15/08/2026 

Ein Verkehrsunfall, eine tiefe Schnittwunde, Atemnot oder der Verdacht auf eine Vergiftung: Notfälle kommen meist unerwartet. Kennst du die wichtigsten Regeln der Ersten Hilfe beim Hund kennt, kannst du die Zeit bis zur tierärztlichen Behandlung sinnvoll überbrücken. Lies hier, worauf es ankommt – und warum ein praktischer Erste-Hilfe-Kurs für Hunde so wertvoll ist.

Erste Hilfe bedeutet, einen Hund am Notfallort zunächst zu sichern, seinen Zustand einzuschätzen und lebensbedrohliche Probleme möglichst zu begrenzen. Sie ersetzt niemals die Untersuchung in einer Tierarztpraxis oder Tierklinik. Ruf möglichst früh dort an: Das Team kann sich vorbereiten und dir Hinweise für den Transport geben.

Wann ist es ein Notfall?

Sofort tierärztliche Hilfe braucht dein Hund unter anderem bei:

  • Atemnot, Atemstillstand oder bläulichen, sehr blassen Schleimhäuten
  • Bewusstlosigkeit, Krämpfen, Lähmungen oder starker Schwäche
  • starken oder nicht kontrollierbaren Blutungen
  • Verkehrsunfällen, Stürzen und vermuteten Knochenbrüchen
  • tiefen Wunden, Bissverletzungen oder Fremdkörpern im Körper
  • starkem, wiederholtem Erbrechen oder Durchfall, besonders mit Blut
  • Verdacht auf Vergiftung
  • Überhitzung, etwa nach einem Hitzschlag, oder starker Unterkühlung

Auch wenn äußerlich zunächst wenig zu sehen ist, können nach einem Unfall innere Verletzungen vorliegen. Deshalb sollten angefahrene oder schwer gestürzte Hunde immer tierärztlich untersucht werden.

Ruhe bewahren und dich selbst schützen

Bleibe möglichst ruhig. Schmerz, Angst und Schock können selbst freundliche Hunde dazu bringen, abzuwehren oder zuzubeißen. Nähere dich langsam und sprich ruhig.

Ein Maulkorb oder eine Maulschlaufe (nur kurz) kann Helfende schützen – aber nicht, wenn der Hund Atemnot hat, erbricht, bewusstlos ist, einen Hitzschlag erlitten hat oder Verletzungen an Maul und Gesicht aufweist. In diesen Fällen darf die Atmung nicht behindert werden. Sichere den Hund außerdem gegen Weglaufen, sofern das ohne zusätzliche Gefahr möglich ist.

Bewusstsein, Atmung und Kreislauf prüfen

Sprich den Hund an und berühre ihn vorsichtig. Atmet er? Hebt und senkt sich der Brustkorb? Bei einem bewusstlosen Hund öffnest du vorsichtig das Maul und prüfst, ob sichtbare Fremdkörper, Erbrochenes oder Blut die Atemwege blockieren. Entferne nur Material, das du sicher greifen kannst – schiebe keinesfalls etwas tiefer in den Rachen.

Einen Puls kannst du an der Innenseite des Oberschenkels fühlen. Noch wichtiger ist im Notfall die Gesamteinschätzung: Reagiert der Hund, atmet er normal, sind seine Schleimhäute rosig? Bei Bewusstlosigkeit, fehlender oder auffälliger Atmung gilt: sofort Tierklinik anrufen und nach Anweisung handeln.

Wiederbelebung: Beatmung und Herzdruckmassage

Eine Herz-Lungen-Wiederbelebung ist nur nötig, wenn der Hund bewusstlos ist und nicht normal atmet. Lass dich, wenn möglich, parallel telefonisch von einer Tierarztpraxis oder Tierklinik anleiten.

  • Lege den Hund auf eine feste Unterlage in Seitenlage.
  • Bei den meisten Hunden erfolgen die Herzdruckmassagen über der breitesten Stelle des Brustkorbs.
  • Drücke den Brustkorb zügig etwa um ein Drittel bis die Hälfte seiner Breite ein und lasse ihn zwischen den Kompressionen vollständig wieder ausdehnen.
  • Aktuelle veterinärmedizinische Reanimationsleitlinien empfehlen etwa 100 bis 120 Kompressionen pro Minute.
  • Bei sehr kleinen Hunden kann eine Hand den Brustkorb umfassen; Daumen und Finger drücken ihn von beiden Seiten zusammen.
  • Bei größeren Hunden werden die Hände übereinander auf den Brustkorb gelegt. Bei tiefbrüstigen Hunden kann die Position etwas weiter über dem Herzen liegen.
  • Wenn du allein hilfst, folgen auf 30 Kompressionen 2 vorsichtige Atemspenden über die Nase; das Maul bleibt dabei geschlossen. Der Brustkorb sollte sich sichtbar heben. Danach setzt du die Herzdruckmassage sofort fort.
  • Unterbrich nur kurz, um die Atmung zu kontrollieren oder wenn fachliche Hilfe übernimmt.

