Forscher weisen nach: Hunde riechen epileptische Anfälle

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Wissenschaftler von der Universität von Rennes können laut eigener Aussage beweisen, dass Hunde epileptische Anfälle riechen. Die Forscher veröffentlichten ihre Studie im Fachmagazin Scientific Reports. Sie erhoffen sich, Wege zu finden, die Anfälle vorhersagen zu können. Dazu könnten Hunde oder „elektronische Nasen“ eingesetzt werden.

Verschiedene Studien haben bisher nachgewiesen, dass Krankheiten wie Brustkrebs oder Lungenkrebs mit spezifischen Körpergerüchen einhergehen. Bei Epilepsie war das bisher nicht der Fall. Die französischen Forscher vermuten, dass das an der Vielzahl unterschiedlicher Anfalltypen liegt.

Um einen bevorstehenden Anfall anzeigen zu können, muss es einen Geruch geben, der bei allen Betroffenen und allen Anfalltypen auftaucht. Mit der Studie wollten die Forscher daher testen, ob dafür trainierte Hunde einen allgemeinen Anfallsgeruch erkennen können. Das Ergebnis: Ja, Hunde sind dazu in der Lage.

Der Versuchsaufbau mit den Hunden

Die Forscher arbeiteten mit fünf Hunden. Davon waren drei weiblich und zwei männlich. Die Vierbeiner hatten bereits gelernt, Behälter mit einem Zielgeruch anzuzeigen. Dazu stellten sie sich darüber. Die Geruchsproben für die Untersuchung stammten von fünf Patienten mit unterschiedlichen Formen der Epilepsie. Jeder Hund nahm insgesamt an neun Versuchen teil. Dazwischen lagen immer Pausen.

Bei jedem Versuch bekamen die Vierbeiner sieben Geruchsproben in undurchsichtigen Behältern präsentiert. Jeweils nur ein Behälter enthielt Geruch, der während eines Anfalls gesammelt wurde. Zwei weitere Geruchsproben stammten von sportlichen Workouts und die restlichen Proben wurden an unterschiedlichen Tagen genommen, an denen die Patienten keine Anfälle hatten.

In jedem der Versuchsdurchläufe erschnüffelten die Hunde den richtigen Behälter in weniger als fünf Minuten. Sie konnten die „Anfall-Gerüche“ also klar von den anderen Gerüchen unterscheiden. An zukünftigen Studien sollen mehr Hunde und mehr Epilepsie-Patienten teilnehmen. Die Forscher interessieren sich auch für Berichte von untrainierten Haushunden, die ihre Halter vor Anfällen warnen. Denn es ist bis jetzt unbekannt, welche Anzeichen die Hunde wahrnehmen.

Auch Hunde bekommen Epilepsie

Die sogenannte idiopathische Epilepsie zählt zu den am häufigsten bei Hunden auftretenden neurologischen Erkrankungen. Etwa 90 Prozent der betroffenen Hunde haben diese Form der Epilepsie. Sie bekommen in unregelmäßigen Abständen immer wieder Krampfanfälle. Die Vierbeiner brauchen zwar lebenslang Medikamente, haben aber eine gute Prognose.

Generell kann jeder Hund an dieser Form der Epilepsie erkranken. Allerdings bekommen sie manche Rassen häufiger. Dazu zählen nachweislich zum Beispiel:

  • Australian Shepherd
  • Beagle
  • Belgischer und Deutscher Schäferhund
  • Border Collie
  • Dackel
  • Dalmatiner
  • Golden und Labrador Retriever
  • Irischer Wolfshund
  • Petit Basset Griffon Vendéen
  • Pudel
  • Sheltie
  • Tervueren
  • Viszla.

Es gibt noch zwei weitere Formen der Epilepsie bei Hunden: die symptomatische und die reaktive. Die symptomatische Epilepsie wird zum Beispiel durch ein Trauma oder eine Entzündung im Gehirn ausgelöst. Zu reaktiver Epilepsie können Krankheiten führen, die nicht im Gehirn veortet sind, etwa Vergiftungen oder Stoffwechselerkrankungen.

Was kann ich tun, wenn mein Hund einen epileptischen Anfall hat?

  • Setze dich neben deinen Vierbeiner und rede ruhig mit ihm.
  • Du kannst ihn streicheln, aber nicht zu nah am Maul.
  • Sorge dafür, dass er sich nirgends verletzen kann.
  • Hält ein Anfall länger als fünf Minuten an, ist es nötig, ihn mit einem Medikament zu unterbrechen. Für Hunde mit Epilepsie gibt es Zäpfchen, die du rektal einführst.
  • Dann schleunigst zum Tierarzt!

Es kann für die Therapie sehr hilfreich sein, wenn du einen Krampfkalender führst. Darin notierst du alle Anfälle, die Uhrzeiten und Dauer, wie sich dein Hund verhält und alle weiteren Auffälligkeiten.

Fakten über Epilepsie beim Menschen

  • Epileptische Anfälle (Krampfanfälle) entstehen durch Störungen elektrischer Signale im Gehirn. Während eines Anfalls können die Nervenzellen im Hirn nicht richtig miteinander kommunizieren.
  • Die Krankheit kann zum Beispiel durch einen Schlaganfall oder Sauerstoffmangel bei der Geburt verursacht werden.
  • Rund 500.000 Menschen in Deutschland sind laut der Deutschen Epilepsievereinigung wegen Epilepsie in Behandlung.
  • In 77694 Kehl-Kork ist das Deutsche Epilepsiemuseum Kork zu finden. Es ist wohl das weltweit erste seiner Art.

Was kann ich als Laie tun, wenn jemand einen Anfall hat?

  • Bekommt die Person einen Anfall in einer Gefahrenzone, etwa im Straßenverkehr oder neben Gegenständen mit spitzen Ecken oder scharfen Kanten, bringe sie in Sicherheit.
  • Atemwege freihalten, Kleidung vor allem am Hals wenn nötig lockern
  • Stabile Seitenlage
  • Dauer des Anfalls merken
  • Verkrampfte Gliedmaßen nicht aufbiegen

Zur Quelle (Original-Studie) geht’s hier.

Lena Schwarz

... ist auf dem Land aufgewachsen. In Augsburg studierte sie Anglistik, Amerikanistik und Deutsch als Fremdsprache. Bei DER HUND kann sie ihre Hundeliebe, Naturverbundenheit und Freude am Schreiben sowie Fotografieren vereinen.

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