27/07/2022 

Deine Hündin verhält sich einige Wochen nach der Läufigkeit anders als sonst? Sie schläft mehr, sammelt Spielzeug, wirkt gereizt oder hat ein geschwollenes Gesäuge? Dann kann eine Scheinträchtigkeit dahinterstecken. Meist ist sie harmlos;  manchmal braucht die Hündin aber Unterstützung.

Eine Scheinträchtigkeit, manchmal auch Scheinschwangerschaft genannt, tritt typischerweise etwa 4 bis 10 Wochen nach der Läufigkeit auf. Die Hündin wurde nicht gedeckt, ihr Körper verhält sich hormonell aber ähnlich wie nach einer Trächtigkeit. Das ist grundsätzlich kein krankhafter Vorgang, sondern Teil des normalen Zyklus. Wie stark die Anzeichen ausfallen, ist sehr unterschiedlich.

Mögliche Anzeichen einer Scheinträchtigkeit

  • erhöhtes Schlaf- und Ruhebedürfnis
  • Unruhe oder Anhänglichkeit
  • Nestbauverhalten
  • Sammeln und Bemuttern von Spielzeug oder Gegenständen
  • geschwollenes Gesäuge
  • Milchbildung
  • Lecken am Gesäuge
  • gesteigerter Appetit oder Appetitlosigkeit
  • Reizbarkeit gegenüber Menschen oder anderen Hunden

Manche Hündinnen zeigen nur leichte Veränderungen. Andere wirken deutlich belastet, ziehen sich zurück oder verteidigen Spielzeug wie Welpen.

Hormone: Was passiert im Körper?

Bei der Scheinträchtigkeit spielen vor allem Progesteron und Prolaktin eine Rolle. Progesteron kommt von den sogenannten Gelbkörpern. Diese kurzzeitig aktiven Hormongebilde am Eierstock bereiten den Körper auf eine mögliche Trächtigkeit vor. Das geschieht unabhängig davon, ob die Hündin gedeckt wurde.

Nach einigen Wochen sinkt der Progesteronspiegel. Gleichzeitig kann das Hormon Prolaktin ansteigen. Prolaktin fördert Milchbildung und Brutpflegeverhalten. Dadurch kann die Hündin anfangen, Spielzeug zu bemuttern, Nester zu bauen oder Milch zu produzieren.

Warum werden Hündinnen scheinträchtig?

Scheinträchtigkeit ist bei Hündinnen biologisch angelegt. Evolutionär wird vermutet, dass scheinträchtige Hündinnen in sozialen Hunde- oder Wolfsgruppen bei der Versorgung von Welpen helfen konnten. Für den Alltag ist vor allem wichtig: Die Hündin „spielt“ das Verhalten nicht. Es ist hormonell gesteuert.

Was kannst du tun?

Bei milden Symptomen helfen oft Ruhe, feste Routinen und sanfte Ablenkung. Spaziergänge, Suchspiele oder ruhige Beschäftigung können die Hündin entlasten. Spielzeug, das sie stark bemuttert oder verteidigt, kann man vorsichtig und ohne Aufregung wegräumen.

Bitte massiere das Gesäuge nicht und drücke keine Milch aus. Das kann die Milchbildung weiter anregen. Leckt die Hündin ständig am Gesäuge, kann vorübergehend ein Body oder Schutzkragen sinnvoll sein.

Wann sollte die Hündin zum Tierarzt?

Tierärztlicher Rat ist wichtig, wenn die Hündin stark leidet, sehr unruhig oder apathisch wirkt, aggressiv wird, kaum frisst, viel Milch bildet oder das Gesäuge heiß, hart, schmerzhaft oder gerötet ist. Dann kann eine Gesäugeentzündung entstehen. Die Tierärztin oder der Tierarzt kann prüfen, ob Medikamente zur Senkung des Prolaktinspiegels sinnvoll sind.

Kastration als Lösung?

In Deutschland ist das Entfernen gesunder Organe ohne ausreichenden Grund tierschutzrechtlich problematisch. Wenn eine Hündin jedoch wiederholt stark unter Scheinträchtigkeiten leidet oder medizinische Gründe vorliegen, kann eine Kastration im Einzelfall besprochen werden.

Wichtig: Kastriert wird nicht während der akuten Scheinträchtigkeit, sondern erst, wenn sich der Hormonhaushalt beruhigt hat. Bei jungen Hündinnen sollte außerdem berücksichtigt werden, dass sich der Zyklus oft erst einpendeln muss.

Achtung: Gebärmuttervereiterung erkennen

Nach der Läufigkeit kann auch eine Pyometra, also eine Gebärmuttervereiterung, auftreten. Sie ist lebensbedrohlich. Warnzeichen sind starker Durst, Mattigkeit, Fieber, Appetitlosigkeit, Erbrechen, ein dicker Bauch oder übelriechender Ausfluss. Bei solchen Symptomen muss die Hündin sofort in die Tierarztpraxis.