Ein Erste-Hilfe-Kurs ist der beste Weg, diese Maßnahmen praktisch und sicher zu üben. Bitte übe die Herzdruckmassage nie am Hund!

Wunden versorgen und Blutungen stillen

Bei kleineren, oberflächlichen Wunden kannst du sichtbaren Schmutz vorsichtig mit steriler Kochsalzlösung oder sauberem Wasser ausspülen und die Stelle steril abdecken. Vermeide Salben, Puder oder Sprays, wenn anschließend eine Praxis die Wunde beurteilen soll.

Bei starker Blutung übst du mit einer sterilen Kompresse oder einem sauberen Tuch gleichmäßigen Druck auf die Wunde aus. Wenn möglich, legst du einen Druckverband an. Ein Abbinden von Gliedmaßen ist nur in Ausnahmefällen und nach tierärztlicher Anleitung sinnvoll, weil dabei Gewebe geschädigt werden kann.

Steckt ein größerer Gegenstand, etwa eine Scherbe, ein Nagel oder ein Ast, in der Wunde, ziehe ihn nicht heraus. Decke die Stelle ab, polstere den Gegenstand vorsichtig in seiner Position und fahre unverzüglich in eine Tierklinik. Das gilt besonders für Verletzungen an Auge, Brustkorb oder Bauch.

Vergiftung, Hitzschlag und Unfall

Bei Verdacht auf eine Vergiftung: Nimm Verpackungen, Pflanzenreste oder Köderreste mit, falls das gefahrlos möglich ist, und ruf sofort eine Tierarztpraxis oder Tierklinik an. Löse nicht eigenmächtig Erbrechen aus und gib Aktivkohle nur nach tierärztlicher Anweisung. Beides kann je nach Giftstoff und Zustand des Hundes gefährlich sein.

Bei Hitzschlag bringst du den Hund in den Schatten oder einen kühlen Raum und beginnst mit vorsichtiger Kühlung, etwa mit handwarmem bis kühlem Wasser und Luftbewegung. Eiskaltes Wasser ist nicht geeignet. Auch hier zählt: sofort tierärztlich vorstellen.

Nach einem Verkehrsunfall sicherst du zunächst die Unfallstelle. Bewege den Hund so wenig wie möglich und transportiere ihn, wenn möglich, auf einer festen Unterlage oder in einer stabilen Decke. Kopf, Hals und Rücken sollten dabei möglichst ruhig gehalten werden.

Erste-Hilfe-Set und Kurs

Ein Erste-Hilfe-Set für Hunde gehört ins Auto, in den Haushalt und auf längere Touren. Sinnvoll sind unter anderem sterile Kompressen, Mullbinden, selbsthaftende Fixierbinden, eine stumpfe Schere, Einmalhandschuhe, eine Pinzette, Kochsalzlösung zur Wundreinigung, eine Decke, ein Fieberthermometer sowie die Telefonnummern der Haustierarztpraxis und der nächstgelegenen Tierklinik.

Besuche idealerweise einen Erste-Hilfe-Kurs für Hunde. Dort lernst du, Normalwerte einzuordnen, einen Verband anzulegen, einen Hund sicher zu transportieren und Wiederbelebungsmaßnahmen zu üben. Das nimmt im Ernstfall nicht die Sorge – aber es gibt dir Sicherheit für die ersten entscheidenden Minuten.

Buch- und Klicktipp:

Wenn du noch mehr zur Ersten Hilfe am Hund wissen möchtest und praktische Anleitungen immer griffbereit haben willst, kannst du auf unser Buch Erste Hilfe am Hund zurückgreifen.

Du kannst auch die Theorie mit unserem Online-Kurs Erste Hilfe am Hund Kurs kennenlernen.

Ebenso spannend und nützlich: Unser Buch rund ums Medical Training.