07/06/2017 

Die Nieren erfüllen für den Körper des Hundes lebenswichtige Aufgaben. Arbeiten sie dauerhaft oder plötzlich nicht mehr ausreichend, können sich Abfallstoffe im Blut ansammeln und der Wasser-, Mineralstoffund Säure-Basen-Haushalt gerät aus dem Gleichgewicht. Eine Nierenerkrankung ist ernst, aber nicht jede auffällige Blutuntersuchung bedeutet sofort Nierenversagen. Entscheidend sind eine frühe Diagnose, die Suche nach der Ursache und eine individuell abgestimmte Behandlung.

Hunde haben normalerweise 2 Nieren. Sie liegen rechts und links der Wirbelsäule im hinteren Bereich der Bauchhöhle, nahe der letzten Rippen und der Lendenwirbelsäule. Die rechte Niere sitzt meist etwas weiter vorn als die linke, weil die Leber auf dieser Seite Platz beansprucht.

Die Nieren sind etwa bohnenförmige Organe. Ihr Arbeitsgewebe besteht aus sehr vielen kleinen Funktionseinheiten, den Nephronen. Jedes Nephron filtert Blut, gewinnt Wasser und wichtige Stoffe zurück und bildet gemeinsam mit vielen anderen Nephronen den Urin. Dieser fließt über die Harnleiter in die Harnblase und wird beim Urinieren ausgeschieden. Die Nieren sind weit mehr als ein „Filter“:

Aufgaben der Nieren

  • Stoffwechselprodukte und bestimmte Medikamente ausscheiden
  • den Wasserhaushalt und die Urinmenge regeln
  • dabei helfen, Blutdruck sowie Mineralstoff- und Säure-Basen-Haushalt zu steuern
  • Hormone bilden, die u. a. an der Blutbildung beteiligt sind
  • Vitamin D aktivieren und dadurch den Knochenstoffwechsel beeinflussen

Bei einer Nierenerkrankung kann der Körper diese Aufgaben zunehmend schlechter erfüllen. Da Nierengewebe nur begrenzt nachwächst, ist es besonders wichtig, Veränderungen möglichst früh zu erkennen.

Akute und chronische Niereninsuffizienz

Unter einer Niereninsuffizienz versteht man eine eingeschränkte Nierenfunktion. Sie kann akut oder chronisch auftreten.

Eine akute Nierenschädigung entwickelt sich innerhalb von Stunden bis Tagen. Mögliche Auslöser sind z. B. schwere Austrocknung, Kreislaufprobleme, Harnwegsverschlüsse, bestimmte Infektionen wie Leptospirose, Vergiftungen oder nierenschädigende Medikamente. Auch eine schwere Allgemeinerkrankung kann die Nieren in Mitleidenschaft ziehen. Eine Narkose ist nicht grundsätzlich ein Auslöser, kann bei bereits geschwächten oder schlecht durchbluteten Nieren aber ein zusätzliches Risiko darstellen.

Bei der chronischen Nierenerkrankung nimmt die Funktion über Monate oder Jahre schleichend ab. Sie betrifft häufiger ältere Hunde, kann aber grundsätzlich in jedem Alter vorkommen. Oft lässt sich keine einzelne Ursache mehr eindeutig feststellen. Möglich sind u. a. angeborene oder erbliche Veränderungen, frühere Entzündungen, wiederkehrende Nierenschädigungen, Bluthochdruck, Harnabflussstörungen oder andere Erkrankungen, die die Nieren langfristig belasten.

Früher wurde häufig mit festen Prozentzahlen beschrieben, ab wann eine Niere „versagt“. Das ist für den einzelnen Hund jedoch wenig aussagekräftig: Wie deutlich Beschwerden und Laborwerte ausfallen, hängt von Ursache, Verlauf, Kompensation durch das restliche Nierengewebe und Begleiterkrankungen ab.

Symptome: Woran erkenne ich Nierenprobleme beim Hund?

