Tierarzt Dr. Roland Stirl im Interview

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Fachtierarzt und erfahren im Bereich "kurzschnäuzige Hunde"

Dr. med. vet. Roland Stirl ist Fachtierarzt für Kleintiere und Besitzer einer Französischen Bulldogge. In seiner Kleintierpraxis in Bergisch Gladbach versorgt er, gemeinsam mit seinem Team, Tiere mit allen Leistungen der modernen Allgemeinmedizin. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit ist unter anderem auch die Behandlung des Brachycephalensyndroms bei allen kurzschnäuzigen Rassen

 

Stadthunde.com: Kurzschnäuzige Hunde wie Möpse, Französische Bulldoggen oder auch Boxer haben oftmals Probleme mit der Atmung. Wodurch können diese Atemprobleme und das daraus folgende „Schnarchen“ entstehen?

Dr. Stirl: Die Atemprobleme, die die kurzköpfigen (brachycephalen) Hunde haben, sind ein Resultat der konsequenten Zucht auf einen kurzen Schädel, insbesondere eine Verkürzung der Nase. Diese züchterische Veränderung bringt eine Reihe von Abweichungen der „natürlichen“ anatomischen Gegebenheiten des Hundes mit sich. Als erstes sind die Nasenlöcher verengt, wodurch die Luftzufuhr per se eingeschränkt ist.  Danach sind die Nasenmuscheln in ihrer Ausprägung reduziert und stark deformiert,  weshalb sie in die sonst freien Nasengänge ragen. Der Rachenraum ist auch verändert: die Zunge ist dicker als beim „normalen“ Hund und nimmt viel Platz ein, das Gaumensegel ist ebenfalls lang und fleischig und legt sich ungünstig weit auf den Eingang des Kehlkopfes durch den die Luft in die Lunge gelangt. Der Kehlkopfknorpel selber ist nicht mehr so rigide und wiedersteht dem Unterdruck den die Tiere beim Atmen aufbauen nicht so gut. Die Schleimhaut des Kehlkopfes wird vermehrt angesaugt und die sonst nach innen gefalteten Schleimhauttaschen, neben den Stimmbändern, werden permanent nach außen gesogen, wo sie dann zusätzlich im Weg der Atemluft liegen. Das Schnarchen an sich ist nur ein Symptom und kommt vom Flattern des Gaumensegels.

Stadthunde.com: Ist ein solches „Schnarchen“ nur ein akkustisches Problem oder bringt es gesundheitliche Risiken für den Hund mit sich?

Dr. Stirl: Die Folgen der Kurzköpfigkeit müssen nicht, können aber gravierende gesundheitliche Probleme nach sich ziehen. Alle betroffenen Hunde haben Leistungseinbußen, vor allem bei Wärme. Leider kommt es eben auch vor, dass diese Leistungseinbußen so groß sind, dass ein normales Hundeleben nur noch sehr eingeschränkt geführt werden kann. Dies sind die Extremfälle, doch mehr oder weniger haben alle ein Defizit.

Stadthunde.com: Worauf sollten Welpenkäufer, die sich für einen kurzschnäuzigen Rassehund interessieren, bei der Auswahl achten?

Dr. Stirl: Neben den üblichen Kriterien der Auswahl eines gewissenhaften Züchters sollten die Elterntiere besonders betrachtet werden. Schon im Vorfeld sollte abgeklärt werden wie groß die Einschränkungen der Elterntiere bei Wärme sind und was diese in der Lage sind zu verrichten. Extrem kurzköpfige Tiere sollte man nicht nehmen. Die Elterntiere sollten auch frei von Keilwirbelbildung, Kniescheibenluxierung und Hüftgelenksproblemen sein. Gewissenhafte Züchter haben diese Untersuchungen bei ihren Zuchttieren machen  lassen.

Stadthunde.com: Weshalb besteht Ihrer Meinung nach so ein ausgeprägtes Interesse an kurzschnäuzigen Rassehunde bzw. wie konnte es überhaupt dazu kommen, dass Hundeschnauzen immer kürzer gezüchtet wurden?

Dr. Stirl: Es liegt wohl an der Kombination des netten Aussehens und des freundlichen Charakters. Die meisten kurzköpfigen Rassen sind sehr gut als Familienhunde geeignet. Das Gesicht der Hunde folgt dem „Kindchenschema“ und da kann kaum einer wiederstehen. Werden die Tiere gut erzogen, sind sie unkomplizierte und tolle Begleithunde.

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