Redaktionsgebell

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Wirre Wünsche

Das ist (unter anderem) das Schöne an unserem Job: Was wir in DER HUND behandeln, hat oft einen ganz engen Bezug zum richtigen Leben. Wir bringen keine Texte über die Schafskäseherstellung in Südargentinien oder über das Übernachten in Eishotels am Polarkreis, sondern wir berichten über Dinge, die nebenan relevant sein können.
Gerade bereiten wir ein Interview zum Topthema „Familienhund gesucht?“ in Heft 11 vor. Kaum damit befasst, hörte ich von einer Hovawart-Züchterin, die just folgende Anfrage aus dem benachbarten Ausland bekam und dankend ablehnte: Eine junge Mutter hatte sich für einen Welpen aus dem gerade fünf Wochen alten Wurf beworben. Zur Familie gehören, bitte anschnallen, ein Baby (sechs Monate jung) und ein Kleinkind (eineinhalb Jahre alt). Die Frau hat noch nie vorher einen Hund besessen. Und sie wollte unbedingt einen Rüden haben. Schwarzmarken, bitte. Geht es noch heftger? Und ob! Auf die Frage, warum sie sich denn gerade für diese anspruchsvolle, kraftstrotzende Hunderasse interessiere, kam die Antwort: „Weil diese Hunde so toooooooooll aussehen!“
So, und jetzt kommt Ihr. Mir fällt dazu nämlich nichts mehr ein!

Foto: Kerl

06.09.10 Ke

Wer mischte mit?

Max ist der beste Beweis dafür, wie nachhaltig Urlaub auf dem Bauernhof sein kann! Im den Familienferien hatte sich Madame Labrador mit dem Herrn Gastgeberhund eine Liäson gegönnt. (Kennt Ihr den Spruch: „Und wenn die Liebe auf den Misthaufen fällt“? Will sagen: Hauptsache, Ihr seid glücklich!) Ferien sind schließlich nicht nur für Zweibeiner da, schien sie sich gedacht zu haben. Zwei Monate später kamen Max und seine Geschwister zur Welt! Er ist inzwischen acht Monate alt und lebt bei einer Familie in Berlin, die Kinder sind fünf und drei Jahre alt.
Ich habe ihn in der letzten Woche persönlich getroffen und gleich ein Fotoshooting vereinbart, denn er ist der perfekte Kandidat für unsere Rubrik „Wer mischte mit?“. Max erscheint im November-Heft. Ja richtig, da werden anderswo gerade noch die Strandfotos vom letzten Urlaub ausgewertet, da wird in Erinnerungen an die letzte Ferienliebe geschwelgt… In unserer Redaktion ist dagegen schon der Herbst angebrochen. Das Oktober-Heft ist auf dem Weg in die Druckerei, damit Ihr es am 15. September frisch auf den Tisch bekommt. Max begegnet Euch erst im November, dann könnt Ihr nachlesen, welcher Rasse wohl sein Vater angehört.
Ein bisschen Spannung muss schon sein… Aber eines kann man schon verraten und das sieht man Max auch an: Die Liebe der Madame Labrador ist NICHT auf den Misthaufen gefallen.

Foto: Götz

30.08.10

Neuer Rhythmus

Kennt Ihr den Rhythmus, bei dem jeder mit muss? Wir wollen an dieser Stelle den Beat ändern und künftig nur noch einmal wöchentlich bellen. Nicht, dass uns nichts einfiele! Das Hundethema ist nun wirklich ergiebig genug. Aber exzellente Mini-Texte halten den Schreiberling schon sehr auf und diese Zeit brauchen wir ganz dringend, um das nächste Heft akribisch vorzubereiten, akkurat zu produzieren und bis zum Druck eng zu begleiten. Deshalb nicht böse sein, wenn es an dieser Stelle ab sofort nicht mehr täglich textliches Frischfutter gibt.
Höre ich da leises Protestknurren? Fan-Beschwerden werden gern entgegengenommen und fließen in die weitere Entscheidungsfindung ein. Ihr lest von uns: immer wieder montags!

