17/03/2026  von L. Schwarz

Menschen und Hunde sind ein eingespieltes Team – doch unsere Gefühle beeinflussen sie stärker, als vielen bewusst ist. Zwei Studien der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni) zeigen: Wütende oder fröhliche Stimmen und Gesichter können die körperliche Balance von Hunden messbar verändern.

In der ersten Studie untersuchten Forschende, was im Körper passiert, wenn Hunde menschliche Stimmen mit unterschiedlicher Emotion hören – fröhlich, wütend oder gar keine Stimme. Sie wollten wissen, ob und wie Stimmen die Balance von Hunden beeinflussen.

Die Hunde standen auf einer druckempfindlichen Plattform. So ließ sich der „Druckmittelpunkt“ des Körpers (Center of Pressure, COP) genau messen. Dieser Wert zeigt an, wie stark der Hund sich bewegen muss, um im Gleichgewicht zu bleiben. Sie bekamen Audioaufnahmen vorgespielt.

Im Vergleich zu Stille war eine wütende Stimme mit höheren Werten für die Fläche des Druckmittelpunkts verbunden. Das bedeutet: Der Hund musste sich stärker bewegen, um stabil zu bleiben – ein Zeichen von Destabilisierung. Für 4 andere Stabilitätsparameter konnten keine konsistenten Zusammenhänge mit wütenden oder fröhlichen Stimmen gefunden werden.

Interessant: Die individuellen Reaktionen der Hunde fielen sehr unterschiedlich aus.

Reaktionen der Hunde auf Stimmen

Fröhliche Stimmen:

  • bei 57 % der Hunde: Destabilisierung
  • bei 43 % der Hunde: Stabilisierung

– und zwar in allen fünf untersuchten Parametern

Wütende Stimmen:

  • bei 30 %: stärkste Destabilisierung
  • bei 70 %: keine messbare Veränderung der Balance

Die Emotion in der Stimme wirkt sich also direkt auf die Körperhaltung der Hunde aus – aber nicht bei allen Tieren gleich.

Du willst selbst nachlesen? Hier entlang:

Zur Studie (Stimme, auf Englisch)
Zur Pressemitteilung der Uni

Studie 2: Was Gesichter bei Hunden auslösen

In einer zweiten Studie prüfte das Team, wie Hunde auf menschliche Gesichter reagieren. Auch hier standen die Tiere auf einer Druckmessplatte. Sie bekamen dabei auf einem Fernseher fröhliche oder wütende Gesichter sowie keine Bilder gezeigt. Gemessen haben die Forschenden erneut den Center of Pressure (COP) – also wie stabil der Hund stand.

Fröhliche vs. wütende Gesichter: Stabil oder wackelig?

Fröhliche Gesichter:

  • ca. 65 % der Hunde: geringere COP-Werte → eher stabilisierend
  • ca. 35 %: höhere COP-Werte → eher destabilisierend

Wütende Gesichter:

  • 53 %: stabilisierende Reaktion
  • 47 %: destabilisierende Reaktion

Die emotionale Erregung beim Betrachten der Gesichter beeinflusst also unmittelbar die Körperbalance – aber wieder individuell sehr verschieden.

Selbst nachlesen kannst du’s hier:

Zur Studie (Gesichter)
Zur Pressemitteilung der Uni

Was bedeutet das für den Alltag mit Hund?

Die Studien zeigen: Hunde reagieren nicht nur mental, sondern körperlich auf unsere Emotionen. Stimme und Gesichtsausdruck können sie messbar aus dem Gleichgewicht bringen – im wahrsten Sinn des Wortes.

Das heißt für dich im Alltag:

  • Dein Hund nimmt deine Stimmung sehr genau wahr.
  • Wütende oder stark erregte Kommunikation kann ihn innerlich und körperlich stressen.
  • Auch fröhliche Reize wirken nicht immer nur positiv – je nach Hund können sie aufputschend oder stabilisierend sein.

Umso wichtiger ist ein bewusster Umgang mit Stimme und Körpersprache, besonders bei sensiblen oder unsicheren Hunden.

Fazit

Menschliche Emotionen gehen buchstäblich „unter die Haut“ des Hundes. Die Forschung der Vetmeduni zeigt, dass unsere Stimme und Mimik seine körperliche Stabilität beeinflussen können – und zwar individuell sehr unterschiedlich.