14/01/2021 

Im Netz werden dicke Hunde oft als lustig anzusehen dargestellt. Für die Tiere selbst ist Übergewicht aber alles andere als harmlos. Es belastet Gelenke, Herz und Stoffwechsel und kann die Lebenserwartung verkürzen. Hier erfährst du, wie du Übergewicht erkennst und wie dein Hund gesund abnimmt.

Zu viele Kalorien und zu wenig Bewegung führen auch beim Hund zu überflüssigen Pfunden. Die Folgen können ernst sein: Übergewicht erhöht das Risiko für Arthrose, Kreuzbandrisse, Herz-Kreislauf-Probleme, Diabetes mellitus, Atembeschwerden, Harnwegsprobleme, Hauterkrankungen und geringere Belastbarkeit. Studien zeigen zudem: Normalgewichtige Hunde leben im Durchschnitt länger als übergewichtige Artgenossen.

Wie häufig ist Übergewicht beim Hund?

Schätzungen zufolge ist in Industrieländern etwa jeder zweite Hund übergewichtig oder fettleibig. Gründe sind oft zu große Portionen, energiereiche Snacks, wenig Bewegung und die Fehleinschätzung, dass Betteln immer Hunger bedeutet. Übergewicht entsteht meist schleichend über Monate oder Jahre.

Ist mein Hund zu dick?

Als grober Richtwert gilt: Bei etwa 10 bis 20 Prozent über Idealgewicht spricht man von Übergewicht, darüber von Adipositas. Praktischer ist der Body Condition Score (BCS). Er bewertet die Körperform durch Anschauen und Abtasten.

Ideal ist für viele Hunde: Die Rippen sind gut tastbar, aber nicht deutlich sichtbar. Von oben sieht man eine Taille, von der Seite einen leichten Baucheinschnitt. Ist die Taille kaum erkennbar und sind die Rippen nur schwer zu fühlen, ist der Hund wahrscheinlich zu schwer. Fettpolster an Hals, Brustkorb, Rücken oder Schwanzansatz sprechen für deutliches Übergewicht.

Lass dir den BCS bei der nächsten tierärztlichen Untersuchung zeigen. Fotos von oben und von der Seite helfen, Veränderungen zu erkennen.

Warum werden Hunde übergewichtig?

Übergewicht entsteht, wenn ein Hund langfristig mehr Energie aufnimmt, als er verbraucht. Häufige Faktoren sind:

Auch Welpen und Junghunde sollten nicht „extra gut“ gefüttert werden. Zu schnelles Wachstum und Übergewicht können Gelenkprobleme begünstigen.

So nimmt dein Hund gesund ab

Bevor eine Diät startet, sollte dein Hund tierärztlich untersucht werden. Das gilt besonders, wenn er plötzlich zugenommen hat oder sehr träge wirkt. Gemeinsam werden Idealgewicht und Ziel festgelegt.

Wichtig ist: weniger Kalorien, aber weiterhin alle nötigen Nährstoffe. Ein spezielles Diätfutter kann sinnvoll sein, weil es meist kalorienärmer ist und besser sättigt. Das normale Futter einfach stark zu kürzen, kann zu Nährstoffmängeln führen.

Wiege die Tagesration ab. Teile sie auf 2 bis 3 Mahlzeiten auf. Leckerchen zählen zur Tagesmenge. Kalorienarme Alternativen oder ein Teil der normalen Futterration als Belohnung helfen. Alle im Haushalt sollten wissen, wer füttert, sonst summieren sich Extras schnell.

Bewegung: langsam steigern

Bewegung unterstützt das Abnehmen, darf aber nicht überfordern. Für stark übergewichtige, alte oder kranke Hunde sind mehrere kurze Spaziergänge besser als lange Gewaltmärsche. Schnüffelspiele, ruhiges Apportieren oder Futterspiele sorgen für Beschäftigung, ohne den Körper zu überlasten.

Bei Gelenkproblemen, Herz- oder Atemwegserkrankungen sollte das Bewegungsprogramm mit Tierarztpraxis oder Physiotherapie abgestimmt werden. Kurzschnäuzige Hunde sind keine idealen Joggingpartner, profitieren aber von kurzen, abwechslungsreichen Spaziergängen und Nasenarbeit. Eventuell kommt auch das Gehen auf einem Unterwasserlaufband als gelenkschonende Bewegungsoption infrage.

Fortschritt kontrollieren

Wiege deinen Hund alle 2 bis 4 Wochen, möglichst auf derselben Waage. Beurteile regelmäßig den BCS und passe die Futtermenge bei Bedarf an. Eine moderate Abnahme von etwa einem bis zwei Prozent des Körpergewichts pro Woche ist oft sinnvoll. Abnehmen dauert Monate, nicht Tage.

Vorbeugen ist leichter als Abnehmen

Füttere Welpen nach Zielendgröße und gern mithilfe einer Wachstumskurve, nicht nach Gefühl. Nach einer Kastration sollte die Futtermenge frühzeitig überprüft werden. Kontrolliere Gewicht und Figur regelmäßig. Belohne nicht nur mit Futter, sondern auch mit Spiel, Aufmerksamkeit und gemeinsamen Aktivitäten.

Übergewicht ist kein Schönheitsproblem, es stellt ein Gesundheitsrisiko dar. Mit passender Fütterung, Bewegung und Kontrolle kann dein Hund leichter, beweglicher und oft deutlich lebensfroher werden.