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Myasthenia gravis ist eine seltene neuromuskuläre Erkrankung. Dabei funktioniert die Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel nicht richtig. Typisch ist eine belastungsabhängige Muskelschwäche: Der Hund läuft zunächst normal, wird dann plötzlich schwach und erholt sich nach einer Pause oft wieder.
Myasthenia gravis kann angeboren oder erworben sein. Die erworbene Form ist beim Hund häufiger und entsteht meist durch eine fehlgeleitete Immunreaktion. Sie kann in jedem Alter auftreten, wird aber besonders bei jungen erwachsenen bis älteren Hunden beschrieben. Rassehäufungen sind unter anderem für Deutsche Schäferhunde, Retriever, Dackel, Chihuahua und Deutsch Kurzhaar beschrieben. Angeborene Formen sind seltener und wurden z. B. bei Jack Russell Terriern, Springer Spaniels und einigen weiteren Rassen beobachtet.
Symptome der Muskelschwäche
Viele betroffene Hunde starten normal, werden nach kurzer Belastung aber schwach, staksig oder unsicher. Sie setzen sich hin, legen sich ab oder brechen zusammen. Nach Ruhe können sie oft wieder weiterlaufen. Manche Hunde zeigen nur eine allgemeine Schwäche, andere vor allem Probleme beim Schlucken oder Hochwürgen von Futter und Wasser. Besonders wichtig ist der sogenannte Megaösophagus: Dabei ist die Speiseröhre erweitert und transportiert Futter nicht mehr richtig in den Magen.
Es kann gefährlich werden
Durch einen Megaösophagus kann Futter oder Flüssigkeit in die Atemwege gelangen. Dann droht eine Lungenentzündung durch Verschlucken (Aspirationspneumonie). Warnzeichen sind Husten, Fieber, Mattigkeit, schnelle Atmung oder Atemnot. In solchen Fällen braucht der Hund sofort tierärztliche Hilfe.
Was passiert im Körper?
Damit ein Muskel arbeitet, sendet der Nerv ein Signal an die Muskelzelle. Dieses Signal wird über den Botenstoff Acetylcholin übertragen. Bei der erworbenen Myasthenia gravis bildet das Immunsystem Antikörper gegen Acetylcholin-Rezeptoren an der Muskelzelle. Dadurch kommt das Signal nicht zuverlässig an. Die Folge: Die Muskulatur ermüdet ungewöhnlich schnell.
Die Diagnose
Schwäche und Zusammenbrechen können viele Ursachen haben, etwa Herzkrankheiten, Stoffwechselstörungen, Bandscheibenprobleme, Vergiftungen oder Tumoren. Deshalb beginnt die Diagnose mit einer allgemeinen und neurologischen Untersuchung. Wichtig ist der Bluttest auf Antikörper gegen Acetylcholin-Rezeptoren. Röntgenaufnahmen des Brustkorbs können zeigen, ob ein Megaösophagus, eine Lungenentzündung oder ein Tumor im Bereich der Thymusdrüse vorliegt. Weitere Tests hängen vom Einzelfall ab.
Behandlung und Verlauf
Die Behandlung richtet sich nach Form und Schweregrad. Häufig werden Medikamente eingesetzt, die die Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel verbessern. Bei erworbener Myasthenia gravis können je nach Fall zusätzlich immunsuppressive Mittel nötig sein. Hat der Hund einen Megaösophagus, sind Fütterungsmanagement und Schutz vor Verschlucken besonders wichtig. Manche Hunde gehen mit Behandlung in Remission, bei anderen bleibt die Erkrankung langwierig oder verläuft schwer. Regelmäßige Kontrollen sind deshalb wichtig.
