19/05/2017 

Wenn aus der Hundenase Blut tropft oder läuft, ist der Schreck groß. Oft steckt eine harmlose Ursache dahinter – manchmal aber auch eine ernste Erkrankung. Entscheidend ist, die Situation richtig einzuschätzen und die Ursache abklären zu lassen.

In diesem Artikel erfährst du:

– welche Ursachen Nasenbluten beim Hund haben kann,
– was du in der akuten Situation tun solltest,
– und wann ein tierärztlicher Notfall vorliegt.

Typisch ist blutiger Ausfluss aus einem oder beiden Nasenlöchern. Das Blut kann tropfen oder in kleinen Rinnsalen laufen, frisch rot sein oder mit Schleim vermischt, von deinem Hund abgeschleckt werden, sodass du eher Blut am Maul als an der Nase siehst. Der tatsächliche Blutverlust ist schwer einzuschätzen, weil Hunde das Blut oft sofort auflecken. Achte daher auf die Dauer und Stärke der Blutung, das Allgemeinverhalten (ruhig, unruhig, benommen) sowie zusätzliche Symptome wie Niesen, Husten, Atemnot, Schwellungen, Blut an anderen Körperstellen (z. B. im Urin, Kot oder am Zahnfleisch).

Mögliche Ursachen von Nasenbluten

Nasenbluten ist kein eigenes Krankheitsbild, sondern ein Symptom. Dahinter können harmlose lokale Reizungen, aber auch systemische Erkrankungen stecken. Häufige lokale Ursachen sind z. B. Verletzungen der Nasenschleimhaut, z. B. durch Stöcke, Grasgrannen, scharfkantige Gegenstände, Kratzen mit der Pfote, Stöße beim Spielen.

Auch Fremdkörper in Nase oder Nasennebenhöhlen zählen zu den möglichen Auslösern. Der Hund niest heftig, reibt die Nase, schnaubt oder versucht, sich die Pfote ins Gesicht zu schlagen. Bleibt der Fremdkörper stecken, kann sich die Schleimhaut entzünden, und es kommt zu blutigem Ausfluss.

Zu erwähnen sind darüber hinaus Entzündungen und Infektionen: Bakterien, Pilze (z. B. Aspergillose) oder Parasiten können chronische Nasenentzündungen verursachen. Typisch sind dann länger anhaltender Nasenausfluss, Niesen und manchmal einseitiges Nasenbluten. Last but not least kommen Polypen und andere gutartige Wucherungen als Ursache infrage. Sie können die Nasengänge einengen, zu Sekretstau führen und bluten, wenn sie gereizt werden.

Schwerwiegendere Ursachen

  • Traumatische Verletzungen von Kopf oder Schädel
    z. B. nach einem Unfall, Sturz oder Tritt. Begleitend können Bewusstseinsstörungen, Schwellungen oder neurologische Auffälligkeiten auftreten.
  • Tumoren in der Nasenhöhle oder im Nasen-Rachenraum
    Vor allem bei älteren Hunden. Hinweise können einseitiger Nasenausfluss, verformter Nasenrücken, Schwierigkeiten beim Atmen oder Fressen sein.
  • Erkrankungen der Zähne und Kiefer
    Tiefe Zahnwurzelabszesse oder Fisteln von den oberen Backenzähnen in die Nasenhöhle können in Einzelfällen Nasenbluten auslösen, sind aber eher seltene Ursachen.

Systemische Erkrankungen und Vergiftungen

Nasenbluten kann auch Ausdruck einer gestörten Blutgerinnung sein, beispielsweise bei:

  1. Vergiftungen mit Rattengift (Cumarine),
  2. schweren Lebererkrankungen,
  3. bestimmten Infektionskrankheiten (z. B. Ehrlichiose, Leishmaniose in Reiseländern),
  4. angeborenen oder erworbenen Gerinnungsstörungen,
  5. starkem Bluthochdruck.

Hinweise hierauf sind oft weitere Blutungen, z. B. blaue Flecken in der Haut, Blut im Urin oder Kot, blutiges Erbrechen, punktförmige Blutungen am Zahnfleisch oder in den Augenbindehäuten sowie allgemeine Schwäche und blasse Schleimhäute. Das ist immer ein tierärztlicher Notfall.

