26/05/2017 

Durchfall gehört zu den häufigsten Gründen für einen Tierarztbesuch. Meist ist er harmlos, manchmal aber ein Notfall. In diesem Artikel erfährst du:

  1. welche Symptome auf problematischen Durchfall hinweisen
  2. welche Ursachen dahinterstecken können
  3. was Tierärzte zur Diagnose führt
  4. wie Durchfall behandelt wird – von Diät bis Infusion
  5. und was du zur Vorbeugung und Hygiene beachten solltest.

 

Von Durchfall (Diarrhö) spricht man, wenn der Hund dünn‑breiigen bis flüssigen Kot absetzt, häufiger als sonst Kot absetzt (oft mehr als drei‑ bis viermal täglich), zusätzlich eventuell Krämpfe, Bauchgeräusche oder Blähungen zeigt und weniger Appetit hat oder schlapp wirkt.

Weitere Warnzeichen:

  • Blut oder Schleim im Kot
  • Erbrechen zusätzlich zum Durchfall
  • starker Durst oder deutlich verminderte Trinkmenge
  • Fieber, Bauchschmerzen, Gewichtsverlust

Besonders bei Welpen, sehr kleinen Hunden, Senioren und vorerkrankten Tieren kann Durchfall schnell zu Austrocknung führen.

Sofort zum Tierarzt solltest du, wenn:

  • der Hund apathisch wirkt, viel erbricht oder Blut im Kot hat
  • ein Welpe oder immungeschwächtes Tier Durchfall hat
  • Durchfall länger als 24 Stunden anhält oder sich verschlimmert

Diagnose: Wie findet man die Ursache?

Durchfall ist ein Symptom, keine Diagnose. Der Tierarzt/die Tierärztin nimmt zunächst eine ausführliche Anamnese vor: Es geht um Futter, Leckerchen, Gras/Teerreste, Auslandsreisen, Medikamente, Entwurmung und Kontakt zu kranken Tieren. Der Hund wird körperlich untersucht, inklusive Temperaturmessen und Abtasten des Bauchs.

Je nach Verdacht folgen weitere Untersuchungen:

  • Kotuntersuchung auf Parasiten (z. B. Würmer, Giardien) und ggf. Bakterien
  • Blutuntersuchung, um Entzündungen, Organschäden oder Stoffwechselstörungen zu erkennen
  • Ultraschall oder Röntgen, etwa bei Verdacht auf Fremdkörper, Tumoren oder Veränderungen von Organen
  • ggf. Endoskopie/Darmspiegelung mit Gewebeproben, wenn chronische Darmentzündungen oder Tumoren vermutet werden

Mit Welpen und immungeschwächten Hunden solltest du sofort zum Tierarzt gehen. Bei erwachsenen, ansonsten gesunden Hunden kann man einen milden Durchfall maximal 24 Stunden beobachten – länger nicht.

Häufige Auslöser von Durchfall

  • Die Ursachen reichen von harmlos bis lebensbedrohlich. Zu den wichtigsten zählen:
  • Ernährungsfehler (plötzliche Futterumstellung, verdorbenes oder stark fettes Futter, unverträgliche Snacks wie z. B. viele Leckerchen, menschliches Essen)
  • Futtermittelunverträglichkeiten oder ‑allergien
  • Infektionen (bakterielle Erreger wie Salmonellen und Campylobacter, virale wie Parvovirose, Coronaviren, parasitäre wie Würmer, Giardien, Kokzidien)
  • Vergiftungen (z. B. Rattengift, bestimmte Pflanzen, Medikamente, Schokolade, Xylit)
  • Fremdkörper (verschluckte Spielzeugteile, Knochen, Steine, Kleidung)
  • Organerkrankungen (Bauchspeicheldrüse, z. B. Pankreatitis, EPI; Leber, Niere, Schilddrüse, Nebennieren, Tumoren im Magen‑Darm‑Trakt oder umliegenden Organen)
  • chronische Darmentzündungen (z. B. IBD, Inflammatory Bowel Disease)
  • Stress und psychische Faktoren (Umzug, Besitzerwechsel, Tierheimaufenthalt, längere Trennung, starke Aufregung)

Oft kommen mehrere Ursachen zusammen (z. B. Stress plus Futterwechsel).

Durchfall behandeln

Früher wurde bei Durchfall oft eine längere Nulldiät empfohlen. Heute weiß man: Bei gesunden erwachsenen Hunden kann eine kurze Futterpause von maximal 12 bis 24 Stunden sinnvoll sein, wenn der Hund ansonsten fit ist und genügend trinkt. Welpen, kleine Rassen, sehr alte oder kranke Hunde sollten nicht fasten, weil sie schneller unterzuckern – hier ist sofort tierärztlicher Rat nötig.

Wichtiger ist, dass der Hund ausreichend Flüssigkeit aufnimmt. Biete Wasser in kleinen Portionen an; bei starkem Durchfall kann eine tierärztlich empfohlene Elektrolytlösung nötig sein.

Je nach Art des Durchfalls empfiehlt die Tierarztpraxis eine angepasste Diät. Grundsätzlich gilt: mehrere kleine Mahlzeiten (3 bis 4 am Tag), leicht verdaulich, mäßig fett, gut verträglich.

