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Die Schilddrüsenunterfunktion, medizinisch Hypothyreose, gehört zu den häufigeren hormonellen Erkrankungen beim Hund. Sie kann körperliche Beschwerden verursachen und in manchen Fällen auch Verhalten und Belastbarkeit beeinflussen.
Die Schilddrüse ist ein kleines hormonbildendes Organ am Hals, seitlich der Luftröhre. Sie besteht aus 2 Lappen und produziert vor allem die Hormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3). Diese Hormone steuern den Stoffwechsel mit: Sie beeinflussen Energieverbrauch, Körpertemperatur, Herz-Kreislauf-System, Haut, Fell, Wachstum, Nerven und allgemeine Aktivität. Gesteuert wird die Schilddrüse über die Hirnanhangsdrüse, die das Hormon TSH ausschüttet.
Anzeichen einer Unterfunktion
Bei einer deutlichen Schilddrüsenunterfunktion wirken Hunde häufig müde, weniger belastbar und nehmen leichter zu. Typisch sind außerdem stumpfes oder schütteres Fell, Haarausfall, Hautprobleme, Kälteempfindlichkeit, langsamer Herzschlag oder ein „aufgeschwemmter“ Gesichtsausdruck.
Daneben wird diskutiert, ob bereits frühe oder milde Formen Verhalten beeinflussen können. Beschrieben werden beispielsweise Unsicherheit, Reizbarkeit, geringere Stresstoleranz oder Konzentrationsprobleme. Solche Verhaltensänderungen sind jedoch unspezifisch und können viele andere Ursachen haben. Dazu zählen etwa Schmerzen, Stress, schlechte Erfahrungen, Trainingsthemen oder andere Erkrankungen.
Krankheit, Stress oder Trainingsthema?
Verhaltensänderungen sollten nie vorschnell als „Ungehorsam“ abgetan werden. Wenn ein Hund plötzlich ängstlicher, reizbarer, schneller überfordert oder weniger ansprechbar wirkt, lohnt sich ein Gesundheitscheck. Dazu können neben der Schilddrüse auch Schmerzen, neurologische Probleme, Sinnesverlust, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten gehören.
Liegt tatsächlich eine Hypothyreose vor, kann die Behandlung körperliche Symptome und manchmal auch die Belastbarkeit und Stimmung verbessern. Verhaltenstraining ersetzt sie aber nicht – und umgekehrt ersetzt Training keine medizinische Abklärung.
Blutuntersuchung und Auswertung
Die Diagnose einer Schilddrüsenunterfunktion ist nicht immer einfach. Ein einzelner T4-Wert ist meist unzureichend, denn Schilddrüsenwerte können durch andere Erkrankungen, Stress, Alter, Rasse und Medikamente beeinflusst werden. Sinnvoll ist oft ein Schilddrüsenprofil mit Gesamt-T4, freiem T4, TSH und gegebenenfalls Antikörpern gegen Schilddrüsengewebe. Niedrige oder grenzwertige Werte müssen immer im Zusammenhang mit Symptomen und Allgemeinbefund interpretiert werden. Ein Therapieversuch mit Schilddrüsenhormon sollte nur tierärztlich begründet und kontrolliert erfolgen.
Auslöser eines Hormonmangels
Beim Hund entsteht eine echte Hypothyreose meist durch eine Zerstörung oder Rückbildung von Schilddrüsengewebe. Häufige Ursachen sind eine lymphozytäre Thyreoiditis, also eine immunvermittelte Entzündung, oder eine idiopathische Atrophie, bei der Schilddrüsengewebe zurückgeht. Dadurch werden zu wenig Schilddrüsenhormone gebildet. Der Stoffwechsel läuft langsamer, was Müdigkeit, Gewichtszunahme, Haut- und Fellprobleme erklären kann. Warum manche Hunde zusätzlich Verhaltensänderungen zeigen, ist nicht vollständig geklärt und wahrscheinlich nicht bei allen Hunden gleich.
Behandlung mit Schilddrüsenhormon
Bestätigt sich eine Hypothyreose, erhält der Hund künstlich hergestelltes T4, meist dauerhaft als Tablette oder Lösung. Die Dosis wird individuell festgelegt und über Kontrollen angepasst. Erste Verbesserungen von Aktivität und Allgemeinbefinden können nach einigen Wochen auffallen; Haut- und Fellveränderungen brauchen oft länger. Auch auffälliges Verhalten kann sich verbessern, wenn es tatsächlich mit dem Hormonmangel zusammenhing. Die Behandlung ersetzt jedoch kein Training, keine Verhaltensberatung und keine Suche nach weiteren Ursachen.
Muss ich Jod geben?
Jod ist ein Baustein der Schilddrüsenhormone T3 und T4. Ein Jodmangel ist bei Hunden mit ausgewogenem Alleinfutter selten. Bei selbst zusammengestellten Rationen, BARF oder stark einseitiger Fütterung kann die Jodversorgung aber zu niedrig oder zu hoch sein. Beides kann die Schilddrüse belasten. Deshalb sollten Jodpräparate oder Seealgenmehl nicht auf Verdacht gegeben werden, sondern nur im Rahmen einer berechneten Ration oder nach tierärztlicher Empfehlung.