Nierenerkrankungen bleiben anfangs oft unbemerkt. Viele Hunde zeigen erst Symptome, wenn die Nieren ihre Aufgaben deutlich schlechter erfüllen. Mögliche frühe Warnzeichen sind:

  • vermehrtes Trinken
  • häufigerer oder größerer Urinabsatz
  • Gewichtsverlust
  • nachlassender Appetit
  • Müdigkeit und weniger Belastbarkeit
  • stumpfes Fell oder allgemein schlechteres Befinden

Bei weiter fortgeschrittener Nierenerkrankung können zusätzlich auftreten:

  • Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall
  • Austrocknung trotz vermehrten Trinkens
  • Mundgeruch und Entzündungen in der Maulhöhle
  • blasse Schleimhäute durch Blutarmut
  • Schwäche, Zittern oder Muskelabbau
  • hoher Blutdruck, der unter anderem die Augen schädigen kann
  • in schweren Fällen Benommenheit, Krampfanfälle oder Bewusstseinsstörungen

Eine sogenannte Urämie oder „Harnvergiftung“ entsteht, wenn sich harnpflichtige Stoffe und weitere Stoffwechselprodukte im Blut ansammeln. Sie ist ein medizinischer Notfall. Besonders dringend ist es, wenn ein Hund kaum oder gar keinen Urin absetzt, wiederholt erbricht, deutlich apathisch wirkt, starke Schmerzen zeigt oder plötzlich erblindet. Dann sollte er sofort in eine Tierarztpraxis oder Tierklinik.

Wichtig: Wenig oder kein Urin bedeutet nicht automatisch Nierenversagen. Auch ein Harnröhrenverschluss, etwa durch Steine, kann dahinterstecken – und muss schnell behandelt werden.

Diagnose einer Nierenerkrankung

Für die Diagnose beurteilt die Tierarztpraxis immer das Gesamtbild aus Krankengeschichte, klinischer Untersuchung und mehreren Laborwerten. Typische Untersuchungen sind:

Blutuntersuchung: unter anderem Kreatinin, Harnstoff, Elektrolyte und Phosphat; häufig wird auch SDMA bestimmt. Dieser Wert kann bei manchen Hunden früher auffällig werden als Kreatinin, ist aber ebenfalls nicht allein beweisend.

Urinuntersuchung: Sie zeigt u. a., wie gut die Niere den Urin konzentriert, ob Eiweiß, Blut, Entzündungszeichen oder Kristalle vorhanden sind.

Urin-Protein-Kreatinin-Quotient (UPC): Er hilft dabei, eine relevante Eiweißausscheidung über die Nieren zu erkennen und zu überwachen. Ein auffälliger Wert sollte in der Regel kontrolliert und im Zusammenhang mit dem gesamten Urinbefund bewertet werden.

Blutdruckmessung: Bluthochdruck kann Folge und zugleich Verstärker einer Nierenerkrankung sein.

Ultraschall oder Röntgen: Diese Untersuchungen können Hinweise auf Größe, Form und Struktur der Nieren, Steine, Zysten oder Harnabflussstörungen geben.

Weitere Tests: Je nach Verdacht können etwa eine Urinkultur, Untersuchungen auf Infektionskrankheiten oder spezielle Bluttests sinnvoll sein.

Welche Hunde sind besonders gefährdet?

Das Alter ist ein wichtiger Risikofaktor, denn chronische Nierenerkrankungen werden bei älteren Hunden häufiger festgestellt. Es gibt außerdem bestimmte erbliche oder rassetypische Nierenerkrankungen. Diese sind jedoch nicht bei jeder Rasse gleich und bedeuten nicht, dass jeder Hund einer genannten Rasse zwangsläufig erkrankt.

Bei einigen Linien oder Rassen wurden z. B. besondere Nierenerkrankungen beschrieben, darunter Cocker Spaniel, Beagle, Golden Retriever, Berner Sennenhunde, Rottweiler, Chow-Chow und verschiedene Terrier. Die konkrete Ursache kann sehr unterschiedlich sein. Für die tierärztliche Einschätzung sind daher Herkunft, Alter, Symptome und Laborbefunde wichtiger als eine bloße Rasseliste.

Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind besonders bei Seniorhunden sinnvoll. Häufig wird ab dem mittleren bis höheren Alter eine jährliche Untersuchung empfohlen; bei älteren Hunden oder Risikopatienten kann ein kürzeres Intervall sinnvoll sein. Wann damit begonnen wird, hängt von Rasse, Größe, Vorgeschichte und Gesundheitszustand ab.

Nierenversagen behandeln: Was hilft?

Die Behandlung richtet sich immer nach Ursache, Stadium und Beschwerden. Bei einer akuten Nierenschädigung steht zunächst die schnelle Stabilisierung im Vordergrund. Dazu können Infusionen, die Behandlung einer Vergiftung oder Infektion, Schmerztherapie, Medikamente gegen Übelkeit sowie die Beseitigung eines Harnabflussproblems gehören. Manche akuten Schäden können sich zumindest teilweise zurückbilden, wenn die Ursache rasch behandelt wird.

