Interview: Wenn Stress beim Hund zu viel wird …

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Am 27. Oktober sprechen wir im Live-Webtalk mit den Tierärztinnen Dr. Melanie Wergin und Dr. Barbara Schöning über Stress beim Hund. Vorab hat Dr. Wergin uns bereits Antwort darauf gegeben, wann mehr als nur Training wichtig sein kann, um gestressten Hunden zu helfen. Du möchtest selbst Fragen stellen? Anmelden kannst du dich auf www.tier-akademie.de!

Interview: Susanne C. Steiger

Frau Dr. Wergin, wann ist Stress aus medizinischer Sicht ein Zustand, gegen den wir etwas tun müssen?

Stress hat viele Gesichter, wir alle kennen Situationen, die Stress bei uns auslösen. Als Tierärztin muss ich erst einmal feststellen, welche Situationen beim Hund Stress auslösen können. In einem weiteren Schritt muss mit den Halter:innen geklärt werden, ob die Situationen, die Stress auslösen, minimiert werden können. Ist dies nicht der Fall, so muss man dem Hund helfen, mit diesen Situationen besser umgehen zu können.

Stress bei ihrem Hund sollten Halter:innen nicht ignorieren, da Stress einen Hund krankmachen kann. Stress kann zu Magenschleimhautentzündung, Magengeschwüren und einer eingeschränkten Funktion des Immunsystems führen.

Was sind die Möglichkeiten, gestressten Hunden zu helfen?

An erster Stelle sollte immer das Gespräch mit dem/der Halter:in stehen. Stressige Situationen, die vermieden werden können, sollte der Besitzer abstellen. Dies ist doch in vielen Fällen nicht möglich. Angst vor Gewitter ist zum Beispiel eine Situation, die Stress auslöst und nicht verhindert werden kann. In solchen Situationen sollte an erster Stelle, das passende Training stehen. Mit einem verhaltenstherapeutischen Ansatz kann man viel bewegen, aber nicht immer reicht das aus. Manchmal muss ich den Hund auch erst dabei unterstützen, dass er für ein Anti-Stress-Training überhaupt bereit und offen ist. Wenn ich als Tierärztin sehe, dass der Hund gar nicht aufnahmefähig ist, weil schon die Trainingssituation in unter Stress setzt, dann kann es hilfreich sein, Medikamente einzusetzen, die helfen mit Stress besser umzugehen. So versetzen wir das Gehirn, das quasi in dem Moment nichts anderes kennt als „Fight or Flight“ also „kämpfe oder fliehe“, überhaupt erst wieder in die Lage, aufnahmefähig zu sein und lernen zu können.

Wie merke ich so etwas und was kann ich dann tun?

Der Körper läuft in stressigen Situationen auf 180 Sachen und schüttet zu viel Cortisol aus– was vielfältige negative Auswirkungen hat. Es beeinflusst etwa das Immunsystem, das wesentlich anfälliger wird für Infekte, und kann zu Magen- und Schleimhautentzündungen führen. Hat ein Hund immer wieder Probleme mit dem Magen, was sich durch häufiges Erbrechen oder auch durch schlechtes Fressen zeigen kann, dann kann Stress eine mögliche Ursache sein. Haben wir dann Stress als Verursacher identifiziert, ist schon viel geschafft. Denn danach kann ich an die Ursache gehen. Hier kann ein Medikament wie Nurexan ad us. vet. helfen, das nachweislich stressinduziertes Cortisol senkt und somit hilft mit Stress besser, um zu gehen. Damit kann man erreichen, dass der Hund beim Training deutlich entspannter und aufnahmefähiger ist.

In extremen Situationen, etwa wenn ein Hund vor lauter Stress das Haus nicht mehr verlassen will oder kann, reicht das manchmal nicht mehr aus. Bevor allerdings – und das auch nur in enger Abstimmung mit einer Fach-Tierärztin – Psychopharmaka eingesetzt werden, sind alle anderen Möglichkeiten abzuklären. Ein zugelassenes Psychopharmakon für den Hund ist zum Beispiel Dexmedetomidin. Auch diese Medikamente sollten dann nur dazu dienen, den Hund soweit zu beruhigen, dass ein Verhaltensproblem durch Training aufgearbeitet werden kann.

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