19/05/2017 

Giardien gehören zu den häufigsten Darmparasiten beim Hund – vor allem Welpen leiden oft unter hartnäckigem Durchfall. Lies hier, welche Symptome typisch sind und wie die Diagnose gestellt wird. Du erfährst außerdem, wie die Behandlung abläuft, was du zu Hause beachten musst und wie du Ansteckung und Wiederbefall möglichst vermeidest.

Giardien (Giardia duodenalis, auch G. intestinalis oder G. lamblia) sind mikroskopisch kleine Einzeller, die den Dünndarm von Hunden, Katzen und vielen anderen Tierarten besiedeln können. Sie gehören zu den häufigsten parasitären Ursachen für Durchfall beim Hund. Besonders betroffen sind Welpen und Junghunde, ältere oder allgemein geschwächte Tiere sowie Hunde in Tierheimen, Zuchten oder Zwingeranlagen. Giardien können – je nach Variante (Genotyp) – auch auf den Menschen übergehen (Zoonosepotenzial).

Symptome: Woran erkennst du Giardien?

Nicht jeder befallene Hund zeigt Krankheitszeichen. Erwachsene Tiere können Giardien tragen und Erreger ausscheiden, ohne offensichtlich krank zu sein – sie sind dann sogenannte „Ausscheider“. Typische Symptome, vor allem bei jungen oder geschwächten Hunden:

  • wiederkehrender oder chronischer Durchfall
  • Kot oft hell, dünnbreiig bis wässrig, übelriechend, manchmal schleimig
  • gelegentlich Blut oder unverdaute Futterreste im Kot
  • Blähungen, Bauchgrummeln
  • gelegentlich Erbrechen
  • Gewichtsverlust trotz normalem oder erhöhtem Appetit
  • stumpfes Fell, Wachstumsverzögerung beim Welpen
  • in schweren Fällen Abgeschlagenheit und Austrocknung

Die Beschwerden treten häufig schubweise auf: Zwischendurch kann der Kot vorübergehend fester sein.

Ansteckung: Wie verbreiten sich Giardien?

Giardien vermehren sich im Dünndarm und werden als sogenannte Zysten mit dem Kot ausgeschieden. Diese Zysten sind in der Umwelt sehr widerstandsfähig und hoch ansteckend. Hunde infizieren sich vor allem durch:

  • Schnüffeln und Lecken an infiziertem Kot oder mit Kot verschmutzten Flächen
  • gemeinsames Benutzen von Liegeplätzen, Fress‑ und Wassernäpfen mit infizierten Tieren
  • Trinken von verunreinigtem Wasser, z. B. aus Pfützen, Tümpeln oder stehenden Gewässern

In Tierheimen, Zuchten oder auf landwirtschaftlichen Betrieben ist das Risiko erhöht, weil viele Tiere auf engem Raum leben und Hygienemaßnahmen schwierig sind.

Ansteckung des Menschen:

Bestimmte Giardien-Genotypen können auch den Menschen infizieren. Besonders gefährdet sind Kinder, ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem. Gründliche Hygiene ist deshalb sehr wichtig.

Diagnose: Wie werden Giardien nachgewiesen?

Giardien lassen sich durch eine Kotuntersuchung nachweisen. Da die Zysten nicht mit jeder Kotportion ausgeschieden werden, ist eine Sammelkotprobe über 3 Tage sinnvoll. Die Tierarztpraxis kann verschiedene Tests einsetzen:

  • Mikroskopische Untersuchung von aufbereitetem Kot
  • Schnelltests/ELISA zum Nachweis von Giardia-Antigen im Kot
  • in Speziallaboren ggf. PCR-Tests, die das Erbgut des Erregers nachweisen

Ein negativer Test schließt einen Befall nicht immer sicher aus, vor allem wenn nur eine Einzelprobe untersucht wird. Bei anhaltendem Verdacht kann eine Wiederholung der Untersuchung nötig sein.

Behandlung: Was passiert bei Giardienbefall?