Bei einer chronischen Nierenerkrankung lässt sich verlorenes Nierengewebe meist nicht wiederherstellen. Ziel ist es, das Fortschreiten zu verlangsamen, Beschwerden zu lindern und Komplikationen zu behandeln. Dazu gehören je nach Befund:

  • eine therapeutische Nierendiät
  • ausreichend Wasseraufnahme
  • Behandlung von Übelkeit, Appetitlosigkeit oder Magen-Darm-Beschwerden
  • Kontrolle und Behandlung von Bluthochdruck
  • Behandlung einer erhöhten Eiweißausscheidung über den Urin
  • Maßnahmen gegen zu hohe Phosphatwerte
  • Behandlung einer Blutarmut oder von Störungen des Kaliumhaushalts, sofern nötig
  • regelmäßige Blut-, Urin- und Blutdruckkontrollen

Der Hund sollte immer frisches Wasser zur Verfügung haben. Feuchtfutter, eingeweichtes Futter oder mehrere Wasserstellen können helfen, die Flüssigkeitsaufnahme zu erhöhen. Das ersetzt aber keine tierärztliche Behandlung und „regeneriert“ geschädigtes Nierengewebe nicht.

Nierendiät: Warum die Ernährung so wichtig ist

Eine passende Ernährung gehört bei vielen Hunden mit chronischer Nierenerkrankung zu den wichtigsten Behandlungsbausteinen. Studien zeigen, dass speziell formulierte Nierendiäten den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen können.

Wichtige Merkmale einer Nierendiät sind ein reduzierter Phosphorgehalt, angepasste Mengen gut verdaulichen Proteins und ausreichende Energie, damit der Hund sein Gewicht hält. Dazu kommen darüber hinaus ein ausgewogenes Verhältnis von Mineralstoffen und häufig ein höherer Gehalt an Omega-3-Fettsäuren.

Nicht jeder nierenkranke Hund braucht dieselbe Fütterung. Vor allem in frühen Stadien, bei Untergewicht, gleichzeitigem Muskelabbau oder anderen Erkrankungen muss die Diät individuell geplant werden. Eine zu starke Eiweißreduktion kann schaden, wenn der Hund dadurch Muskelmasse verliert oder zu wenig frisst.

Pauschale Ergänzungen mit Vitamin A oder Vitamin C sind bei Nierenerkrankungen nicht empfehlenswert. Sie sind kein Ersatz für eine vollständige Nierendiät und können – falsch dosiert – Probleme verursachen. Auch Heilpflanzen, frei verkäufliche „Nierenmittel“ und homöopathische Präparate sollten nicht anstatt einer tierärztlichen Behandlung zum Einsatz kommen. Für viele dieser Mittel fehlt ein belastbarer Wirksamkeitsnachweis; einzelne Produkte können zudem mit Medikamenten wechselwirken.

Bei Leckerli gilt: Kleine Mengen sind meist besser als tägliche große Extras. Besonders phosphorreiche Produkte wie Knochen, Knochenmehl, harte Kauknochen, Innereien oder viele Milchprodukte passen häufig nicht gut zu einer Nierendiät. Die Snacks sollten zur verwendeten Diät und zum Krankheitsstadium passen.

Muss eine Niere entfernt werden?

Die Entfernung einer Niere, medizinisch Nephrektomie genannt, kommt beim Hund nur in besonderen Situationen infrage. Beispiele sind ein bestimmter Tumor, eine schwer zerstörte oder dauerhaft infizierte Niere oder selten eine schwere Verletzung. Voraussetzung ist, dass die andere Niere ausreichend funktioniert. Mit einer gesunden einzelnen Niere können Hunde in vielen Fällen gut leben.

Fazit: Früh erkennen, gezielt behandeln

Die Nieren sind für Entgiftung, Wasserhaushalt, Blutdruck und viele weitere Körperfunktionen unverzichtbar. Nierenerkrankungen können plötzlich auftreten oder sich schleichend entwickeln. Vermehrter Durst, häufiges Urinieren, Gewichtsverlust, Erbrechen oder auffällige Müdigkeit solltest du deshalb tierärztlich abklären lassen.

Eine chronische Nierenerkrankung ist meist nicht heilbar. Mit einer frühen Diagnose, einer passenden Diät, der Behandlung von Begleitproblemen und regelmäßigen Kontrollen lässt sich die Lebensqualität vieler Hunde jedoch über lange Zeit erhalten.