Leben mit Hund in der Großstadt?

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Die Erfurter Hundetrainer Nick Oehme und Susanne Wille haben den Ratgeber „Hunde im Großstadt-Dschungel“ geschrieben. DER HUND hat mit Susanne Wille über Haltung und Erziehung von Hunden in der Großstadt gesprochen.

DER HUND: Bei all den Ratgebern zur Hundeerziehung, warum braucht es ein Buch speziell für den Hundehalter in der Großstadt?

Susanne Wille: Wir sind Hundetrainer, leben selbst mit unseren Hunden in der Großstadt Erfurt und beschäftigen uns mit den Fragen unserer Kunden. Wir sehen, dass es immer mehr Hundehalter in der Stadt gibt, die mit den gängigen Erziehungsratgebern schnell an ihre Grenzen stoßen.

Wenn es um Welpenerziehung geht, erfordern die in vielen Büchern beschriebenen Methoden eine reizarme Umgebung zum Trainieren. Da habe ich in einer Großstadt schnell ein Problem. Wenn ich in der Innenstadt an einem belebten Platz wohne, trete ich aus der Haustür mitten ins Leben. Auch hat nicht jeder ein Auto und die Zeit, dreimal am Tag mit dem Hund aus der Stadt zu fahren, um auf einem Feld zu üben.

Immer wieder gibt es auch Fragen zum Thema städtische Hundewiesen: Wann gehe ich da hin? Wann lasse ich das lieber? Und was kann ich tun, wenn mein Hund dort von anderen gemobbt wird? Oder selbst anfängt, zu rüpeln? Das sind spezifische Themen, die so in Hundebüchern noch selten zu finden sind.

Außerdem richten wir uns an erfahrene Halter. Wir wollen sie für die Bedürfnisse von Nicht-Hundehaltern sensibilisieren. Denn nicht jeder findet es toll, wenn meine Hunde im Restaurant den Kellner anschnüffeln oder die Leute am Nachbartisch begrüßen. Schließlich gibt es auch Menschen, die Angst vor Hunden haben.  Gegenseitige Achtsamkeit ist in der Hundehaltung in der Großstadt von elementarer Wichtigkeit.

Sie sagten, dass gerade Welpenerziehung in der Stadt einige Probleme mit sich bringt. Können Sie das an einem konkreten Beispiel beschreiben?

Hunde im Grossstadt-Dschungel - Buch
Ratgeber „Hunde im Großstadt-Dschungel – Stadtklar von Anfang an“. Foto: Kynos

Häufig kommen Kunden zu uns und sagen: Mein Hund läuft keinen Schritt, sobald wir die Wohnung verlassen – weil er einfach so geplättet ist von all den Eindrücken. Das ist typisch Großstadt. Mein Rat wäre: Nimm den Hund und trag ihn erstmal ein Stück. Dann setz ihn auf eine Wiese. Ihr guckt euch zusammen euer Umfeld an. Und dann nimmst du ihn wieder hoch, trägst ihn ein Stück, setzt ihn ab und schaust, ob er jetzt läuft. Solche Probleme hätte man auf einem Feld sehr selten. Da laufen die Hunde einfach los und schnüffeln hier und da.

Letztendlich braucht Welpenerziehung also auch in der Stadt ruhige Orte; man muss sie allerdings erst finden.

Ja, das ist die Hauptaufgabe als Stadtmensch mit Hund: Erst einmal diese Ruheinseln zu finden, dass man sich eine Landkarte erarbeitet und weiß: Wo habe ich in der Nähe ein Stück Wiese, auf dem ich warten und sich umschauen kann. Wenn man in der Innenstadt unterwegs ist, stellt man schnell fest, dass es sehr wenige Plätze gibt, an denen man Pausen machen kann. Aber es gibt sie und sie wollen gefunden werden.

Hundetrainerin Susanne Wille  ist eine der beiden Autorinnen des Buches „Hunde im Großstadtdschungel – Stadtklar von Anfang an“, erschienen bei Kynos.

Das ganze Interview lesen Sie in DER HUND, Ausgabe 11/2016.

Diese Ausgabe ist auch online erhältlich.

Miriam Wirths

... arbeitet im Online-Team der DER HUND Website und an der » Facebook-Fanpage. Ihr absoluter Lieblingshund aus unserem Rasselexikon ist der » Kooikerhondje - werft doch gleich mal einen Blick auf den "alten Holländer".

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