09/04/2026 

Wann wurde aus dem Wolf der Hund – und damit der Partner des Menschen, der uns bis heute begleitet? Eine neue Studie rückt den Beginn dieser einzigartigen Beziehung deutlich weiter nach hinten, als bislang gedacht. 

Ein internationales Team von Forschenden hat in alten Knochen aus Höhlen in Großbritannien und der heutigen Türkei die bislang ältesten genetischen Spuren von Haushunden entdeckt. Die Überreste aus Gough’s Cave (Somerset, UK) sind rund 14.300 Jahre alt, die aus der Höhle von Pınarbaşı in Zentralanatolien sogar etwa 15.800 Jahre. Damit sind sie mehr als 5.000 Jahre älter als alle bisher genetisch sicher identifizierten Hunde.

Frühe Hunde statt Wölfe

Mit herkömmlichen archäologischen Methoden ist es schwer, frühe Hunde von Wölfen zu unterscheiden – ihre Skelette sehen sich in der Frühphase der Domestizierung sehr ähnlich. Das Team um Forschende der LMU München, des Natural History Museum in London, der University of Oxford und weiterer Einrichtungen entschied sich deshalb für einen anderen Weg: Sie analysierten komplette Genome aus den alten Knochen und verglichen sie mit der DNA von über 1.000 heutigen und historischen Hunden und Wölfen.

Das Ergebnis: Die Tiere aus Gough’s Cave und Pınarbaşı waren eindeutig Hunde. Auf Basis dieser Daten konnten außerdem weitere alte Hunde in Fundstellen in Deutschland, Italien und der Schweiz erkannt werden. Damit ist klar: Bereits vor mindestens 14.000 Jahren waren Hunde in großen Teilen Europas und der Türkei weit verbreitet.

Unterschiedliche Linien schon vor 15.000 Jahren

Die genetischen Analysen zeigen zudem, dass diese frühen Hunde enger mit den Vorfahren moderner europäischer und nahöstlicher Hunderassen – etwa Boxer oder Saluki – verwandt waren als mit arktischen Rassen wie dem Siberian Husky. Die wichtigsten Abstammungslinien der heutigen Hunde müssen also schon im späten Jungpaläolithikum, gegen Ende der letzten Eiszeit, bestanden haben.

Das legt nahe, dass die Domestizierung des Hundes mehr als 10.000 Jahre vor allen anderen Haustieren und Kulturpflanzen begann – zu einer Zeit, als Menschen noch als Jäger und Sammler lebten.

Teilen von Nahrung, Teilen des Lebens

Neben der DNA untersuchte das Team auch die Ernährung der frühen Hunde und Menschen. Isotopenanalysen – chemische „Fingerabdrücke“ im Knochenkollagen – zeigen, dass die Menschen in Pınarbaşı ihre Hunde wahrscheinlich mit Fisch fütterten, also mit demselben Nahrungsmittel, das sie selbst aßen. Solche Befunde lassen auf eine enge, alltägliche Zusammenarbeit schließen.

Zusätzlich fanden die Forschenden Hinweise darauf, dass Hunde absichtlich bestattet oder ihre Überreste ähnlich behandelt wurden wie menschliche Verstorbene. Das gilt sowohl für Pınarbaşı als auch für Gough’s Cave. Für die Wissenschaft spricht das dafür, dass Hunde in diesen Jäger-Sammler-Gesellschaften nicht nur nützliche Helfer, sondern auch kulturell und emotional bedeutsam waren.

Die Studie lässt darauf schließen, dass die Bindung zwischen Mensch und Hund bis ans Ende der letzten Eiszeit zurückreicht . Schon damals scheinen Menschen sehr unterschiedlicher Kulturen mit Hunden zusammengelebt und wohl auch zusammen gejagt zu haben.

Hier kommst du zum Artikel im Fachjournal nature
Die Pressemeldung (PM) der LMU München gibt’s hier
Die PM der University of York 
Zur PM des Natural History Museum