08/06/2024 

Vor allem Hunde im mittleren bis höheren Alter können am Cushing-Syndrom erkranken. Dabei ist der Cortisolspiegel im Körper dauerhaft zu hoch. Cortisol ist ein lebenswichtiges Hormon, das unter anderem Stoffwechsel, Immunsystem und Stressreaktionen beeinflusst. Wird dauerhaft zu viel davon gebildet, belastet das den gesamten Organismus. Unbehandelt kann Cushing die Lebensqualität deutlich verschlechtern und die Lebenserwartung verkürzen.

Mehrere Symptome können auf ein Cushing-Syndrom hinweisen. Typisch sind:

  • starker Durst
  • häufiges oder vermehrtes Urinieren
  • gesteigerter Appetit
  • ein rundlicher, „hängender“ Bauch durch Muskelabbau und Fettumverteilung
  • Muskelschwäche und weniger Belastbarkeit
  • dünne Haut, schlechte Wundheilung und wiederkehrende Hautinfektionen
  • Haarverlust, oft symmetrisch an Rumpf, Flanken oder Bauch
  • vermehrtes Hecheln

Die Anzeichen entwickeln sich meist schleichend. Gerade deshalb werden sie anfangs leicht als normale Alterserscheinungen fehlgedeutet.

Die Diagnose

Nach einer gründlichen klinischen Untersuchung folgen meist Blut- und Urinuntersuchungen. Häufig fallen dabei z. B. erhöhte Leberwerte, ein verändertes Blutbild, verdünnter Urin oder Harnwegsinfektionen auf. Für die Diagnose werden spezielle Hormontests eingesetzt. Je nach Befund können Ultraschall, Röntgen oder in Spezialfällen CT oder MRT helfen, zwischen einer Erkrankung der Hirnanhangsdrüse und einem Nebennierentumor zu unterscheiden.

Warum entsteht Cushing beim Hund?

Cortisol wird in den Nebennieren gebildet und ist lebenswichtig. Es hilft dem Körper, auf Belastungen zu reagieren, beeinflusst den Zucker- und Fettstoffwechsel, den Blutdruck und das Immunsystem. Normalerweise wird die Cortisol-Produktion fein gesteuert: Die Hirnanhangsdrüse gibt über das Hormon ACTH das Signal an die Nebennieren. Beim Cushing-Syndrom ist diese Regulation gestört – der Körper steht hormonell dauerhaft unter „Cortisol-Einfluss“.

Die häufigste Form ist der hypophysäre Hyperadrenokortizismus: Dabei sorgt meist ein kleiner, oft gutartiger Tumor der Hirnanhangsdrüse dafür, dass zu viel ACTH ausgeschüttet wird. Die Nebennieren produzieren daraufhin dauerhaft zu viel Cortisol. Seltener entsteht Cushing durch einen Tumor einer Nebenniere. Außerdem gibt es das iatrogene Cushing-Syndrom: Es wird durch die längerfristige oder hoch dosierte Gabe von Glukokortikoiden, also Kortisonpräparaten, ausgelöst.

Häufig betroffene Hunde

Cushing betrifft vor allem mittelalte bis ältere Hunde. Beschrieben ist eine Häufung unter anderem bei kleinen Terriern, Dackeln, Pudeln, Cocker Spaniels, Beagles und Boxern. Grundsätzlich kann aber jeder Hund erkranken. Ob Hündinnen häufiger betroffen sind, wird in Studien nicht völlig einheitlich bewertet; Alter, typische Symptome und tierärztliche Abklärung zählen mehr als Rasse oder Geschlecht allein.

Cushing-Syndrom behandeln

Die Behandlung hängt von Ursache, Schweregrad und Allgemeinzustand des Hundes ab. Am häufigsten wird Cushing beim Hund medikamentös behandelt. Das Ziel: die Cortisolbildung in den Nebennieren senken. Regelmäßige Kontrollen sind wichtig, damit weder zu viel noch zu wenig Cortisol entsteht. Bei Nebennierentumoren kann eine Operation sinnvoll sein, wenn Lage, Tumorart und Gesundheitszustand des Hundes es zulassen. In spezialisierten Kliniken kommen in ausgewählten Fällen auch weitere Verfahren infrage.

Ergänzende Maßnahmen können das Wohlbefinden unterstützen, ersetzen aber keine wirksame Cushing-Therapie. Pflanzliche Mittel sollten nicht ohne Rücksprache gegeben werden, weil sie Nebenwirkungen haben oder mit Medikamenten wechselwirken können. Sinnvoll sind vor allem regelmäßige Kontrollen, angepasste Fütterung, Hautpflege bei Hautproblemen und ein alltagstaugliches Bewegungsprogramm.

Kann man Cushing vorbeugen?

Tumorbedingtem Cushing lässt sich in der Regel nicht gezielt vorbeugen. Wichtig ist aber, Kortisonpräparate nur nach tierärztlicher Anweisung zu geben und niemals eigenmächtig abzusetzen. Wird dein Hund langfristig mit Glukokortikoiden behandelt, sollten Wirkung und mögliche Nebenwirkungen regelmäßig kontrolliert werden. Außerdem lohnt es sich, typische Veränderungen wie starkes Trinken, Heißhunger, Hautprobleme oder zunehmendes Hecheln früh abklären zu lassen.