Foto: Christian Seidel/www.pixelio.de

23.08.10 Ke

Nebenbei gelernt

Habt Ihr schon mal vom „hidden curriculum“ gehört? Der heimliche Lehrplan besagt, dass ein Eleve ganz nebenbei Dinge verinnerlicht, die ihm sein Lehrer gar nicht vermittelt hat – oder besser: meint, ihm nicht vermittelt zu haben. Zweibeinige Schüler lernen etwa nicht nur Mathe und Deutsch, sondern auch, die Schulzeit zu überleben und sich strategisch gut durchzuwurschteln. Spickzettel, die kleinen Überlebenshelfer, werden so gestaltet und versteckt, dass James Bonds Q anerkennend nicken würde. Auf dem offiziellen Stundenplan stehen solche kreativen Techniken natürlich nicht!
Lernerfahrungen führen also ein geheimes Eigenleben. Manchmal wirkt der „hc“ beim Hund unangenehm, weil ihm z.B. unbeabsichtigt durch das Schenken von Aufmerksamkeit beigebracht wird, seine Leute zu manipulieren (was vielen entnervten Hundeschulkunden, die die Ursache nur beim pelzigen Störenfried sehen, schwer zu vermitteln ist).
Der heimliche Lehrplan kann aber auch Spaß machen. Einen Mini-Freudentaumel bescherte mir gerade meine Hovawart-Lady Atlanta. Um die Möglichkeiten unseres Spaziergebietes voll auszuschöpfen, muss ich mit meinen Hunden oft eine Landstraße entlang gehen. Kommen uns Autos entgegen, dirigiere ich anscheinend unbewusst meine links von mir trabenden Hovis von der Fahrbahn weg hinter den weißen Begrenzungsstreifen. Aufgefallen war mir dieses Ritual bislang nicht. Und was macht Atlanta neuerdings wie von Geisterhand? Sieht ein Auto kommen und geht vollautomatisch hinter die weiße Linie! „Coooooool!“, würde mein 13-jähriger Neffe Lasse sagen. Jetzt warte ich darauf, dass ich auch noch Lantas Spickzettel finde.

Foto: Rainer Sturm/www.pixelio.de

20.08.10 Ke

In der Klemme

Gestern rief mich eine langjährige DER HUND-Leserin aus Bayern an, deren Geschichte mein Blut kurzzeitig in den Adern gefrieren ließ. Frau H. besitzt einen neuen Welpen: Ihr Dalmatiner-Mädchen ist keck, neugierig und seeeehr unternehmungslustig. Und so fand die Kleine plötzlich wahnsinnig spannend, was sich hinterm Gartentor auf der Straße tat. Mal eben den hübschen Punktekopf durch das schmiedeeiserne Zaunelement gesteckt – und dann hatten Hund und Frau H. den Salat: Der Welpe steckte fest und kam nicht mehr vor und nicht mehr zurück! Mit Hilfe eines Nachbarn konnten zum Glück etliche Schrauben gelöst und die junge Dalmatinerin befreit werden. Was die Hündin davontrug? Nichts. Den Welpen hatte das kleine Zaundrama von allen Beteiligten am wenigsten aufgeregt.
Ähnliches erlebten mein Mann und ich mal beim Aufziehen eines Hovawart-Wurfes. Die Welpen waren etwa sieben Wochen alt, als der properste Rüde mit einem Mal im Gartenauslauf seinen Kopf durch einen Absteckzaun aus stabilen Metallstreben steckte – und schrie wie am Spieß! Ich habe mit Sicherheit meine persönliche Bestzeit im Sprint hingelegt, um zu ihm zu kommen. Anders als der Dalmatiner-Welpe wollte sich Romulus, das schwarzmarkene Unfallopfer, aber partout nicht beruhigen und heulte und schluchzte vor Schock über die Freiheitsberaubung per Zaun um den Kopf so erbärmlich, dass die Nachbarn schon besorgt aus den Fenstern schauten. Erst ein Seitenschneider, schnell geborgt bei einer Dachdeckerei schräg gegenüber, befreite ihn aus seiner misslichen Lage.
Zäune und Hunde, Hunde und Zäune. Hundezäune sind wirklich ein Kapitel für sich...

Foto: Hans-Peter Reichartz/www.pixelio.de

19.08.10 Ke

Keine Krokodilstränen

Vor rund 100 Millionen Jahren gab es ein Urkrokodil mit hundeartigem Gebiss, katzengroß und anscheinend vor allem an Land unterwegs. Ausgebuddelt wurde das gute Stück vor zwei Jahren in Tansania. Eine wissenschaftliche Sensation, denn Pakasuchus kapilimai machte einen auf Säugetier. Ob es wohl Krokodilstränen vergießen konnte?
Laut Wikipedia ist „Krokodilstränen vergießen“ eine Redensart, „die eine geheuchelte Zurschaustellung von Trauer, Betroffenheit oder Mitgefühl zum Ausdruck bringen will.“
Wir vergießen heute in unserer DER HUND-Redaktion jede Menge echter Tränen, denn unsere Kollegin Kathrin Gutmann verlässt uns! Sie paddelt los zu neuen Ufern, um im Krokodilsbild zu bleiben, steigt in Süddeutschland an Land und wird künftig als Lektorin in einem renommierten Verlag dafür sorgen, dass ganz wunderbare neue Heimtierratgeber entstehen.
DANKE von Herzen für die tollen, auch menschlich so angenehmen Jahre der Zusammenarbeit. Dreimal über die Schulter gespuckt und alles, alles Gute für die Zukunft, liebe Gu! Wir sagen zum Abschied ganz laut Servus...

