Windhunde-Interview: Der ist so dünn, geht’s dem gut?

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Die Welt der Windhunde ist riesig, vielfältig und für viele Hundefreunde ein noch unbesuchtes Abenteuerland. Wir haben mit Hundetrainerin Ines Kivelitz über Annahmen und Vorurteile rund um Windhunde gesprochen. Sie betreibt eine Hundepension, gibt Workshops zum Thema Windhunde und hält mit ihrer Frau 37 Hunde, von denen die Mehrheit Windhunde und Windhund-Mixe sind.

Dies ist ein Ausschnitt. Den ausführlichen Artikel findest du in Ausgabe 07/2020 von DER HUND.

Gerade bei Begegnungen mit Galgos oder Greyhounds fragen sich viele, ob die Hunde zu dünn sind. Woran wäre das zu erkennen?

Zu dünn sind sie, wenn du alle Rippen siehst und die Hüfthöcker ziemlich stark hervorstehen. Das lässt sich bei den jungen, die noch im Wachstum sind, nicht verhindern. Bei einem erwachsenen Windhund sollten deutlich die hinteren zwei Rippenbögen zu sehen sein und die Hüfthöcker etwas herausstehen. Die meisten Windhunde in Deutschland sind eher zu dick, würde ich sagen.

sitzender Windhund

Haben Windhunde Eigenheiten, was das Futter betrifft?

Barsois können echt schwierig sein, da sie oft Mäkelfresser sind. Darüber klagen viele in der Community. Die Galgos aus Spanien sind eher kein gutes Futter gewohnt, dort bekommen sie viel Kohlenhydrate. Hier bekommen sie oft sehr energiereiches Futter, was ihnen zu schaffen macht. Wir persönlich fahren gut damit, zu 50 Prozent Fleisch zu füttern und zu 50 Prozent Kohlenhydrate in Form von Kartoffeln oder Reis.

Welche Eigenschaften sollte ich als Windhunde-Halter mitbringen?

Mir sollte klar sein, dass die Hunde verdammt schnell sind – auch im Kopf – und das einen gewissen Anspruch an mich stellt. Auch wenn ein Windhund mal hinter mir im toten Winkel läuft, kann er blitzschnell umschalten. Die Reizschwelle ist unter Umständen relativ gering. Und wenn Windhunde laufen, machen sie im Galopp eben zwei Schritte, während ein anderer Hund fünf braucht. Daher sollte ich sehr viel Wert auf Impulskontrolle und Rückruf legen. Ich muss beim Aufbau dieser Dinge und auch im Alltag – etwa wenn ich den Hund frei laufen lassen und zurückrufen möchte – auch schneller in meinen Reaktionen sein. Gerade die Rüden fühlen sich in einem gewissen Alter als Top- Typen, das wird oft unterschätzt. Sie sehen gut aus und fahren schnelle Autos, sozusagen. Wenn sie dann mit anderen Rüden Streit anfangen wollen, machen sie das nicht langsam, sondern rennen eben. Auch da bin ich als Halter gefordert.

Das Energieniveau bei einem jungen Windhund kann schon die Ausmaße eines jungen Malinois oder Australian Shepherds annehmen. Man nennt sie nicht umsonst tasmanische Teufel. So schön ruhig sie im Alter sind, so anstrengend können sie in jungen Jahren sein. Und sie machen unter Umständen viel kaputt. Sie fressen alles an, fast wie Nagetiere.

Außerdem sollte ich die Ausdrucksformen des Hundes lesen und verstehen können, und mich nicht erweichen lassen, wenn der Hund mich mal hinterfragt. Das Wesen muss man mögen. Viele glauben, Windhunde seien arrogant und nicht zu erziehen. Das stimmt so nicht. Viele Windhunde brauchen aber eben nicht zu jeder Zeit Streicheleinheiten. Und während sie dem Menschen schon sehr zugewandt sind, sind sie meist eher Ein-Mann- oder Eine-Frau-Hunde. Sie möchten es nicht jedem Recht machen.

Im ausführlichen Interview ...

... in Ausgabe 07/2020 spricht Ines auch über die Eindrücke, die sie von den vielen unterschiedlichen Windhund-Rassen gesammelt hat. Sie berichtet zudem, wie es mit der Kommunikation klappt – unter Windhunden und zwischen Windhunden und anderen Rassen. Thematisiert werden darüber hinaus Jagdtrieb, Freilauf, Tierschutz und das Stichwort „Angsthund“.

Lena Schwarz

… schnüffelt als Redakteurin für DER HUND durch die faszinierende Welt der Caniden, löchert Fachleute mit Fragen, trifft außergewöhnliche Vierbeiner und deren Menschen und teilt die Geschichten und Bilder online sowie im Printheft. Besonders gern ist sie mit Hund wandernd unterwegs.