22/05/2017 

Wenn dein Hund beim Laufen plötzlich ein Hinterbein hochzieht und kurz darauf wieder normal weiterläuft, kann eine Patellaluxation dahinterstecken. Die „springende Kniescheibe“ betrifft besonders kleine Hunde.

Die Patella ist die Kniescheibe und besteht aus Knochenmaterial. Außen an den Gelenkflächen ist sie mit Gelenkknorpel überzogen. Sie liegt vorne am Kniegelenk in der Sehne des großen Oberschenkelmuskels und gleitet bei Bewegung in einer Rinne am Oberschenkelknochen. Sie wirkt wie eine Umlenkrolle: Dadurch kann der Hund das Knie kraftvoll strecken. Rutscht die Kniescheibe aus ihrer Bahn, wird die Bewegung instabil und das Gelenk kann gereizt oder geschädigt werden.

Symptome des Knieproblems

Bei einer Patellaluxation rutscht die Kniescheibe aus ihrer Führungsrinne. Typisch ist ein plötzliches „Hüpfen“: Der Hund zieht ein Hinterbein für einige Schritte hoch und läuft danach wieder normal. Je nach Schweregrad reicht das Bild von kaum sichtbaren Aussetzern bis zu dauerhafter Lahmheit, Schmerzen und Fehlbelastung. Man unterscheidet 4 Grade: Grad I ist mild und oft zufällig feststellbar, Grad IV bedeutet, dass die Kniescheibe dauerhaft ausgerenkt ist.

Eine Patellaluxation feststellen

Die Diagnose wird vor allem durch eine orthopädische Untersuchung gestellt: Die Tierärztin oder der Tierarzt prüft, ob und wie leicht sich die Kniescheibe verschieben lässt. Röntgenaufnahmen können zusätzlich sinnvoll sein, um Fehlstellungen, Arthrose oder andere Knieprobleme zu beurteilen. Bei Risikorassen sind Untersuchungen im Rahmen der Zucht sinnvoll, weil Patellaluxation häufig erblich mitbedingt ist.

Die Ursachen

Beim gesunden Hund gleitet die Kniescheibe während der Bewegung stabil in ihrer Rinne. Bei einer Luxation springt sie heraus – meist nach innen, also zur Körpermitte hin. Diese mediale Patellaluxation ist besonders bei kleinen Hunden häufig. Seltener rutscht die Kniescheibe nach außen. Begünstigt wird das durch Fehlstellungen von Ober- oder Unterschenkel, eine zu flache Führungsrinne, ungünstige Zugrichtung der Sehne oder Verletzungen.

Welche Hunde sind besonders betroffen?

Häufig betroffen sind kleine Rassen wie Chihuahua, Yorkshire Terrier, Zwergpudel, Cavalier King Charles Spaniel, Papillon, Pekingese oder Zwergspitz. Grundsätzlich kann aber jeder Hund eine Patellaluxation entwickeln. Bei kleinen Hunden ist sie oft erblich und wachstumsbedingt mitbeeinflusst. Bei größeren Hunden oder nach Unfällen können auch traumatische Ursachen eine Rolle spielen.

Die Behandlung

Die Behandlung hängt von Grad, Schmerzen, Alter, Aktivität und Folgeschäden ab. Nicht jede Patellaluxation muss sofort operiert werden: Bei milden Fällen ohne Beschwerden können Gewichtskontrolle, Muskelaufbau, Physiotherapie und regelmäßige Kontrollen reichen. Bei wiederholtem Hüpfen, Lahmheit, Schmerzen oder höheren Graden ist häufig eine Operation sinnvoll. Je nach Befund werden z. B. die Führungsrinne vertieft, Weichteile stabilisiert oder der Ansatz der Kniescheibensehne versetzt.

Knieproblemen vorbeugen

Erbliche Formen lassen sich vor allem durch verantwortungsvolle Zucht reduzieren. Hunde mit relevanter Patellaluxation sollten nicht unkritisch zur Zucht eingesetzt werden. Für betroffene Hunde ist im Alltag wichtig: Normalgewicht halten, rutschige Böden entschärfen, Muskulatur gezielt aufbauen und übermäßige Sprungbelastung vermeiden. Das verhindert die Veranlagung nicht, kann die Gelenke aber entlasten.