Foto: Jennifer Scheffler/www.pixelio.de

18.08.10 Ke

Einfach tierisch

Ich habe in den ganzen Jahren schon viel mit Hunden erlebt und war ganz bestimmt mutig, was die Zusammenstellung des eigenen Rudels betraf. Aber eines habe ich mich bislang nie getraut: auch noch eine Katze in die Hund-Mensch-Hausgemeinschaft zu integrieren.
Im aktuellen Heft bringen wir seitenweise Tipps, wie das Abenteuer gelingen kann. Momentan bekommen wir dazu viele, viele spannende Zuschriften. Einfach toll, dass uns die Leserinnen und Leser quasi ihre Haustür öffnen und schauen lassen, was bei ihnen daheim so abgeht. Zig Schilderungen machen Mut. Einige klingen nachdenklich. Bis jetzt kam aber keine, die den Tenor hatte: „...nie wieder!“ Eher: „Das wird schon!“
Dabei gab ich als Züchterin schon so oft Hovawart-Welpen in Katzenhaushalte ab. Immer ging`s gut. Manchmal ging`s nicht besser. Ich denke an einen schwarzmarkenen Sprössling, den mein Mann und ich damals Biber nannten, weil er als Welpe einen klitzekleinen Kinnstrich hatte, der an Biberzähne erinnerte. Der kleine Biber zog zu Züchtern Norwegischer Waldkatzen nach Franken und sah sich beim Einzug einem richtigen Tribunal gegenüber: Sieben plüschige Riesenkatzen bildeten im Flur einen undurchdringlichen Halbkreis und maunzten im Chor mit im Takt zuckenden Katzenschwänzen: „Du kommst hier nicht rein! Du kommst hier nicht rein! Du kommst...!“
Schnell spielte sich alles ein. Wir bekamen damals ein Video mit Kampfszenen, das uns den Atem stocken ließ: „Alles im grünen Bereich, die spielen nur!“, kommentierte die coole Katzenzüchterin damals unseren Aufschrei der Besorgnis, denn eine Katze verschwand völlig unter dem wie entfesselt (aber doch kontrolliert) tobenden Junghovawart.
Einmal erschreckten seine Besitzer sich aber selbst: Ihre weiße Norwegerin Medea hatte vor ihnen gestanden, völlig blutverschmiert im pelzigen Gesicht, doch bester Laune. Was war passiert? Der junge Biber, mitten im Zahnwechsel, hatte Medeas Kopf in den Fang genommen und ein paar juckende, ausfallende Milchzähne an ihr abgerieben...
Später hatte der zweisprachig aufgewachsene Rüde nur ein Problem: Er wollte nicht ohne sein zu Hause gut betreutes Katzenrudel in den Urlaub fahren und trauerte tagelang am Ferienort, weil er von seinen Miezen getrennt worden war!
Eines ist sicher: Wer Hund und Katze gemeinsam hält, wird tierisch was erleben. Noch bleibe ich trotzdem lieber feige.

Foto: I. Göckel/www.pixelio.de

17.08.10 Ke

Donnerwetter!

Neulich war ich stinksauer auf einen Nachbarn, der auf seine bekanntermaßen heftig zur Sache gehende Harzer Fuchs-Hündin mal wieder nicht aufgepasst hatte. Ich ahnte nichts Böses auf einem gemütlichen Spaziergang durch Wald und Wiesen, als ich in Richtung Straße abbog. Da stürzte sich Madame, ohne Umwege aus einem Gebüsch schießend, gleichzeitig auf meine beiden angeleinten Hovawart-Hündinnen. Ihr braucht sicher nicht viel Fantasie, um meine Laune angesichts dieses Überfalls nachfühlen zu können. Alma ist mit ihren 12 Jahren nicht mehr die Standfesteste und dann diese bis zum Anschlag fletschende Hündin auf ihrem Rücken! Vom Besitzer keine Spur.
Vor allem hatte die Kämpferin es aber auf Lanta abgesehen. Meine Hunde wehrten sich angemessen, aber energisch. Endlich erschien der Harzer-Halter auf mein lautes Rufen hin abwiegelnd und beschönigend wie aus dem Nichts und griff sich seine Furie aus der Luft, die immer wieder neue Attacken starten wollte. Mir sprangen derweil grelle Blitze aus den Augen, denen eigentlich eine Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes vorausgegangen sein müsste. Man nennt es auch Nötigung. So was hasse ich!
Zum Glück trug kein Hund ernste Blessuren davon, alle hatte ihr dichtes Fell geschützt. Aber meine Hovawart-Mädels, und jetzt haltet Euch fest, strahlten mich beim Weitergehen an, als hätte ich gerade ein Mammut für sie erlegt! Die Begeisterung darüber, dass ich dieses biestige, bissige Mensch-Hund-Gespann mit markigen Worten in die Flucht geschlagen hatte, war nicht zu übersehen. Nebenerkenntnis dieses für meinen Blutdruck gar nicht erfreulichen Nachmittags: 1:0 für Kerls siegreiche Neandertalhorde!