Die Therapie besteht aus Medikamenten und konsequenter Hygiene – beides ist wichtig, um sowohl Erkrankung als auch Wiederansteckung zu kontrollieren. In der Regel kommen Wirkstoffe wie Fenbendazol oder Metronidazol zum Einsatz, häufig über mehrere Tage. Manchmal muss die Behandlung nach einer Pause wiederholt werden, besonders bei starkem Befall oder wenn mehrere Tiere betroffen sind. Wichtig: Medikamente immer genau nach tierärztlicher Anweisung geben (Dosis, Dauer). Nicht eigenmächtig absetzen, auch wenn der Kot schon besser aussieht. Bei mehreren Hunden im Haushalt wird oft empfohlen, alle Tiere zu behandeln, um gegenseitige Ansteckung zu vermeiden.

Unterstützende Maßnahmen

  • leicht verdauliche, Magen‑Darm‑schonende Ernährung während der akuten Phase
  • ausreichend Wasser anbieten, ggf. Elektrolytlösung nach tierärztlicher Empfehlung
  • bei jungen oder sehr geschwächten Hunden: engmaschige Kontrolle durch die Tierarztpraxis

Hygiene: So reduzierst du die Ansteckungsgefahr

Giardienzysten sind widerstandsfähig und können in feuchter Umgebung wochenlang überleben. Eine konsequente Hygiene ist daher entscheidend.

Im Haushalt

  • Kot sofort aufnehmen und in verschlossenen Beuteln entsorgen.
  • Liegeplätze, Decken und Hundebekleidung regelmäßig bei mindestens 60 °C waschen.
  • Futter‑ und Wassernäpfe täglich heiß spülen oder in der Spülmaschine mit hoher Temperatur reinigen.
  • Glatte Böden und häufig genutzte Flächen regelmäßig reinigen; heißes Wasser und Dampf sind besonders wirksam.
  • Teppiche, Körbe und schwer waschbare Unterlagen gründlich saugen; was nicht heiß waschbar ist, möglichst in der Sonne trocknen lassen.

Hund selbst

  • Je nach Empfehlung der Tierärztin / des Tierarztes den Hund baden, um anhaftende Zysten aus dem Fell zu entfernen (besonders im Analbereich).
  • Nach dem Baden das Handtuch heiß waschen.

Für Menschen

  • Hände häufig und gründlich mit Seife waschen, besonders nach dem Aufsammeln von Kot, nach Kontakt mit dem Hund und vor dem Essen.
  • Kinder engmaschig anleiten, nicht mit Hundekot oder verschmutzter Erde zu spielen.
  • Immunschwache Personen sollten besonders sorgfältig auf Hygiene achten.

Viele herkömmliche Desinfektionsmittel wirken nur eingeschränkt gegen Giardien. Hitze (z. B. Dampfstrahler, Waschtemperaturen über 60 °C) ist deutlich wirksamer.

Vorbeugung: Wie kannst du Giardienbefall vermeiden?

Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht, aber du kannst das Risiko deutlich senken:

  • Kot deines Hundes beim Spaziergang immer aufnehmen – das schützt andere Tiere und reduziert Umweltkontamination.
  • Deinen Hund nach Möglichkeit nicht aus Pfützen, Tümpeln oder stehenden Gewässern trinken lassen, vor allem in stark frequentierten Hundegebieten.
  • In Mehrhundehaushalten und Zwingeranlagen auf konsequente Hygiene achten (regelmäßige Reinigung, Trockenhalten der Liegeflächen).
  • Bei wiederkehrendem Durchfall oder in Tierheimen/Zuchten ggf. regelmäßige Kotkontrollen in Absprache mit der Tierarztpraxis.
  • Entwurmungsmittel mit Fenbendazol können im Rahmen einer gezielten Therapie auch gegen Giardien wirken – sie sollten aber nicht „auf Verdacht“ in kurzen Abständen ohne Diagnose gegeben werden.

Wichtig: Giardien sind nur eine von mehreren möglichen Ursachen für Durchfall. Anhaltende oder wiederkehrende Verdauungsprobleme gehören immer in tierärztliche Hände.

Verunreinigtes Wasser und weitere Risiken

Verunreinigtes Wasser birgt neben Giardien auch andere Gesundheitsgefahren, z. B. Leptospiren. Diese Bakterien können schwere Erkrankungen verursachen und sind ebenfalls auf den Menschen übertragbar. Auch deshalb ist es sinnvoll, das Trinken aus stehenden Gewässern möglichst zu vermeiden und auf einen aktuellen Impfschutz gegen Leptospirose zu achten.