Aktualisiert; erste Veröffentlichung: 23/07/21
Die spitzen, oft borstenartigen Fortsätze an vielen Gräsern und Getreideähren können für Hunde sehr unangenehm und sogar gefährlich werden. Durch ihre Form und feine Widerhaken können Grannen sich im Fell festsetzen, wie kleine Pfeilspitzen in die Haut eindringen und durch Bewegung immer tiefer ins Gewebe gelangen.
Hinweis: Am Artikelende sind Fotos einer durch Grannen entstandenen Verletzung an der Pfote eines Hundes zu sehen.
Besonders häufig kommt es im späten Frühjahr und Sommer zu Problemen mit Grannen. Dann werden Gräser trocken und die Grannen lösen sich leicht. Nach Spaziergängen durch Wiesen, an Feldrändern oder im hohen Gras lohnt es sich, den Hund kurz zu checken. Dabei kann auch gleich nach Zecken Ausschau gehalten werden.
Was genau sind Grannen?
Bei Grannen handelt es sich um borstenförmige Fortsätze bestimmter Pflanzenorgane. Sie kommen bei vielen Süßgräsern und Getreidearten vor und können je nach Pflanze gerade, gekrümmt, gedreht oder behaart sein. Gerade diese Struktur, gepaart mit den Widerhaken, macht sie problematisch: Sie bleiben leicht im Fell hängen und können sich durch Bewegung weiter in eine Richtung schieben – nämlich tiefer in Fell, Haut oder Körperöffnungen hinein. Grannen können klein und dadurch schwer zu finden und zu entfernen sein.
Häufig betroffene Stellen
Grannen können fast überall am Körper hängen bleiben. Besonders gefährdet sind jedoch:
- Pfoten und Zwischenzehenräume
- Ohren und Gehörgänge
- Nase
- Augen
- Achseln, Leisten und Bauchbereich
- langes oder dichtes Fell
An den Pfoten dringen Grannen häufig zwischen den Zehen ein. Typische Anzeichen sind plötzliches Schlecken oder Knabbern an einer Pfote, Humpeln, Schwellung, Rötung oder eine kleine nässende Stelle. Bleibt die Granne stecken, kann sich ein schmerzhafter Abszess bilden.
Gelangen Grannen ins Ohr, schütteln Hunde oft plötzlich den Kopf, kratzen sich am Ohr, halten den Kopf schief oder zeigen Schmerzreaktionen. Im Gehörgang solltest du bitte nicht selbst „herumstochern“: Es kann passieren, dass du dabei die Granne tiefer hinein schiebst; außerdem besteht Verletzungsgefahr.
Auch die Nase ist in Sachen Grannen eine Problemstelle. Ein Hund, der eine Granne eingeatmet hat, niest oft plötzlich heftig, manchmal einseitig. Auch Nasenausfluss oder Blut aus einem Nasenloch können auftreten. In seltenen, schweren Fällen können eingeatmete Pflanzenteile tiefer in die Atemwege gelangen.
Besondere Vorsicht geboten ist zudem am Auge: Eine Granne kann die Bindehaut, Hornhaut oder das umliegende Gewebe reizen oder verletzen. Kneift der Hund ein Auge zu, tränt es stark, ist es gerötet oder reibt er mit der Pfote daran, sollte er schnell in die Tierarztpraxis. Bitte versuche nicht, eine Granne am Auge selbst herauszuziehen. Kleine Teile können zurückbleiben oder die Verletzung verschlimmern.
Wann muss der Hund in die Tierarztpraxis?
Wenn du eine Granne nur oberflächlich im Fell findest, kannst du sie vorsichtig entfernen. Sobald sie jedoch in Haut, Ohr, Nase, Auge oder eine Wunde eingedrungen ist, gehört der Hund in tierärztliche Behandlung.
Das gilt besonders bei:
- starkem oder anhaltendem Niesen
- Kopfschütteln, Ohrenschmerz oder Kopfschiefhaltung
- Humpeln, Schwellung oder Eiter an der Pfote
- gerötetem, tränendem oder zugekniffenem Auge
- Fieber, Mattigkeit oder deutlichen Schmerzen
- einer Wunde, die nicht abheilt oder immer wieder nässt
Je früher die Granne entfernt wird, desto besser. Eingedrungene Pflanzenteile können Entzündungen, bakterielle Sekundärinfektionen, Abszesse oder Fistelgänge verursachen. Je nach Sitz der Granne braucht die Tierärztin oder der Tierarzt spezielle Instrumente, eine Sedierung, Bildgebung oder in manchen Fällen eine Operation. Antibiotika sind nicht automatisch immer nötig, können aber bei bakterieller Infektion oder bestimmten Wundverläufen sinnvoll sein.
So kannst du Grannen vorbeugen
Ganz vermeiden lassen sich Grannen nicht. Du kannst das Risiko aber deutlich senken. Bitte meide zum einen im Sommer möglichst Wege durch hohes, trockenes Gras. Kontrolliere deinen Hund zum anderen nach Spaziergängen gründlich. Eine solche Kontrolle dauert nur wenige Minuten, kann deinem Hund aber Schmerzen und eine aufwendige Behandlung ersparen. Schau besonders zwischen die Zehen, in die Achseln, an Bauch, Ohren und Augen.
Bürste darüber hinaus langes oder dichtes Fell regelmäßig aus. Halte das Fell zwischen den Zehen bei gefährdeten Hunden kurz. Auch wenn dein Hund Schlappohren oder viel Ohrbehang hat, solltest du ihn besonders sorgfältig absuchen.
Balloos Pfote: So schnell kann es ernst werden
Hündin Balloo, ein Chesapeake Bay Retriever, bekam am eigenen Leib zu spüren, wie unangenehm Grannen werden können. Anfangs sah die Verletzung an ihrer Pfote noch klein aus. Doch innerhalb kurzer Zeit verschlimmerte sich die Stelle deutlich. Es sammelte sich Eiter an, und der Tierarzt musste die Verletzung operativ versorgen. Zum Glück konnte Balloo sich wieder erholen.
Der Fall zeigt: Auch eine unscheinbare kleine Stelle sollte ernst genommen werden, wenn der Hund Schmerzen zeigt, humpelt, leckt oder die Haut anschwillt.
Fotos: Silvia Peuß (http://good-will-hunting.com)