Foto: rebel/www.pixelio.de

16.08.10 Ke

Ein guter Tag?

Seid Ihr abergläubisch? Nein? Nicht ein klitzekleines Bisschen? Aber Ihr wisst schon: Heute ist Freitag, der 13. – ein ganz gewöhnlicher Tag! Die Erfahrung, dass Freitag, der 13. nicht gefährlicher ist als jeder x-beliebige andere Tag, hilft nicht wirklich: Man erwartet heute einfach Pech, Böses oder Unglück.
Die Angst vor der Zahl 13 ist der vielleicht am weitesten verbreitete Irrglaube. Auch unseren Hunden wurden früher so manche übersinnlichen Fähigkeiten und Eigenschaften nachgesagt. Hier eine kleine Auswahl:
„Von bösen Menschen nimmt ein Hund kein Brot an.“
„Das Rutschen auf der Rute (Schlittenfahren) deutet auf Gäste; ebenso, wenn der Hund sich im Zimmer wälzt.“
„Man soll in Gegenwart von Hunden nicht von ihrem Verkauf reden, sonst sterben sie.“
„Man darf Hunde nicht ‚Ding’ nennen, sonst entwickeln sie sich nicht gut.“
„Hunde mit schwarzem Gaumen werden bissig.“
„Ein Hund wird scharf und wachsam, wenn man ihm etwas von dem Wasser, mit dem man sich gewaschen hat, in sein Fressen schüttet.“
„Wunden heilen schneller, wenn ein Hund sie leckt.“
„Bei Unwetter soll man sich unbedingt von Hunden fernhalten, weil der Blitz nach ihnen schlägt.“
Der Wetterdienst hat heute für den Berliner Raum ein sogenanntes Extremwetterereignis angekündigt (tolles Wort) – meine beiden Retriever nehmen darauf natürlich keine Rücksicht. Hals und Beinbruch für Euch!


Foto: Claudia Hautum/www.pixelio.de

13.08.10 pa

Rituale

Angeblich sagt die Schlafposition etwas über den Charakter des Zweibeiners aus, behauptet jedenfalls ein US-Psychiater. So sollen Bauchschläfer Perfektionisten, Rückenschläfer selbstbewusst und Seitenschläfer ausgeglichen sowie unternehmungslustig sein.
Die Schlafrituale unserer Vierbeiner (Max döst auch schon mal im Sitzen, siehe Bild) sind manchmal schon sehr gewöhnungsbedürftig. Bei Pankaus geht es jedoch recht entspannt zu. So dreht Max zunächst etwa 100 einsame Ehrenrunden um sein Körbchen, steigt dann völlig ermattet hinein, um dann wie ein Rumpelstilzchen auf seiner Matratze hin- und herzuhüpfen. Nach zwei schweißtreibenden Stunden mit kurzzeitigen Stepptanzeinlagen lässt er sich in seine formschöne Liegekuhle plumpsen. Diese Szenen gibt es zehnmal am Tag kostenlos.
Eine neue Schlafstatt muss demnächst her. Nicht, dass er etwa dem in Hundekreisen sehr beliebten Zeitvertreib frönt: Wer kann das Kuschelkissen am höchsten schmeißen oder den Korb am schnellsten in seine einzelnen Flechtstränge zerlegen? Nein, mit seinen Oberschenkeln, die mittlerweile den Umfang haben wie die des bekannten Sumo-Ringers Katooshu, passt er in kein handelsübliches Körbchen mehr. In seiner bevorzugten Schlaflage auf dem Rücken fällt es manchmal schwer zu unterscheiden, ob es sich um einen medizinischen Notfall (offener Fang, röchelnde, gurgelnde, schmatzende Laute, abgekippter Unterkiefer, heraushängende Zunge, verdrehte Augäpfel) oder nur um einen entspannten Tiefschlaf handelt.
Rückenschläferin Murmel ist gewöhnlich so stumm wie Helmut Kohl damals bei der Frage nach seiner Beteiligung an der Spendenaffäre.


Foto: Pankau

12.08.10 pa
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