Wellness für Hunde: Tierwohl oder Vermenschlichung?

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Unsere Serie über Entspannungs-Tipps für Mensch und Hund hat deutlich gemacht, wie viele praktische Anwendungen es gibt, damit auch Hunde Wellness machen können. Allerdings ist „Wellness“ auch ein beliebtes Werbewort. Wo verläuft die Grenze zwischen Tierwohl und Vermenschlichung?

Wenn Frauchen oder Herrchen gestresst sind, unternehmen Sie für einige Tage einen Wellnessurlaub, um ihre Erholung zu fördern. Als Familienmitglied kommt der Hund natürlich mit. Wie die Zweibeiner erhält er Massagen, entspannende Musik, gesunde Kost und darf auf einem eigenen Hundebett ausruhen. Doch ist das noch eine artgerechte Behandlung?

Abwechslung hält Hunde gesund und lebensfroh

Generell hat jedes Tier Anspruch auf Ruhe und Wohlbefinden. Die Antwort lautet also: Ja, Wellness für Hunde dient dem Tierwohl. Den Hunden ist es jedoch egal, ob wir bestimmte Praktiken als Wellness bezeichnen oder nicht. Für den Hund geht es darum, Triebe und Bedürfnisse zu stillen. Er möchte in einer ausgewogenen Mischung spielen, schlafen, fressen und als Rudeltier natürlich auch sozialen Kontakt. Der körperliche Kontakt beim Massieren oder Kraulen des Bauches, das ausgelassene Spielen beim Stöckchenholen oder Ballwerfen sowie das Erleben verschiedener Gerüche und neuer Orte hält den Hund jung und gesund.

Vermenschlichung als häufiger Streitpunkt

Dass die eigentlich selbstverständliche Pflichten des Hundehalters unter dem Etikett „Wellness“ angeboten werden, ist lediglich ein Trick unter uns Menschen. Das Werbewort gilt in der Gesundheits- und Pflegebranche als ein Garant für Umsatz. Diesen Trick möchte auch die Haustierbranche nutzen. Jeder Hundehalter sollte sich grundlegend aber immer fragen, was hat mein Hund von bestimmten Leistungen wie etwa „Wellness für Tiere“. Die Grenze liegt dort, wo der Hund vermenschlicht wird oder das Tier Anzeichen zeigt, dass es sich nicht wohl fühlt. Etwa, wenn Hunden Pullover angezogen bekommen, die sie eigentlich nicht mögen, oder eine unnötig lange Prozedur im Hundesalon durchlaufen müssen, um eine Dauerwelle zu bekommen. Handelt man für das Tier oder im eigenen modischen Interesse?

Haustiere werden zum Lifestyle-Accessoire

Bei wahrer Fürsorge, gerne auch unter dem Namen Wellness, bleibt der Hund ein individuell fühlendes Lebewesen mit Vorlieben und Abneigungen, die vom Halter toleriert werden. Und er wird nicht als Mensch gesehen, aber ebenso respektiert und geliebt. So bleibt der Hund im wahrsten Sinne unser „bester Freund“ mit artgerechter, würdiger Haltung. Bezüglich Wellness bedeutet das letztlich, dass es vom Hund selbst abhängt, wodurch er sich entspannt. Der eine Hund möchte stundenlang massiert werden und zeigt kein Anzeichen von Flucht; ein anderer hat mehr Spaß daran, über grüne Wiesen zu toben und mag gar nicht stillhalten. Wellness ist in beiden Fällen, wenn das Herrchen individuelle Vorlieben wie diese über das eigene Wunschbild seines Hundes stellt.

Melanie Feutlinske

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