Erbrechen und Herzmedikamente

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Mein elf Jahre alter Pudel ist herzkrank. Er bekommt 15 Minuten vor der Morgenfütterung fünf Tabletten, unter anderem zur Entwässerung. Nun hat er häufig Durchfall. Unlängst hat er sein Frühstück erbrochen. Da waren doch die Medikamente noch gar nicht richtig aufgenommen, oder? Soll ich nachdosieren, falls mein Hund sich erbricht?

Aus dem Hundemagen werden feste Nahrungsbestandteile etwa binnen zwei Stunden weitertransportiert. Insgesamt dauert die Passage der Nahrung durch den Verdauungstrakt gut zwölf Stunden. Wann und wie schnell der Körper ein Medikament aufnimmt, hängt maßgeblich vom Wirkstoff ab. Ramipril, ein häufiges Herzmedikament (ACE-Hemmer), wird rasch aufgenommen. Die maximale Konzentration im Körper ist nach etwa ein, zwei Stunden erreicht. Noch schneller geht es bei Propentofyllin, das in Medikamenten zur Durchblutungsförderung enthalten ist: Maximale Konzentrationen sind im Blut nach etwa 15 Minuten zu erwarten. Die Wirkung des Entwässerungsmittels Furosemid tritt nach etwa einer Stunde ein. Ohne zu wissen, welche Tabletten Ihr Hund bekommt, kann keine Anweisung zu einer Nachdosierung gegeben werden.

Es ist möglich, dass Ihr Hund vor dem Erbrechen oder Durchfall schon einen Großteil der Wirkstoffe aufgenommen hat. Eine Nachdosierung könnte schnell zu einer Überdosierung führen. Fragen Sie ihren Tierarzt. Er weiß, welche Wirkstoffe die Medikamente enthalten und was Sie tun sollten, wenn Ihr Hund sich erbricht oder Durchfall hat. Vielleicht können Sie
die Tabletten über den Tag verteilt geben; das könnte magenschonender sein. Um die Verträglichkeit bestimmter (meist entzündungshemmender) Medikamente zu verbessern, werden beim Hund auch magenschonende (gastroprotektive) Präparate eingesetzt. Ein häufi ger Wirkstoff ist Omeprazol. Allerdings vertragen nicht alle Hunde diese Medikamente. Auf
Omeprazol reagieren einige unter anderem mit Übelkeit. Es soll zudem nicht mit bestimmten Medikamenten, zum Beispiel Clopidogrel (einem Blutverdünner), kombiniert werden.

Ob für Ihren Hund die Einnahme eines Magenschutzes sinnvoll ist, kann Ihr Tierarzt beantworten. Es gibt zudem Medikamente, die Übelkeit unterdrücken. Sie sollten aber (zumindest
längerfristig) nur verabreicht werden, wenn die Ursache für das Erbrechen feststeht und keine andere Hilfe möglich ist. Die Gefahr, dass Krankheiten verschleiert oder unterdrückt und nicht richtig behandelt werden, ist sonst zu groß.

Diese Leserfrage beantwortete Dr. Jeanette Meixensperger.

Dr. med. vet. Jeanette Meixensperger

Dr. Jeanette Meixensperger promovierte an der LMU München im Bereich Tierschutz, absolvierte ein Internship an der Kleintierklinik der FU Berlin und arbeitet heute als Assistenztierärztin in einer Berliner Kleintierpraxis. Ihre Interessensschwerpunkte sind neben konservativer Orthopädie und Physio therapie auch Tierernährung und Naturheilkunde, insbesondere Phytotherapie und Homöopathie.

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