Hunde im Waldfried bestatten: ein Interview

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Die Tierärztin Dr. Karina Raith und ihr Ehemann, ebenfalls ein Tierarzt, führen im oberbayerischen Niederlauterbach eine ganz besondere letzte Ruhestätte für Haustiere: einen Waldfried. Dort werden Haustiere allein oder nebeneinander an Bäumen beigesetzt. Ganz ohne Grabsteine oder Grabschmuck – den übernimmt die Natur, ähnlich wie bei einem Friedwald für Menschen. 

Frau Dr. Raith, weshalb haben Sie sich dazu entschieden, diese besondere Art von letztem Ruheort zu schaffen?

Mir gefällt die Idee, die Tiere in einem möglichst natürlichen Umfeld zu begraben. Ich denke, der Wald ist ein Ort, an dem sich die meisten unserer tierischen Freunde selbst sehr wohlgefühlt haben. Auch wir Menschen genießen die Ruhe und die Unberührtheit der Natur. Oftmals müssen wir in unserem stressigen Alltag nach Orten der Ruhe zur Entspannung suchen. Aus diesem Grund finde ich es passend, zur Beerdigung unserer Haustiere einen Ort zum Gedenken zu wählen, an dem sich das Tier und der Besitzer wohlfühlen. Da der Wald selbst mit all seinen tierischen Bewohnern und seiner Pflanzenwelt wunderschön ist, finden wir den natürlichen Grabschmuck am passendsten.

Wie kommt das beizusetzende Tier zu Ihnen?

Wir können die Abholung der Tiere von zu Hause beim Tierbesitzer oder in der Tierarztpraxis organisieren. Oder die Besitzer bringen die Tiere selbst zu uns. Vor Ort haben wir dann die Möglichkeit das Tier noch etwas „warten‟ zu lassen, falls zum Beispiel die Witterung oder auch der Terminplan eine unmittelbare Beerdigung nicht zulassen.

Wie lange verbleiben die Tiere im Waldfried?

Die Liegedauer richtet sich ganz nach der Entscheidung der Besitzer. Wir schließen Verträge über 3 und 5 Jahre ab, welche jeweils verlängert werden können. Prinzipiell bleiben die Tiere in der Erde liegen. Nach Ende der Liegezeit könnten auch andere Tiere an den Bäumen begraben werden, die Bäume sind sozusagen wieder „frei‟. Natürlich hebt man das neue Grab an einer Stelle aus, an der vorher kein Tier beerdigt wurde. Man geht davon aus, dass nach 5 bis 7 Jahren die Tierköper vollständig verwest sind.

Wie groß ist Ihr Waldfried?

Wir haben die Genehmigung vom Landratsamt für ein Waldstück von 8,17 ha. Auf dem Waldstück befinden sich geschätzt pro ha 150 Bäume. An jedem Baum dürfen maximal 4 Tiere bestattet werden (je nach Größe der Gräber).

Haben Sie über die Jahre der Tätigkeit als Tierärztin und bei der Begleitung trauernder Tierhalter etwas gefunden, dass vielen Trost spendet?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Zuhören das Wichtigste ist bei einem tierischen Trauerfall. Deshalb nehme ich mir für jede Beerdigung Zeit, sodass ich jedem einzelnen Fall gerecht werden kann. Zudem versuche ich stets an schöne gemeinsame Momente zu erinnern, die mit dem Tier erlebt wurden. So haben wir im Waldfried oft weinende und lachende Augen gleichzeitig! Das freut mich immer am meisten, wenn ich es schaffe in den traurigen Momenten ein Lächeln bei bei den Besitzern zu erzeugen, welches wieder ein kleinen Hoffnungsschimmer gibt.

Gibt es etwas, dass Sie Tierhaltern raten, die sich mit dem Thema Tod auseinander setzen?

Meist ist es hilfreich, wenn man sich nicht erst kurzfristig über das „Danach‟ Gedanken macht. Besser ist es schon, einige Zeit vorher zum Beispiel im Kreis der Familie oder mit seinem Partner zu besprechen, was mit dem toten Tier geschehen soll.

Ich persönlich finde es schön, nicht nur das „wie“, sondern zum Beispiel gemeinsam einen letzten Ruheort zu bestimmen, sei es im privaten Garten, oder im Waldfried für Tiere.

Vielen Dank für das Interview! 

Zur Website des Waldfrieds kommt ihr hier.

Lena Schwarz

... ist auf dem Land aufgewachsen. In Augsburg studierte sie Anglistik, Amerikanistik und Deutsch als Fremdsprache. Bei DER HUND kann sie ihre Hundeliebe, Naturverbundenheit und Freude am Schreiben sowie Fotografieren vereinen.