Erste Hilfe bei Nasenbluten

  1. Ruhe bewahren und Hund beruhigen
    Aufregung und Stress erhöhen den Blutdruck und können die Blutung verstärken. Sprich ruhig mit deinem Hund und verhindere wildes Herumlaufen.
  2. Kühlen
    Lege ein in ein Tuch gewickeltes Kühlpack, einen kühlen Waschlappen oder einen Beutel mit Erbsen aus dem Gefrierfach auf den Nasenrücken, nicht direkt in die Nasenlöcher. Die Kälte kann Gefäße verengen und die Blutung reduzieren.
  3. Kopf leicht hoch, aber nicht überstrecken
    Der Hund sollte normal atmen können. Kein Kopf tiefer als der Körper, damit nicht noch mehr Blut in Richtung Nase fließt – aber auch nicht zu stark nach hinten überstrecken.
  4. Nichts in die Nase stecken!
    Keine Wattestäbchen, Papiertaschentücher oder ähnliches einführen, um die Blutung zu „stoppen“. Das kann die Schleimhaut weiter verletzen oder Fremdkörper tiefer hineinschieben.
  5. Blutmenge grob einschätzen 
    Wenn möglich, lass das Blut auf ein Tuch tropfen oder fotografiere die Situation. Diese Informationen helfen der Tierarztpraxis bei der Einschätzung.

Wann muss ich zum Tierarzt?

Grundsätzlich gilt: Nasenbluten sollte immer tierärztlich abgeklärt werden, vor allem wenn:

  • die Blutung stärker oder nicht nach wenigen Minuten Kühlen deutlich schwächer wird,
  • beide Nasenlöcher betroffen sind,
  • dein Hund zusätzlich matt, benommen, kurzatmig oder blass wirkt,
  • Blut an anderen Stellen auftritt (Zahnfleisch, Urin, Kot, Erbrochenes),
  • kürzlich ein Unfall, Sturz oder Schlag auf den Kopf passiert ist,
  • dein Hund Zugang zu Rattengift oder anderen Giften gehabt haben könnte,
  • ihr in den letzten Monaten in Regionen wart, in denen Leishmaniose oder Ehrlichiose vorkommen,
  • Nasenbluten immer wieder auftritt oder schon länger Nasenausfluss besteht.

Die Tierärztin oder der Tierarzt wird je nach Verdacht die Nase und Maulhöhle untersuchen und Fragen zu Verlauf, Reisen, Medikamenten und möglichen Giften stellen. Eventuell werden auch Blutuntersuchungen durchgeführt (u. a. Gerinnung, Organwerte). Unter Umständen wird er oder sie Röntgen, Ultraschall, CT/MRT oder eine Endoskopie der Nase empfehlen. Nur so lässt sich eine passende Behandlung einleiten – von der lokalen Wundversorgung bis zur Therapie von Infektionen, Gerinnungsstörungen oder Tumoren.

Kann man Nasenbluten vorbeugen?

Nicht allen Ursachen kann man vorbeugen. Einige Risiken lassen sich aber reduzieren:

  • Lass deinen Hund nicht mit Stöcken oder spitzen Ästen spielen; nutze lieber sicheres Spielzeug.
  • Achte beim Freilauf in dichtem Bewuchs auf Grasgrannen und andere Fremdkörper.
  • Bewahre Rattengift, Schneckenkorn und andere Gifte strikt unzugänglich auf und vermeide unkontrollierte Giftköder.
  • Lass Impfungen, Reiseschutzmaßnahmen und regelmäßige Gesundheitschecks beim Tierarzt machen – besonders, wenn ihr in Länder mit Mittelmeerkrankheiten reist.
  • Nimm wiederkehrenden Nasenausfluss oder häufiges Niesen ernst und lass es frühzeitig untersuchen, statt abzuwarten.

Fazit

Nasenbluten beim Hund wirkt dramatisch, ist aber nicht immer lebensbedrohlich. Weil dahinter jedoch sowohl harmlose als auch sehr ernste Ursachen stecken können, ist eine schnelle und gründliche tierärztliche Abklärung wichtig. Mit ruhigem Verhalten, Kühlen und einem aufmerksamen Blick für Begleitsymptome kannst du deinem Hund im Akutfall helfen – und gemeinsam mit der Tierarztpraxis die richtige Behandlung finden.