Tierarzt-Sprechstunde mit Dr. Seeburg

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Nervöse Staupe?

"Ich habe seit Anfang Januar einen kleinen Mischligsrüden. Er ist knapp 1,5 Jahre alt. Zuvor lebte er ein Jahr in Deutschland in einer Pflegestelle. Er kommt ursprünglich aus Spanien. Da wurde er mit knapp 3 Wochen aus einem Tierlager befreit. Er war seit dem in einer spanischen Tierklinik und kamm im Alter von 3 Monaten nach Deutschland. Jegliche Untersuchungen wurden gemacht, so wie alle Impfungen.

Ich habe es von zwei Tierärzten überprüfen lassen, der Impfstatuts ist sehr gut. Erst im Februar wurde er erneut in Dtl. komplett durchgeimpft. Ein Test gegen Mittelmeerkrarnkheiten wurde auch noch in Spanien gemacht. Er war negativ. Entwurmt ist er ebenfalls. Ich hatte bis vor letzter Woche nie gesundheitliche Probleme mit ihm, in der Pflegestelle auch nicht. In Spanien wurde seine Mutter oder Geschwister nie gefunden. Letzten Montag (26.04) war ich mit ihm bei einem Hundetreffen. Er hat große Angst vor großen Hunden und so wollte ich versuchen mit ihm in einer Kleingruppe die Angst zu bewältigen. Er hatte auch wahnsinnige Angst während des Treffens, hat sich an mich gepresst und war zittrig. Nachdem Treffen hat er aber kein verändertes Verhalten gezeigt, hat viel geschlafen. Am nächsten Tag (27.04) hatte er plötzlich wässrigen Durchfall. Der hielt einen Tag an. Ich war bei einer Tierärztin und sie meinte ich soll ihn 24 h nichts geben. Der Durchfall war dann auch am übernächsten Tag komplett weg. Diät hatte er auch bekommen. Seit Donnerstag (29.04) hat er sich komisch benommen. Er knurrte Dinge an, die er kannte (Bsp. Haustür), war sehr nervös, unruhig und quitschig. Besonders in Situationen (wie andere Hunde treffen, vor dem Gassi gehen oder vor dem Fressen, beim spielen) war er besonders aufgeregt und fing an zu zittern, mit den Zähnen zuklappern und sich nervös zu bewegen, manchmal auch mit hecheln verbunden. Er konnte schlechter auf den Schoß springen und konnte sich wenn man ihn rief schlecht orientieren. Er war sehr verwirrt, das machte Angst. Darauf hin fuhr ich erneut zum TA. Diesmal ein andere, weil es Samstag (1.05) der Nottierarzt war. Er hatte den Verdacht auf Gehirhhautentzündung. Er bekamm dann Spritzen mit Vit. B komplex, Antibiotikum und Entzündungshemmende Mittel (Cortison) gespritzt. Fieber hatte er keins, auch nicht beim Durchfall. Besonders zitterte sein linkes Vorderbein sowie häufiges blinzeln. Am Montag dieser Woche war ich erneut da- erneut Spritzen bekommen. Heute war ich wieder da- wieder Spritzen und Tabletten mit Viatmin B Komplex und Tabletten (3mal täglich) Naturheilmittel. Sein Verhalten ist von mal zu mal besser geworden. Das Springen und orientieren klappt wieder sehr gut. Das Zittern ist auch weniger geworden. Nur das blinzeln und zittern, Zähne klappern in Stresssituationen bleibt. Die TA hat mir heute Angst gemacht und meinte es könnte auch eine nervöse Staupe sein, die er als Baby überwunden hat und nun zurückgekommen sei. Meine Frage lautet, kann es möglich sein, dass er eine nervöse Staupe hat, trotz Impfung von Anfang an? Und kann es mit dem Hundetreffen zusammen hängen, dass er vielleicht Angstzustände bekommen hat und nun Zeit braucht um sich zu erholen? Abgesehen von den Situationen, in denn es schlimmer ist, verhält er sich normal. Fressen, Spielen, laufen, Neugier, Stuhlgang, Trinken alles wie immer. Haben sie einen Rat für mich? Ich habe große Angst, dass es die Staupe sein könnte- was dann? Vielen Dank!"

Susann R. mit Mischling Thyson (1 1/2 Jahre alt)

Unser Experte: Staupe-Infektion kann Ticks auslösen

Selbst, wenn „Thyson“ nachweislich einen entsprechenden Impfschutz hat, kann es bereits vor der Impfung zu einer Infektion mit Staupeviren gekommen sein. ?Diese Krankheit ist besonders in den südlichen und osteuropäischen Ländern sehr verbreitet und wird häufig von infizierten Muttertieren auf die Welpen übertragen.Staupe greift das Gehirn an. Da das Gehirn „abgeschottet“ ist gegen das Abwehrsystem des Körpers, kann eine Impfung nur vor einer möglichen Neuinfektion schützen, aber nichts ausrichten gegen Viren, die bereits zuvor schon Hirnzellen befallen haben. 

Die von Ihnen beobachteten Symptome sind also vermutlich Hinweis auf eine zurück liegende Staupe-Infektion, die zukünftig noch zu einer Verstärkung der beschriebenen Ticks führen kann.

Eine Schleimhautentnahme am Auge oder eine Hirnwasseruntersuchung können Aufschluss geben.

Alles Gute für „Thyson“!

Dr. Wolf-Rainer Seeburg

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