Dünndarmdurchfälle

Bei Dünndarmproblemen sind häufig größere Kotmengen, eher wässriger Kot und manchmal Gewichtsverlust typisch. Empfehlenswert ist eine hochverdauliche, fett‑ und ballaststoffarme Diät, z. B.:

  • gekochtes, fettarmes Hühner- oder Putenfleisch
  • gut gekochter Reis oder Kartoffeln
  • kommerzielles Diätfutter für Magen‑Darm‑Probleme

Wenn der Durchfall unter dieser Ernährung verschwindet, kann nach einigen Tagen bis einer Woche langsam wieder auf das gewohnte Futter umgestellt werden (Mischungsverhältnis schrittweise anpassen).

Dickdarmdurchfälle

Bei Dickdarmdurchfall sind die Kotmengen meist kleiner, der Kot kann schleimig oder mit Blutauflagerungen sein, der Hund setzt häufig Kot ab und hat starken Kotdrang. Hier hilft oft eine ballaststoffreiche Diät, z. B.:

  • fettarmes Fleisch (z. B. Pute)
  • gut verträgliche Gemüseanteile (z. B. Möhren, etwas gekochter Kürbis)
  • lösliche Ballaststoffe wie Flohsamenschalen (nur nach tierärztlicher Empfehlung)

Auch hier sind kommerzielle Diätfuttermittel eine gute Option, weil sie ausgewogen zusammengestellt sind.

Spezielle Situationen

Eventuell ist die Ursache eine Futtermittelallergie / -unverträglichkeit. Die Diagnose erfolgt meist über eine Ausschlussdiät (Eliminationsdiät). Dabei bekommt der Hund über mehrere Wochen eine neue Protein‑ und ggf. Kohlenhydratquelle oder ein hydrolysiertes Diätfutter. Bessern sich die Symptome, wird schrittweise getestet, welche Futterbestandteile Probleme machen.

Bei chronischen Erkrankungen ist es neben der Behandlung der Grunderkrankung wichtig, Nährstoffverluste auszugleichen (Elektrolyte, Vitamine, ggf. Vitamin B12). Dies geschieht am besten kontrolliert über Diätfutter oder gezielte Supplemente. Omega‑3‑Fettsäuren können bei bestimmten chronischen Darmentzündungen entzündungshemmend wirken. Sie sollten in sinnvoller Dosierung und Qualität (z. B. Fischöl) nach tierärztlicher Empfehlung eingesetzt werden.

Wichtig: Gib deinem Hund keine Durchfallmedikamente aus der menschlichen Hausapotheke, ohne dass der Tierarzt das ausdrücklich empfiehlt – sie können beim Hund gefährlich sein.

Unterstützende und alternative Maßnahmen

Es gibt verschiedene ergänzende Ansätze, die – nach Rücksprache mit der Tierarztpraxis – sinnvoll sein können:

  • Elektrolytlösungen zur Stabilisierung des Flüssigkeitshaushalts
  • Probiotika / Präbiotika, um das Darmmikrobiom zu unterstützen
  • ausgewählte pflanzliche Präparate (Phytotherapie), z. B. Möhren- oder Pektinpräparate

Methoden wie Homöopathie, Bachblüten oder Schüßler-Salze haben bisher keine wissenschaftlich gesicherte Wirksamkeit bei Durchfall gezeigt. Viele Halter berichten zwar von positiven Erfahrungen, sie sollten aber immer nur begleitend und nicht anstelle einer notwendigen tierärztlichen Behandlung eingesetzt werden.

Kohletabletten: Medizinische Kohle kann im Einzelfall helfen, bestimmte Giftstoffe zu binden. Sie wirkt nicht gegen alle Ursachen von Durchfall und kann andere Medikamente im Darm binden und unwirksam machen. Daher sollte Kohle nur nach tierärztlicher Anweisung und in passender Dosierung gegeben werden.

Vorbeugung: So beugst du Durchfall vor

  • Gesunde, bedarfsgerechte Fütterung
  • hochwertiges, altersgerechtes Futter
  • keine extremen Futterwechsel, Umstellung immer schrittweise über mehrere Tage
  • menschliche Speisereste und stark gewürzte, fette oder zuckerhaltige Snacks vermeiden
  • Individuelle Entwurmung und Parasitenkontrolle (Entwurmung nach Risiko und Kotbefund planen, nicht „auf Verdacht“ in kurzen Abständen, Zecken, Flöhe und andere Parasiten konsequent bekämpfen)
  • Sauberes Futter und Wasser
  • Näpfe täglich reinigen
  • Futterreste nicht lange stehen lassen
  • bei Rohfütterung (BARF) besonders auf Hygiene achten; rohes Fleisch erhöht das Risiko für bakterielle und parasitäre Infektionen
  • Hausmüll, Kompost und giftige Substanzen sicher wegräumen
  • Hund draußen nicht an Mülltonnen, Aas oder weggeworfene Lebensmittel lassen
  • Stress reduzieren (Stress kann Durchfall auslösen oder verstärken – ein ruhiger, vorhersehbarer Alltag hilft, den Darm zu stabilisieren.)

Hygiene – besonders wichtig bei empfindlichen Hunden

  • Futter‑ und Wassernäpfe regelmäßig heiß reinigen
  • Liegeplätze sauber und trocken halten; Decken bei Bedarf heiß waschen
  • Bei ansteckungsverdächtigem Durchfall: Kot sofort aufnehmen und im Hausmüll entsorgen
  • Kontakt zu Hunden mit akutem Durchfall möglichst vermeiden
  • Nach dem Umgang mit Kot gründlich Hände waschen