6 verbreitete „Fakten“ über Welpen, die gar keine Fakten sind

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Welpen müssen alles kennenlernen!

Hauptbahnhof, Fußgängerzone, Restaurant, Zoo … für so manchen Welpen stellen seine Zweibeiner ein sehr ausführliches und volles Kennenlern-Programm auf. Schließlich soll er an allen Orten in seinem weiteren Leben cool bleiben. Während Welpen durchaus die Welt kennenlernen sollten, muss man darauf achten, sie nicht zu überfordern. Hilfreich ist dabei, dass Welpen generalisieren. Es muss ihnen nicht alles einzeln beigebracht und gezeigt werden. Das heißt zum Beispiel: Wenn sie im Zoo Nashörner und Giraffen gesehen haben, bilden sie dafür ein Referenzsystem im Kopf. In dieses System passt später auch ein Elefant. Der Welpe muss also nicht jedes Tier im Zoo sehen.

Entspannen, Impulskontrolle und Frustrationstoleranz

Wichtig: Welpen sollten auch Ruhe lernen, also herunterzufahren. Junghunde, die bis zur Pubertät nicht gelernt haben, zu entspannen, werden das danach nur schwer können. Auch Frustrationstoleranz und Impulskontrolle sind wichtige Eigenschaften, die schon junge Hunde lernen sollten. „Die Natur macht das sehr clever nebenbei von selbst“, sagt Sophie Strodtbeck. Spätestens wenn die Welpen ihre Milchzähne haben, möchte ihre Mutter nicht mehr rund um die Uhr als Milchbar dienen. Sie geht einfach, auch wenn noch nicht alle Welpen komplett satt sind. Ähnlich ist es, wenn es anderen Hunden beim Spiel mit den Welpen zu grob wird. Haben sie keine Lust mehr, gehen sie. Aber: Sie kommen auch wieder zurück. Die Welpen lernen dann, dass sich die Welt weiterdreht, auch wenn sie mal warten müssen.

Zu wenig ist auch problematisch

Mit dem Welpen zu wenig zu machen, aus Angst davor, ihn zu überfordern, ist ebenso wenig der richtige Weg. Bekommen Welpen zwischen der fünften und achten Lebenswoche zu wenig Anreize, dürfen sie keine kleinen Aufgaben lösen und Erfolgserlebnisse haben, führt das im Gehirn zu Defiziten. Genauer: in Bereichen mit Fasern, in denen die „Selbstbelohnungsdroge“ Dopamin vorkommt. Das Risiko steigt, dass diese Hunde Zwangshandlungen entwickeln, bei denen ihr Gehirn Dopamin ausschüttet.

Toll nutzbar bei Welpen ist ihre große Neugier. Jeder einzelne wird seine eigene Zeit brauchen, um sich Neuem zu nähern und sich mit Reizen auseinanderzusetzen, aber er wird es tun. Wichtig für den Menschen: seinem Welpen diese individuelle Zeit zuzugestehen.

Über den Artikel und die Expertin

Dieser Beitrag basiert auf einem Teil des Seminars „Stimmt es eigentlich, dass …? Über Mythen, Irrtümer und alternative Fakten rund um den Hund“. Die Tierärztin, Dozentin, Beraterin und Autorin Sophie Strodtbeck hielt es am 28. April 2019 in Emmering. Sophie hat selbst seit Jahren Hunde. Momentan lebt sie mit Beagle Herr Meier, Beagle-Terrier-Mix Rita-Line, Chihuahua Piranha und Chihuahua-Mix Piccolo in Franken. Organisiert wurde das Seminar von der Wissensagentur fellomenal.

Lena Schwarz

... ist auf dem Land aufgewachsen. In Augsburg studierte sie Anglistik, Amerikanistik und Deutsch als Fremdsprache. Bei DER HUND kann sie ihre Hundeliebe, Naturverbundenheit und Freude am Schreiben sowie Fotografieren vereinen.

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