6 verbreitete „Fakten“ über Welpen, die gar keine Fakten sind

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Welpen sind unbeschriebene Blätter

Ein junger Hund, gerade einmal ein paar Monate alt – da ist doch eigentlich noch alles offen, könnte man meinen. Auch diese Annahme entspricht so nicht der Wahrheit. „In dem Moment, in dem ein Hund auf die Welt kommt, ist schon sehr viel passiert, das man nicht mehr ändern kann“, sagt die Expertin. Es folgen zwei Beispiele.

Einflüsse im Mutterleib: Testosteron

Als Beispiel führt sie den Testosteroneinfluss bei Hündinnen im Mutterleib an: Liegt ein weiblicher Welpe im Bauch der Mutter zwischen zwei männlichen Embryonen, bekommt sie über den Nabelschnurkreislauf so viel Testosteron ab, dass sie „vermännlicht“ geboren wird. Dieser Einfluss findet also bereits vor der Geburt statt und lässt sich nicht rückgängig machen. Er äußert sich darin, dass solche Hündinnen zum Beispiel sehr gut bemuskelt sind und das Bein heben.

Einflüsse im Mutterleib: Cortisol

Im letzten Drittel der Trächtigkeit kann auch das Stresshormon Cortisol Einfluss auf die ungeborenen Welpen nehmen. Es gelangt über die Nabelschnur von der Hündin in die Welpen. Wenn die Hündin viel Stress hat, werden die Welpen mit Cortisol überflutet. Wenn von „viel Stress“ die Rede ist, bezieht sich das nicht auf kurzzeitigen, zu bewältigen Stress wie etwa bei einem Ultraschalltermin. Vielmehr ist ein Leben unter stressigen Bedingungen gemeint, z.B. bei einem Vermehrer.

Das in zu hohem Maße vorhandene Stresshormon in den Welpen führt zum einen dazu, dass diese ein schlechteres Immunsystem haben. Denn Cortisol unterdrückt das Immunsystem. Zum anderen hat es zur Folge, dass bei betroffenen Hunden beide Stresshormonsysteme, also die Nebennierenrinde (produziert Cortisol) und das Nebennierenmark (produziert Adrenalin und Noradrenalin), ein Leben lang leichter und stärker auf kleine stressauslösende Reize reagieren als bei Hunden, die im Bauch ihrer Mutter keinem hohen Cortisolspiegel ausgesetzt waren.

Hunde mit vorgeburtlichem Stress sind noch dazu weniger bindungsfähig, da sie weniger Rezeptoren für das Bindungs- und Beziehungshormon Oxytocin haben. Das ist übrigens auch bei Hunden der Fall, deren Mütter sich nicht gut um sie kümmern.

Lena Schwarz

... ist auf dem Land aufgewachsen. In Augsburg studierte sie Anglistik, Amerikanistik und Deutsch als Fremdsprache. Bei DER HUND kann sie ihre Hundeliebe, Naturverbundenheit und Freude am Schreiben sowie Fotografieren vereinen.

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