Tierschutz: Ein Pflegehund-Tagebuch

Wie ist das, einem Hund aus dem Tierschutz eine Pflegestelle zu bieten? Die Journalistin Jeannette Aretz wollte es ausprobieren und zack, zog der Vierbeiner Dana aus Spanien ein. Hier Auszüge ihres Tagebuchs über einen „Hund auf Zeit“.

Ein Lkw voller Hoffnung: An einer Autobahnraststätte werden die Hunde aus dem spanischen Tierschutz an ihre Pflegestellen verteilt. Foto: Jeannette Aretz

Es war an einem Abend im November. Ich saß im Wohnzimmer und stalkte heimatlose Hunde auf Facebook. Seit zwei Monaten war meine eigene Dalmatiner-Hündin nun tot. Ich konnte mir nicht vorstellen, eine Neue zu nehmen. Zu sehr vermisste ich diesen einen Hund. Aber gucken, was es auf den Notfallseiten gab, das stillte meine Sehnsucht.

An diesem Abend sah ich die Meldung über Dana. „Sie gibt sich im Tierheim auf“, war da zu lesen. „Sie zieht sich immer mehr zurück, wir brauchen dringend eine Pflegestelle!“ Der Hund war ein Jahr alt, aus Spanien und lag auf den Fotos im Staub. Auf einem Bild hatte sie die Pfoten so übereinandergelegt, wie meine Hündin das immer getan hatte. Irgendwie fand ich das in dem Moment völlig kurios, und zwar unnötig kurios. Da war ein Hund in Spanien todtraurig und hier war aller Platz vorhanden. Weshalb sollte sie nicht hier leben, in einer Familie, bis sie ein neues Zuhause gefunden hatte?

Ich schrieb den Verein an. Wir telefonierten ein paar Tage danach und eine Woche später kam eine Frau in mein Haus, die gucken sollte, ob ich fähig bin, einen Hund aufzunehmen. Vorkontrolle heißt das. Wir tranken Tee, sie erzählte von ihren Hunden, ich von meiner Hündin. Es war einfach und angenehm.

Am nächsten Tag meldete sich der Verein SOS Dalmatiner, über den Dana vermittelt werden sollte: Ja, Dana darf zu uns kommen. Die Ausreise werde noch geplant, noch ein paar Tage Geduld.

17. Dezember

Dalmatiner genießt den Schnee
Schnee: eine neue und aufregende Erfahrung für Dana, die im warmen Mittelmeerklima aufgewachsen ist. Foto: Jeannette Aretz

Wir können Dana abholen. Übergabe ist an einer Autobahnraststätte. Wir fühlen uns wie Verbrecher: Ist das auch seriös? Auf einer Autobahnraststätte? Dort angekommen, warten rund 20 andere Leute mit Leine in der Hand. Dann rollt ein Transporter an, darin sind Hundeboxen bis zur Decke gestapelt. Wir treffen Danny vom Verein, um die 30 Jahre alt, männlich und modisch gekleidet. Passt so gar nicht in alle Tierschützer-Vorurteile, von der Optik her. Dana sitzt unten in einem Käfig, mit einer Schlinge um den Hals holt der spanische Fahrer sie aus der Box.

Ich soll das Sicherheitsgeschirr, das Danny mir in die Hand drückte, festmachen. Ich bin nervös, denke an die Autobahn, will alles sicher festzurren und den Hund schnell in mein Auto bekommen. Es klappt.

Dana ist ganz freundlich, und nervös natürlich. Zu Hause zieht sie erst mal mächtig an der Leine, dann springt sie wie eine Wilde durchs Haus. Durchs Wohnzimmer, die Treppen hoch, es dauert lange, bis sie zur Ruhe kommt. Die erste Nacht schläft sie bei uns im Schlafzimmer, das klappt.

18. Dezember

Dana ist auf das Sideboard im Wohnzimmer gesprungen und hat zwei große Bilder heruntergerissen. Einfach so. Sie ist mit Karacho durch den Raum gedüst und dann hoch aufs Sideboard. Ich habe den Eindruck, einen Speedy Gonzales zu Hause zu haben.

 

Wie es mit Jeannette Aretz und Pflegehund Dana weitergeht und welche Lehren die Journalistin daraus zieht, lesen Sie in Ausgabe 04/2017 von DER HUND.


Kenneth Knabe

... führt seit 1992 Retriever, Hundeausbildung ist sein Hobby. Der Diplom-Politologe hat nach einem Tageszeitungsvolontariat für eine große Kinozeitschrift in Hamburg gearbeitet, ehe er sich auch beruflich Hunden widmete.

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