Wenn Bären leben – dürfen Teil 2

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„Wir wussten, dass wir die Tanzbären trotz Verbot nicht einfach wegnehmen konnten. Also haben wir sie alle gekauft.“

Der letzte Tanz

Genau dieses Happy-End feiern auch die Tanzbären in Bulgarien. Von den 25 registrierten Tanzbären konnten alle, dank VIER PFOTEN, ein neues Zuhause im Tanzbärenpark Belitsa finden. Die Tanzbären haben ein schmerzhaftes Leben hinter sich. Auf glühenden Metallplatten sollten sie „tanzen“ lernen, wurden mit dazu eingespielter Musik konditioniert und auch nach dem „Erlernen“ der Aufgabe mit Nasenringen aus Gründen der „Folgsamkeit“ gequält. VIER PFOTEN weiß, dass sich noch über 1000 frei lebende Braunbären in Bulgarien aufhalten und versucht immer wieder gegen weitere „Ausbildungen“ vorzugehen.

Der Start des Tanzbärenparks war erstaunlich einfach, wie Sabine Loose berichtet: „1999 haben wir mit dem Projekt begonnen. Wie immer haben wir Kontakt zu den Politikern aufgenommen. Unser Vorschlag war es, dass sie einen Vertrag unterzeichnen, der die Tanzbären verbietet. Wir würden im Gegenzug den Tanzbärenpark bauen. Die Verträge wurden sehr schnell unterzeichnet.“ Doch dann musste sich VIER PFOTEN über den weiteren Verlauf der Kampagne Gedanken machen. Denn die Familien, die die Tanzbären hielten und damit ihr Geld verdienten, hatten sonst nichts. Die Tanzbären waren ihr einziges Kapital und ihr einziges Mittel die Familien zu ernähren. „Wir wussten, dass wir die Tanzbären trotz Verbot nicht einfach wegnehmen konnten. Also haben wir sie alle gekauft.“ Innerhalb von sieben Jahren befreite VIER PFOTEN alle Tanzbären europaweit.

Die Region um Belitsa zeigt sich mittlerweile auch sehr erfreut über den Tanzbärenpark. Denn er bringt nicht nur den Bären, sondern auch der Bevölkerung entscheidende Vorteile. „Wir haben das Ganze in verschiedene Richtungen ausgebaut. Zum einen wird der Park genutzt um Touristen nach Belitsa zu ziehen. Davon profitiert auch die Region. Dann haben wir mit dem Park auch Arbeitsplätze geschaffen. So haben wir zum Beispiel neue Bärenpfleger ausgebildet. Und das Futter für die Bären beziehen wir ausschließlich aus der Region.“ Eine runde Sache. So rund, dass es der Region nun deutlich besser geht als zur „Tanzbärenzeiten“. Das zeigt auch das erste Hotel, das nun in Belitsa erbaut wurde.

Waisen-Bären finden Zuflucht

Ähnlichen nachhaltigen Erfolg beweist auch ein Projekt im Nachbarland Rumänien. Dort werden immer wieder von den rund 5.000 Bären, die in den Wäldern der Karpaten und Transsylvanien leben, viele erschossen – von Trophäensammlern oder Wilderern. Sie bedrohen die Bären in ihrem Lebensraum und – was noch viel schlimmer ist – nehmen kleinen Jungbären ihre Mütter weg. Damit sind die Bärenkinder vollkommen hilflos. Meist sind sie noch nicht fähig, sich selbst etwas zu Essen zu suchen, geschweige denn sich zurecht zu finden. Werden die Jungtiere von Menschen gefunden, landen sie oft dort, wo die jetzigen Bewohner der Schutzzentren herkommen: In einem Zirkus oder im Zoo. VIER PFOTEN eröffnete deswegen inmitten von Rumänien die erste Bärenwaisenstation. Dort werden circa drei bis zehn Bären im Jahr aufgenommen, großgezogen und wieder in den Wäldern ausgesetzt. Da sich das ohnehin schon schwer genug gestaltet, ist die Bärenwaisenstation auch nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Bären gewöhnen sich schnell an den Menschen und an die Nahrungsquelle in Menschennähe. Da die Auswilderung jedoch immer bevorsteht, versucht man die Bären bis auf Tierschützer oder -ärzte möglichst menschenfern aufzuziehen.

Jeder kann helfen

Viele Menschen stehen hinter den Großprojekten von VIER PFOTEN, arbeiten ehrenamtlich, spenden notwendige Gelder und tragen so alle einen Teil zum Tierschutz bei. Jeder kann mitmachen und vor allem: jeder kann helfen. Ob durch Beobachtungen, Informationen oder Spendengelder. Unter www.vier-pfoten.de gibt es weitere Einblicke in die Organisation, die Arbeit, die Projekte und die Möglichkeiten der Unterstützung.

Die zwei Braunbärinnen Katja und Ida jedenfalls haben schon viel Hilfe erhalten. Jetzt sind sie glücklich. Über ihr Leben, ihr Zuhause, ihre Gesellschaft. So glücklich, dass sie bestimmt auch im nächsten Winter den ersten Winterschlaf ihres Lebens halten können – und dürfen. (hs)

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