Kastration bei Hunden: Das solltest du wissen

0

Rute oder Ohren aus optischen Gründen abschneiden? Geht ja gar nicht! Dieses Kupieren ist unter deutschen Hundehaltern weitgehend verpönt – und es ist verboten. Dass dieses Verbot auch die Kastration umfasst, ist noch nicht so bekannt. In Ausgabe 09/2020 geben wir dir alles mit, was du über die Kastration bei Hunden wissen solltest. Einen Ausschnitt liest du hier. 

In Paragraph 6 Tierschutzgesetz steht:

Verboten ist das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen oder das vollständige oder teilweise Entnehmen oder Zerstören von Organen oder Geweben eines Wirbeltieres.“

Die Kastration ist nichts anderes, denn dabei entfernen Tierärzte die Hoden oder Eierstöcke und teilweise die Gebärmutter.

Diese Gründe rechtfertigen eine Kastration nicht

Das Verhindern der Fortpflanzung betrachtet der Gesetzgeber nicht als ausreichenden Grund dafür, funktionsfähige Organe zu entfernen, die wichtige Aufgaben im Körper erfüllen. Der Hintergrund: Von Hundehaltern wird, anders als von den Besitzern von Freigängerkatzen, erwartet, ihre Tiere immer so unter Kontrolle zu haben, dass sich diese nicht einfach fortpflanzen können.

Weil es praktischer ist und ich nicht putzen oder mit Verhaltensschwankungen umgehen muss“, zählt ebenso wenig als zulässiger Grund für eine Kastration wie die Prävention zukünftiger Erkrankungen.

In diesen Fällen kann der Eingriff erlaubt sein

Anders sieht es aus, wenn eine tierärztliche Indikation – also ein triftiger und aktueller medizinischer Anlass – gegeben ist und andere, weniger invasive Behandlungsmaßnahmen nicht infrage kommen. Nötig wird der Eingriff etwa bei Gebärmuttervereiterungen und Zysten auf den Eierstöcken. Auch wenn Hündinnen an Diabetes mellitus erkranken, hilft eine Kastration.

Einen Eingriff nötig machen können darüber hinaus massive Beschwerden während der Scheinträchtigkeit, wie Tierärztin Sophie Strodtbeck beschreibt: „Problematisch ist es dann, wenn das Gesäuge geschwollen, heiß und rot ist oder knotige Veränderungen im Gesäuge sind. Treten diese Probleme bei jeder Läufigkeit auf, kann eine Kastration in Betracht kommen.“ Dass eine Hündin ein Gesäuge bildet und Milch gibt, ist zunächst einmal völlig normal – auch wenn sie nicht trächtig ist.

Die medizinischen Gründe für eine Kastration beim Rüden umfassen zum Beispiel die Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie) ebenso wie Perianaltumore. Diese – meist gutartigen – Umfangsvermehrungen im Afterbereich sind recht häufig und verschwinden für gewöhnlich nach der Kastration.

Das Cover zeigt Malinois Ingo mit Steinkauz Poldi

Im ausführlichen Artikel ...

... erfährst du, wie es mit Verhaltensproblemen als Kastrationsgrund aussieht. Darüber hinaus liest du über Möglichkeiten der chemischen und chirurgischen Kastration (Kastrationschip, OP) und den richtigen Zeitpunkt für eine Kastration. Außerdem findest du in Ausgabe 09/2020 eine kleine Hormonkunde. Darin steht, was im Körper durch die Sexualhormone Östrogen und Testosteron passiert und was geschieht, wenn diese durch eine Kastration wegfallen.

Lena Schwarz

… schnüffelt als Redakteurin für DER HUND durch die faszinierende Welt der Caniden, löchert Fachleute mit Fragen, trifft außergewöhnliche Vierbeiner und deren Menschen und teilt die Geschichten und Bilder online sowie im Printheft. Besonders gern ist sie mit Hund wandernd unterwegs.