Archäologiehund Flintstone findet Menschenknochen

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Flintstone hat ein ganz besonderes Talent: Er findet menschliche Knochen. Als erster zertifizierter Archäologiehund Deutschlands spürt er mittelalterliche sowie römische und keltische Überreste aus der Vorzeit auf.

Wir haben Flintstone und Dietmar Kropel besucht und auch zwei Knochenspürhunde in Ausbildung getroffen. Unsere Reportage liest du in Ausgabe 12/2017. Hier findest du einen Ausschnitt. Außerdem bekommst du hier zusätzliche Infos zu den Archäodogs und viele exklusive Bilder.

Aus einem Scherz wurde Realität

Das Ganze entstand aus einem Witz heraus“, sagt Flintstones Herrchen, Dietmar Kroepel. Er ist der Gründer des Bundesverbandes der Archäologie-Hunde Deutschland und der Archaeo-Dogs Bayern. In dieser Gruppe hat er alle aus dem Bundesland organisiert, die ihre Hunde zu Knochenspürhunden ausbilden.

Als der studierte Archäologe und Kunsthistoriker 2015 seinen Rüden beim Besuch einer Ausgrabung dabeihat, scherzt ein Kollege: „Lässt du jetzt schon deinen Hund die Knochen suchen?“ Abends erzählt Dietmar seiner Frau davon. Sie ermutigt ihn, die Idee zu verfolgen. Denn aus familiären Gründen hat Dietmar zu wenig Zeit, um mit seinem ausgebildeten Rettungshund an Übungen und Einsätzen teilzunehmen. Flintstone, kurz Flint genannt, braucht aber eine Aufgabe. Der Altdeutsche Hütehund ist ein Arbeitstier.

Umschulung zum Archäologiehund

Also durchstöbert Dietmar das Internet. Er findet Infos über Hunde in den USA, die für Archäologen interessante menschliche Überreste finden. Viel von dem, was die Ausbilder Dietmar erzählen, klingt vertraut. Als Rettungshund hat sein Flint schon gelernt zu suchen. Für die neue Aufgabe muss er umgeschult werden. Dabei soll er – anders als ein Leichenspürhund – nicht dem Verwesungsgeruch nachspüren, sondern dem Geruch alter und ausschließlich menschlicher Knochen. Dietmar macht sich an die Arbeit.

Er bringt Flint bei, Gerüche zu unterscheiden und anzuzeigen. Zuerst trainieren die beiden Schritt für Schritt mit Kümmel, Fenchel, Minze und Kaffee. Dann kommen Knochen ins Spiel. Diese befinden sich zunächst noch an der Oberfläche, bevor Dietmar die Schwierigkeit erhöht und sie vergräbt. Fürs Suchen verwendet er das eigene Suchkommando „Bones“. Die Übungsstückchen sind zwischen 600 und 2.500 Jahren alt.

Die vollständige Reportage über Flintstone und die Archäodogs liest du in Ausgabe 12/2017 von DER HUND.

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Infos zu den Archaeo-Dogs

    • Gründer Dietmar Kroepel arbeitet mit Grabungsbüros zusammen. Diese bekommen Aufträge von der Denkmalbehörde für archäologische Grabungen.
    • Flintstone sucht vor allem alte Knochen, zum Beispiel von Kelten und Römern. Er war aber auch schon für die Polizei im Einsatz und suchte Überreste, die zwischen 30 und 60 Jahre alt sind. Dietmar nennt diese Arbeit „Zeitgenössische Archäologie„.
    • Bis ein Fund tatsächlich ausgegraben und dokumentiert ist, dürfen die Hundeführer der Archaeo-Dogs nicht ausführlich davon erzählen. Das könnte sonst Grabräuber und Schatzsucher auf den Plan rufen.
    • Es gibt eindeutige Verhaltensregeln für die Zeit auf den Grabungsfeldern: stets gekennzeichnet sein; vor dem Einsatz mit allen Grabungshelfern sprechen und nachfragen, ob die Hunde loslegen können; nie eine bereits abgesperrte Fundstelle betreten
    • Die Archaeo-Dogs trainieren immer dienstags. Jedes Team übt aber auch für sich allein. Das Engagement ist ehrenamtlich. Momentan gehören 9 Hunde und 7 Menschen zur bayerischen Gruppe. Mögliche neue Mitglieder, die ihre Hunde und sich selbst ausbilden möchten, durchlaufen eine einjährige Probezeit.
    • Die Ausbildung der Hunde und die der Menschen geht Hand in Hand. Jeder Hundeführer eignet sich sowohl Hundewissen als auch archäologische Kenntnisse an.
    • Dietmar wünscht sich, dass sich auch aus anderen Bundesländern Interessierte melden, die eine Archaeo-Dogs-Gruppe bilden.
    • Hier geht es zur Facebook-Seite der Archaeo-Dogs Bayern.

So wurde Flintstone zum 1. zertifizierten Archäologiehund Deutschlands

Um zertifiziert zu sein müssen jeder Archaeo-Dog und sein Hundeführer eine Prüfung ablegen. Sie besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Zuständig für die Prüfun ist der Bundesverband der Archäologiehunde. Da Dietmar der Vorsitzende des Bundesverbandes ist und sich nicht selbst prüfen konnte, haben andere Mitglieder die Theoriefragen ausgewählt.

Während des Praxisteils hat er mit Flint ein Grabungsfeld abgesucht, das beide nicht kannten. „Die Prüfung hat ein hohes Level“, sagt Dietmar. Sie soll so nah an einem tatsächlichen Einsatz wie möglich sein und sicherstellen, dass Hund und Mensch alles können und wissen, was sie bei einer echten Grabung brauchen.

Wenn der Hundeführer zertifiziert ist, muss er sein Wissen frischhalten. Alle zwei Jahre soll er außerdem seinen Hund prüfen. Es gilt also: Nach der Prüfung ist vor der Prüfung. Ebby und Kira, die Hunde von Dietmars Tochter Saskia, werden die Prüfung 2018 ablegen.

Fotos & Text: Lena Schwarz

Lena Schwarz

... ist auf dem Land aufgewachsen. In Augsburg studierte sie Anglistik, Amerikanistik und Deutsch als Fremdsprache. Bei DER HUND kann sie ihre Hundeliebe, Naturverbundenheit und Freude am Schreiben sowie Fotografieren vereinen.

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