- Erkrankungen wie Schilddrüsenunterfunktion oder Cushing-Syndrom
Gerade Welpen und Junghunde werden häufig überfüttert – „damit sie gut wachsen“. Zu schnelles Wachstum und Übergewicht im Jugendalter erhöhen das Risiko für Gelenkprobleme ein Leben lang.
Übergewicht früh erkennen – typische Anzeichen
Neben der BCS-Beurteilung gibt es Hinweise im Alltag. Wirkt dein Hund träge, läuft ungern und wird schnell müde? Hechelt er schon bei geringer Anstrengung oder Wärme stark? Musst du das Halsband immer weiter stellen? Fühlst du beim Streicheln kaum die Rippen? Spricht der Tierarzt/die Tierärztin von „gut im Futter“ oder „etwas zu rund“? Spätestens dann ist es Zeit, aktiv zu werden.
Abnehmen: So gehst du richtig vor
Bevor es losgeht, sollte dein Tierarzt/deine Tierärztin eine Allgemeinuntersuchung und Gewichtskontrolle sowie ggf. Blutuntersuchung vornehmen, um Erkrankungen als Ursache (z. B. Schilddrüsenprobleme) auszuschließen. Es geht dann darum, ein Idealgewicht und realistisches Abnahmeziel festzulegen. Besonders bei starken Gewichtszunahmen ohne offensichtliche Futteränderung ist diese Abklärung wichtig.
Energiereduzierte, ausgewogene Ernährung
Das Grundprinzip lautet: weniger Kalorien, aber weiterhin alle nötigen Nährstoffe.
Lasse die Futtermenge nach Vorgabe der Tierarztpraxis berechnen (basierend auf Idealgewicht). Oft ist ein spezielles Diätfutter für übergewichtige Hunde sinnvoll: Es enthält weniger Energie, aber mehr Ballaststoffe und sättigt besser. Das reguläre bisherige Futter einfach stark zu reduzieren, kann zu Nährstoffmängeln führen. Leckerchen zählen zur Tagesration – diese kannst du ggf. durch kalorienarme Alternativen (z. B. kleine Gemüsestücke, Teil der Trockenfutterration) ersetzen.
Hilfreich ist es, die Tagesration abzuwiegen und im Haushalt klar zu regeln, wer wann füttert – „Extras“ summieren sich schnell.
Portionen und Fütterungsmanagement
- Ration auf 2-3 kleinere Mahlzeiten pro Tag aufteilen – das kann das Hungergefühl reduzieren.
- Futter nicht frei zugänglich stehen lassen.
- Futterspiele (Suchspiele, Futterbälle, Schnüffelteppich) können geistig auslasten, aber nicht zu zusätzlichen Kalorien führen.
Bewegung anpassen
Bewegung ist der zweite Schlüssel:
- Starte langsam, vor allem bei stark übergewichtigen oder älteren Hunden – Gelenke und Kreislauf müssen sich anpassen.
- lieber mehrere kürzere Spaziergänge als seltene Marathonrunden.
- Kombination aus ruhigen Spaziergängen, Schnüffelarbeit und später moderatem Spiel.
- für Hunde mit Atemproblemen oder Gelenkerkrankungen sollte das Bewegungsprogramm gemeinsam mit Tierarzt/Tierärztin/Physiotherapeut:in geplant werden.
- kurzschnäuzige Rassen oder sehr untrainierte Hunde sollten nicht bei Joggingrunden oder Radtouren mitlaufen.
Wichtig: Bewegung soll unterstützen, aber nicht überfordern.
Fortschritt kontrollieren
- Hund alle 2-4 Wochen wiegen (immer auf derselben Waage).
- BCS regelmäßig neu beurteilen und bei Bedarf Futtermenge anpassen
- Eine moderate Abnahme von etwa 1-2 % des Körpergewichts pro Woche, teils auch etwas mehr, ist meist sinnvoll. Zu schnelle Gewichtsabnahme ist ungesund
Abnehmen ist ein längerer Prozess – realistisch sind Monate, nicht Tage. Kleine Erfolge feiern hilft, dranzubleiben.
Übergewicht vorbeugen – Hunde gar nicht erst dick werden lassen
Prävention ist viel einfacher als Abnehmen:
- Welpen und Junghunde nach Fütterungsempfehlung für die Zielendgröße füttern, nicht „nach Gefühl“
- Nach Kastration die Futtermenge frühzeitig anpassen, da der Energiebedarf oft sinkt
- regelmäßige Gewichtskontrollen – z. B. bei jedem Tierarztbesuch
- Hund nicht mit Futter „verwöhnen“: Zuneigung, Spiel und gemeinsame Aktivitäten sind bessere Belohnungen
- bei älteren Hunden auf Seniorfutter oder kalorienreduzierte Kost umstellen und Bewegung anpassen, wenn sich das Gewicht nach oben zu verändern beginnt
Urlaub und Aktivitäten: Gemeinsam in Bewegung bleiben
Bewegung soll Spaß machen – für Mensch und Hund:
- ausgedehnte, der Kondition angepasste Spaziergänge
- Apportier‑, Such- und Denkspiele
- Hundesportarten im moderaten Rahmen (z. B. Mantrailing, Hoopers, Longieren), sofern Gesundheit und Körperbau passen
Nicht jede Aktivität eignet sich für jede Rasse/jeden Mischling – ein Mops oder eine französische Bulldogge ist kein idealer Joggingpartner, kann aber viel Freude an kurzen, abwechslungsreichen Spaziergängen und Nasenarbeit haben.
Auch im Urlaub lohnt es sich, hundefreundliche Ziele auszuwählen, die gemeinsame Bewegung ermöglichen.
Wer ist besonders gefährdet?
Einige Faktoren erhöhen das Risiko für Übergewicht:
- bestimmte Rassen (z. B. Cocker Spaniel, Beagle, Labrador, Golden Retriever)
- kastrierte Hunde beider Geschlechter
- Hündinnen haben tendenziell etwas häufiger Probleme als Rüden
- Hunde von Besitzer:innen, die selbst wenig aktiv sind
- Tiere, die sehr „futtermotiviert“ sind oder viel betteln
Bewusstsein für diese Risiken hilft, früh gegenzusteuern.
