Ausgemopst – Zuchtverbot in den Niederlanden

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Fürs Erste züchtet der Niederländische Verband der Mopszüchter (Commedia) keine Hunde mehr. Damit folgt er einem Zuchtverbot, dass die Regierung des Landes erlassen hat und das sich auch auf andere Hunderassen auswirkt. Mehr über die Hintergründe erzählen wir euch hier.

Die Gesetzesänderung „Besluit houders van dieren“ trat eigentlich schon im Juli 2014 in Kraft. Sie hat nicht nur Auswirkungen auf die Zucht von Möpsen, sondern auch auf die Zucht vieler weiterer Hunderassen in den Niederlanden. Artikel 3.4 verbietet die Zucht von Haustieren, wenn das Wohlergehen und die Gesundheit der Elterntiere oder deren Nachwuchses beeinträchtigt werden.

Das bedeutet zum Beispiel, dass keine äußerlichen Merkmale – wie extreme Kurzschnäuzigkeit – weitergegeben werden dürfen, die den Tieren gesundheitliche Probleme (wie Atemnot) bereiten. Das Ziel der Regierung: mehr und besserer Tierschutz.

Bericht über die Zucht mit kurzschnäuzigen Hunden

Dass die Reaktion des Mopsverbandes erst jetzt – aber zumindest als erste der betroffenen Rasseclubs – erfolgte, liegt wohl vor allem an einem Bericht aus dem März 2019. Dieser beschäftigt sich mit der Zucht kurzschnauziger Rassen („Fokken met kortsnuitige honden“). Er geht auf deren sichtbare gesundheitsschädliche körperliche Merkmale ein. In Auftrag gegeben hatte ihn das Ministerium für Landwirtschaft, Natur und Lebensmittelqualität. Es wird jetzt auch dafür sorgen, dass verschärfte Kontrollen stattfinden.

Die Autoren des Berichts schreiben, dass sich in der Zucht kurzschnäuziger Rassen bisher noch nicht genug getan hat. Sie zeigen daher wissenschaftlich untermauerte Kriterien auf, die Inspektoren bei der Begutachtung von Hunden nutzen sollen. Sie bestimmen dann, welche Hunde von der Zucht ausgeschlossen werden. Das soll dabei helfen, die eigentlich bereits bestehenden Vorschriften durchzusetzen. Die Kriterien lassen sich auf alle kurznasigen Hunde anwenden, nicht nur die reinrassigen.

Ampelsystem beurteilt Gesundheit der Hunde

Die Verpaarung von Hunden, die laut des im Bericht verwendeten Ampelsystems (grün, orange, rot) in die Kategorie „rot“ fallen, ist verboten. Zu den aufgeführten und bewerteten Kriterien gehören zum Beispiel:

  • Atemgeräusch
  • Nasenöffnung
  • Relative Nasenverkürzung
  • Nasenfalte
  • Sichtbarkeit des Weiß der Augen beim Hund mit direktem Blick nach vorne

Die wohl deutlichste Regel hat mit der Länge der Schnauze zu tun. Sie betrifft vor allem Möpse und Französische Bulldoggen:

Ein Hund, dessen Schnauze nicht mindestens so lang ist wie ein Drittel der Länge seines Kopfes, gehört in die rote Kategorie. Er darf somit nicht bei der Zucht zum Einsatz kommen.

Hunde mit einer Schnauzenlänge zwischen einem Drittel und der Hälfte des Schädels sind „orange“ und unterliegen einer Übergangsregelung. Züchter dürfen sie noch einsetzen, solange die Hunde alle anderen Kriterien erfüllen.

Unter „grün“ fallen alle Hunde, deren Schnauze mindestens halb so lang ist wie ihr Kopf.

Die Autoren schlagen vor, ein zentrales Register aufzubauen, um überwachen zu können, ob und wie schnell sich die Durchsetzung der Kriterien auf die Hundepopulation auswirkt.

Pläne der Rasseclubs für die Zukunft

Der Mopsverband Commedia hat die Vertreter anderer betroffener Rassevereine zu einem Treffen Mitte Juni 2019 eingeladen. Dabei sollen Pläne für die Zukunft der Zucht besprochen werden. Also, wie die Gesundheit der Hunde verbessert werden kann, unter anderem durch Auskreuzungen. Dabei wird ein Hund mit einem genetisch fremden aber selbst liniengezüchteten Hund verpaart. Damit die Zucht möglich ist, müssen es die Hunde im Ampelsystem von „rot“ zu „grün“ schaffen.

Eingeladen sind Verbände, die sich um die folgenden Rassen kümmern:

  • Die Französische Bulldogge
  • Die Englische Bulldogge
  • Der Mops
  • Der Shih Tzu
  • Der Boston Terrier
  • Die Belgischen Zwerggriffons
  • Der Pekingese
  • Der Japan Chin
  • Der Cavalier King Charles Spaniel
  • Der Affenpinscher

Den Bericht „Züchten mit kurzschnauzigen Hunden“ (Fokken met kortsnuitige Honden) gibt es als Dowload in PDF-Form (auf Niederländisch) auf der Rijksoverheid-Webseite. Dort informieren niederländische Ministerien über nationale Gesetze und Vorschriften.

Lena Schwarz

... ist auf dem Land aufgewachsen. In Augsburg studierte sie Anglistik, Amerikanistik und Deutsch als Fremdsprache. Bei DER HUND kann sie ihre Hundeliebe, Naturverbundenheit und Freude am Schreiben sowie Fotografieren vereinen.

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