Du fragst, Experten antworten: Was soll ich tun, wenn mein Hund Gäste anspringt?

1

Wir haben einen Bolonka-Rüden, zwei Jahre alt. Wenn Besuch kommt, will er jeden begrüßen. Er rennt hin und springt am Besuch hoch. Wie können wir ihm das abgewöhnen?

Die Antwort von Mensch-Hund-Therapeut José Arce:

Bedrängt der Hund den Besuch, indem er ihn anspringt, „antworten“ Sie auf seine Aufregung mit Ruhe. Bleiben Sie vor Ihrem Besuch stehen, ohne auf den Hund einzugehen, oder halten Sie ihn
durch ein deutliches Signal mit den Händen auf Abstand. Zeigen Sie ihm, dass der Besuch Ihnen gehört, und schicken Sie den Hund auf seinen Platz. Alles andere würde ihn nur zusätzlich „anheizen“, genauso übrigens, wie wenn Sie sein Verhalten einfach ignorieren würden. Ganz wichtig also: Aufgeregtes Verhalten nicht ignorieren, sondern gelassen und ruhig darauf reagieren.

Körpersprachlich eine Grenze setzen

Es gibt Leute, die empfehlen, den Hund zu ignorieren, wenn er aufgeregt ankommt, um ihm zu zeigen, dass wir sein Verhalten nicht gutheißen. Ich halte diesen Rat für falsch. Stattdessen solltest du ihm ruhig und sicher mit entsprechender Körpersprache eine Grenze setzen. Wie das geht? Stelle dir vor, ein kleines Kind würde mit dreckigen Händen auf dich zustürmen. Was würdest du machen? Damit Hunde uns verstehen, müssen wir weder verbal noch physisch grob werden. Wir müssen uns nur auf natürliche Instinkte besinnen und das Wesen des Hundes erkennen. Für einen Hund gibt es nicht Schöneres, als bei seinem oder seinen Menschen zu sein. Es liegt in seiner Natur, dass er sich eingliedern, Teil der Familie werden will.

Entspannter und respektvoller Umgang

Die innere Haltung ist in meinen Augen das wichtigste Kommunikationsmittel. Man kann sie zusätzlich unterstreichen, indem man auf eine entsprechende Körpersprache achtet. Sich vor den Hund stellen, Raum einnehmen, mit der Hand ein „Stoppschild“ zeigen: All das sind Zeichen, die ein Hund viel leichter versteht als „Weg!“, „Pfui“ oder „Zurück!“ Erzwinge beim Üben nichts. Der Druck und die negative Stimmung sind absolut kontraproduktiv. Dein Stress überträgt sich nur auf den Hund. Gehe beim Lernen genauso respektvoll mit ihm um wie sonst. Verliere nicht die Nerven, wenn du ein paar Mal ein Signal oder Kommando wiederholst und er nicht reagiert. Wenn dein Hund dann ruhig auf seinem Platz war, darfst du ihn einladen, deinen Besuch auf eine ruhige Art zu begrüßen.

Du hast selbst eine Frage zu  Verhalten, Gesundheit oder Ernährung, die du an unsere Experten stellen möchtest? Hier kannst du sie einreichen.

José Arce

José Arce bezeichnet sich als „Mensch- Hund-Therapeut“. Der spanische Therapeut und Autor von Hunde-Fachbüchern ist weltweit unterwegs, um Seminare und Workshops zur Mensch-Hund-Beziehung zu geben. Auf Mallorca betreibt Arce ein Rehabilitationszentrum, in dem Problemhunde aus ganz Europa eine letzte Chance erhalten. www.jose-arce.com

Scroll Up